August 6, 2008

Karstadt und das abgekartete Spiel

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 12:42 pm

Fast alle von Karstadt ausgegliederten Ketten melden scheinbar ziemlich zeitgleich Insolvenz an. Das ist sehr bemerkenswert, weil es dabei ja gerade um Arbeitsplätze  geht die gerettet werden sollten und um Filialen die man vor der Schließung bewahren wollte. Besonders die Hertie Kaufhäuser waren ja davor Karstadt Filialen. Über diesen Umweg werden nun also Mitarbeiter freigesetzt und Filialen geschlossen wie es sich der Karstadtkonzern ohne großen Image-Schaden und einen gewaltigen Aufschrei wohl kaum hätte erlauben können. Und so bleibt der große Aufschrei jetzt auch aus. Es werden auch zu hohe Mieten für die Verkaufsflächen als Grund für die Unwirtschaftlichkeit der Filialen genannt. Hierbei ist sicher auch kein Zusammenhang zum Karstadt-Konzern, wie auch bei allen anderen Altlasten die diese ausgegliederten Filialen zu tragen zu haben. Schön wenigstens, daß die Angestellten schon seit Jahren auf  Urlaubs und Weihnachtsgeld verzichtet haben, das hat sicher geholfen. Und noch schöner, daß der Insolvenz-Plan vorsieht die Bezüge der Mitarbeiter demnächst aus der Insolvenzkasse der Bundesagentur für Arbeit zu bezahlen.

8 Comments »

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  1. Es erstaunt aber nicht wirklich, dass die von Karstadt abgegebenen Geschäftsbereiche nicht den Sprung in die Profitabilität geschafft haben, oder? Denn warum wurden sie denn nicht mehr im Konzern gewollt?

    Hertie (oder, wie es nach der Trennung von Karstadt hieß: Karstadt Kompakt) gehört übrigens längst einem anderen Besitzer. Insofern ist der Vorwurf in Richtung Karstadt vielleicht auch etwas merkwürdig.

    Comment by Boche — August 6, 2008 @ 1:04 pm

  2. Es ist sicher nicht einfach zu durchschauen was da wirklich abgelaufen ist. Aber da ich, wie eigentlich fast jeder, Karstadt und auch Hertie Kunde war und bin, hat mich das Produktportfolio bei Hertie doch sehr an Karstadt erinnert. Was heißt, es wurden noch Jahre nach der Trennung spezifische Karstadt Eigenmarken bei Hertie verkauft. Was da im Hintergrund auch unter der Anonymisierung durch Investmentgruppen wirklich läuft oder gelaufen ist, ist für Aussenstehende wahrscheinlich kaum zu durchblicken.

    Man kann es natürlich sehen wie man will. Auch als längst fällige Markt- und Innenstadtbereinigung.

    Ich vermute eher, daß die Zeit der unspezifischen Kaufhäuser ganz allgemein vorbei ist, und die Spezialisten für Bekleidung oder Elektronik z.B. den Kampf gewonnen haben.

    Interessant ist natürlich auch, was der schlimmstmögliche Fall für die tollen Shop-in-Shop Lösungen der Post bedeuten, die sich ja oft in Hertie Filialen befinden.

    Comment by luclog — August 6, 2008 @ 1:25 pm

  3. Hertie ist ein Kunde von uns. Von daher kann ich nur meinen Eindruck mitteilen, dass von Karstadt da seit der Trennung nichts mehr drin steckt. Außer vielleicht den Produktmarken.

    Ob die Zeit der unspezifischen Kaufhäuser vorbei ist, weiß ich nicht so recht. Wenn ich sehe, wie begeistert alle meine Bekannten in Frankreich in die Mega-Supermärkte rennen, scheint am Konzept des umfassenden Angebots unter einem Dach doch etwas dran zu sein.

    Comment by Boche — August 6, 2008 @ 11:09 pm

  4. Urlaubs- und Weihnachtsgeld? Das sind nette Boni in Zeiten, in denen ein Unternehmen Geld zu verschenken hat. Sind die Zeiten schlecht, gibt´s halt nix für lau.

    Daß die Gehälter via Insolvenzgeld kurzfristig - drei Monate - von der BA getragen werden, ist eine durchaus sinnvolle Einrichtung. Dadurch, daß das Unternehmen drei Monate quasi ohne Personalkosten operieren kann, bekommt es eine liquiditätsmäßige Atempause, die eine Sanierung idR überhaupt erst ermöglicht. Die Alternative dürfte sonst in sofortiger Stillegung und Abwicklung bestehen.
    Nebenbei wird das Insolvenzgeld aber auch bei Abwicklung gezahlt. Es ist schlicht Absicherung der Arbeitnehmer dagegen, mit allzu großen Lohnforderungen in der Insolvenz des Arbeitgebers auszufallen.

    Comment by FAB. — August 7, 2008 @ 3:54 pm

  5. @ FAB

    Und demnächst im gleichen Kino: Krankengeld sind nette Boni aus der Zeit als Unternehmer Geld zu verschenken hatten.

    Dem ist entgegenzuhalten, daß es sich natürlich anders verhält. Die Zeiten in denen Unternehmer Geld aus Nettigkeit verschenken haben, haben noch nie existiert. Alle Zulagen und Boni sind in Zeiten erkämpft worden in denen sich Unternehmer
    um ihr Personal bemühen mussten, oder sogar Angst hatten bestreikt zu werden.

    Comment by luclog — August 27, 2008 @ 1:12 pm

  6. Wo bist Du???? Lange nichts mehr von Dir gelesen :-(

    Comment by ela — September 9, 2008 @ 2:52 am

  7. Ich habe gerade den Computerarbeitsplatz neu eingerichtet und es gibt auch ansonsten gerade anderwertig viel zu tun. Mal sehen wie sich das alles so entwickelt, wann ich mal wieder Zeit habe und ob ich demnächst überhaupt genug Zeit finden werde, ist schwer zu sagen. Ich hatte das Bloggen aber auch früher schon mal über längere Zeit ruhen lassen. Es bringt ja auch wenig ein, da ich ja nichtmal ein semiprofessioneller Meinungsverbreiter bin und eigentlich auch kein Ziel damit verfolge.

    Comment by luclog — September 11, 2008 @ 2:21 am

  8. trotzdem lese ich dich gern.
    Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg und geb die Hoffnung nicht auf Dich irgendwann mal wieder öfter zu lesen :-)

    Comment by ela — September 18, 2008 @ 2:37 am

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