November 6, 2008

Der Oba Amagau

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 12:13 pm

Obamamania überall. Die Welt scheint vorerst gerettet, weil ein neuer Heilsbringer Präsident der USA geworden ist. Und ich freu mich auch. Endlich wird der Amerikafeindlichkeit der Untergrund entzogen. Von Bushkriegern und Skull and Bones wird man nichts mehr hören. Die ganze, so toll und über Jahre aufgebaute, Idee der bösen USA die von der Ölindustrie und (meist jüdischen) Thinktanks beherrscht wird ist nun in seiner gesamten Blödheit entlarvt. Anti USA Demonstrationen und Plakate wird es nun nicht mehr geben, die müssen nun alle in den Keller zu den Mao Plakaten. Man stelle sich vor, ein erst vor kurzem Eingewanderter und dann auch noch Schwarzer (Uiuiui) wird Präsident der USA, und seine ganze in Afrika verbliebene Familie feiert. Da feiere ich natürlich mit.

Da kann nun wirklich kein Verbindung mehr zu irgendwelchen militärischen und ölindustriellen Zirkeln hergestellt werden, und das was man über Bilderberger und Co. gemeint hat zu wissen, funktioniert nun nicht mehr. Das ist den ganzen USA Hassern in Deutschland, Europa und der Welt einfach nicht klar. Im Moment feiern sie den Sieg über die Bushisten, die im Eigentlichen die USA als eine Form von Diktatur – in der die Wahlen immer nur gefälscht und von mächtigen “Gruppen” gelenkt wird – von Krieg zu Krieg getrieben haben. Das war jetzt seit über 20 Jahren die fast gängige und übliche Lesart der amerikanischen Politik wie sie einem in allen politischen Diskussionen in Deutschland begegnete. Und damit ist jetzt Schluss, sollte man meinen. Aber so richtig glaube ich daran eigentlich doch noch nicht. Das sitzt einfach zu tief.

Aber jetzt freuen sich alle erstmal darüber, daß der kriegstreiberische Diktator Bush in einer Nelkenrevolution gestürzt wurde, und dabei waren ja viele deutsche Journalisten an vorderster Front mit dabei, und haben dieses unmögliche Vorhaben eigentlich erst zur Realität werden lassen. Man darf auf jeden Fall gespannt sein wie es jetzt mit Guantanomo, Waterboarding und den ganzen Krisengeschichten weitergeht, wahrscheinlich wird der Westen (Nun Obamaland) jetzt geschlossen auftreten und erstmal Israel den Palästinensern übergeben sowie den Irak an irgendwelche alten Freunde Sadams. Es werden aber sicher keine USA Flaggen und Püppchen amerikanischer Präsidenten mehr verbrannt werden, das ist schon mal sicher.

Aber erst wenn wir die ersten "Obama als Cowboy" Karikaturen gedruckt sehen ist alles wieder so bizzar wie gewohnt.

5 Comments »

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  1. Der Spiegel muss wieder mehr mit Hitler machen, wo die ganzen USA-gehen-bald-unter/Bush-Neocon-Titelgrafiken ausgedient haben. Als erstes wird natürlich die Heroisierung Obamas mitgemacht. Insgesamt für die Journalisten gar nicht so ein schlechter Wurf. Jemand, der mit hohem Anspruch antritt und hochgelobt wird, kann nachher umso schöner runtergeschossen werden…. abwarten.

    Comment by NUB — November 6, 2008 @ 1:02 pm

  2. Ja, aber die ganzen Neocon-Verschwörungs-Geschichten die ich seit 20 Jahren nun auswendig kenne funktionieren nun nicht mehr. Und die, die sie erzählt haben, bei denen ist sie fester Bestandteil des Welterklärungsmodells und müßte nun eigentlich auf den Müll. Aber, daß etwas auf den Müll kommt habe ich auch beim Zusammenbruch des Kommunismus gedacht. Darauf falle ich nicht mehr rein. Die Leute sind einfach schlau genug, daß was sie immer schon falsch denken auch immer wieder umzuprägen. Wirklichkeit und Wahrheit ist heutzutage eine Frage der Rhetorik.

    Es stimmt natürlich, es wird nicht passieren, daß sich die amerikafeindliche Masse geirrt hat, und darauf wollte ich ja auch ironisch hinweisen. Nur werden jetzt die ganzen Erklärungsmuster die man verwendet noch irrer und noch bizarrer werden.

    Und wahrscheinlich wird man dann als jemand der über die weltpolitische Rolle der USA positiv denkt nur noch mehr angefeindet.

    Comment by luclog — November 6, 2008 @ 2:11 pm

  3. Obama führte 2006 in einer denkwürdigen Rede aus: “But kneeling beneath that cross on the South Side, I felt that I heard God’s spirit beckoning me. I submitted myself to His will, and dedicated myself to discovering His truth.” ( http://www.barackobama.com/2006/06/28/call_to_renewal_keynote_address.php ) Wenn eine der Hauptquellen der aktuellen US-Probleme in der Vermischung von Religion (gnostisierend-protestantisch sektiererisch-fundamentalistische Strömungen) und Politik lag, dann könnte es sein, dass Obama - der ja eher als Prophet denn als Politiker gewählt wurde - eher noch tiefer in das Problem hinein statt hinaus führt. Aber immerhin bietet er die Chance auf einen Wechsel - wenn er sich denn der an ihn gestellten Erwartungshaltung entzieht.

    Comment by Tim Thaler — November 7, 2008 @ 8:10 pm

  4. Genau “Believe in Change”, “yes we can”. Aber ich bin guter Dinge. Desto länger ich das beobachte desto positiver sehe ich Obama als Präsident. Zum einen verbreitet die Wahl von Obama allerüberall einen Optimismus den wir in der aktuellen wirtschaftlichen Lage gut gebrauchen können, und, was ich auch sehr wichtig finde, es ist ein hin zur Rassennormalität in Amerika. Dort haben alle die eigentlich erwartet haben, daß im bösen rassistischen Amerika nie ein schwarzer Präsident werden könnte, durch die Wahl Obamas einen gehörigen Dämpfer bekommen.

    Und die ganzen irren Verschwörungsfreunde haben jetzt auch schon bemerkt das ihr ganzes Koordinatensystem ins Wanken gerät. Was man jetzt hört und ließt ist: “Mal sehen wann er erschossen wird”. Durch einen Mordanschlag auf Obama käme das Weltbild wieder in Ordnung. Völlig bizarr.

    Comment by luclog — November 7, 2008 @ 9:31 pm

  5. luclog, jetzt muss sich nur noch ein Irrer finden, der anderen Irren ihr Weltbild wieder ins Lot bringt und zugleich sich selber berühmt machen will… Zum Glück wird Obama sehr gut beschützt und fährt sicher nicht im Cabrio umher.

    Das mit der Religion bestreite ich aber mal bei Obama als Grund für seinen Sieg, “Messias” u.s.w. Der Hauptgrund war die große Unzufriedenheit auf wirtschaftlichem Gebiet und zu einem kleineren Teil auch bzgl. der Verluste und des Aufwands im Irak, alle westlichen Gesellschaften haben Probleme damit, Kriege mit Verlusten an Menschenleben durchzuhalten, bei wirtschaftlicher Unzufriedenheit tendieren die Leute dazu, das andere Lager zu wählen (ist ja bei uns auch so ähnlich), hinzu kommt die ganze Bedeutung für die Schwarzen und die Tatsache, dass McCain von vielen als Fortsetzung Bushs wahrgenommen wurde. Das reicht, das erklärt es m.E. schon.

    Comment by NUB — November 8, 2008 @ 10:46 am

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