July 23, 2008

Anonymität im Internet

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 2:46 pm

Seiten im Internet deren Betreiber anonym bleiben kann man ja nicht ernst nehmen, heißt es. Dabei gibt es dafür sehr handfeste Gründe. Leider ist es nämlich so, daß der Rechtsstaat nicht die Sicherheit gewährleisten kann, die es dem mündigen Bürger erlaubt frei an gesellschaftlichen Diskussionen teilzunehmen. Wenn man sich natürlich darauf beschränkt kleine Petitessen am Rande zu kolportieren, oder als möchtegern Che Guevara (Also als möchtegern Mörder: "Che sagte einmal, daß Haß wichtig sei, da er einen zu einer "effektiven, grausamen, selektiven und kaltblütigen Tötungsmaschine macht".) die Revolution zu befeuern, passiert einem wenig wie nichts; man ist dann sogar salonfähig wie es einst Hitler war.

Anders ist es mit denen, die wirklich gegen den Strom schwimmen, die sind in Deutschland ständig auf der Flucht (Bspw. PI), und können sich nur Anonym und am besten von einem Standort auf einem anderen Kontinent zum Geschehen in Deutschland äußern. Einige glauben aber immer noch, daß die faschistische Gefahr heutzutage in Sachsen-Anhalt lauert (Siehe Diskussion: hier). Wenn sich  vor kurzem eine Partei gegründen hätte die sich "die Rechte" nennt und in alle Parlamente einzieht würde, würde ich diesem Panikszenario sicher zustimmen. Momentan sieht es aber einfach anders aus.

27 Comments »

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  1. Die PI-Leute sind keiner Märtyrer der Meinungsfreiheit oder Schwimmer gegen den Strom, Du überhöhst den Verein ganz schön. Allein dass jemand eine vom Mainstream abweichende Meinung vertritt (es gibt auch rechte Stammtischthemen, das vergisst Du nebenbei gemerkt regelmäßig) ist kein Gütesiegel.

    Jede noch so dumme Sekte hebt sich vom Mainstream ab. Ich weiß auch nicht, wer da jetzt ein Möchtegern-Massenmörder sein soll? Der Che2001? Nach allem was ich weiß, ist das nur ein Spitzname. Entsprechende Glorifizierung las ich noch nicht in seinem Blog. Bei FreiburgerThesen auch nicht.

    Dass PI mal bedroht wurde, ist das so etwas Außergewöhnliches? Im Grunde könnte jeder von uns davon betroffen sein. Denkst Du der Broder, andere Ach-gut-Autoren u.v.a.m. bekommen nicht mal unfreundliche Post oder einen weniger netten Telefonanruf?

    FreiburgerThesen hat zudem eine ganze Reihe von Medien aufgelistet, die PI einfach nur zitiert und mit Kommentaren versieht. Siehe die dortige Debatte.

    Comment by NUB — July 23, 2008 @ 7:21 pm

  2. @ NUB

    Sicher ist Che kein Möchtegern-Massen-Mörder in dem Sinne, daß er gerne Massen ermorden will. Er möchte nur gerne so wirken wie ein Massenmörder nämlich Che Guevara. Der Habitus dieses bestimmten Massenmörders hat es ihm angetan. Da steckt natürlich nicht mehr dahinter, wie bei jedem X-Beliebigem der sich gerne selbst einen Spitznamen gibt. Bei anderen bösen Spitznamen wie beispielsweise “Himmler” würde man wohl schneller hellhörig. Solche Spitznamen sind aber eigentlich ziemlich krank. Nur wenn es in auf der Linken Seite geschieht, findet aber auch jeder dafür sofort mildernde Umstände. Das ist eben ein weiteres Indiz dafür wie gut der allgemeine Druck funktioniert, und wie weit man sich dem anpasst.

    Und, daß ist eben gerade im Verweis auf PI interessant wo sich nämlich im eigentlichen nichts finden lässt was auf eine undemokratische Einstellung hindeutet. Wo man aber andererseits sicher auch vieles findet was man als Meinung nicht teilt. Aber es ist wie es ist, nach links hat keiner irgendwelche Bedenken oder wird mal richtig böse. Und genauso denke ich mir war es vor dem Faschismus in Richtung rechts.

    Comment by luclog — July 23, 2008 @ 7:56 pm

  3. @ NUB

    Es geht in dem Beitrag eigentlich um die Diskrepanz in der Wahrnehmung. Es geht nicht darum, daß sich irgendwer von irgendwem abhebt, sondern darum das einige Themen scheinbar nur noch unter Lebensgefahr kritisch behandelt werden können. Das man aber gleichzeitig den Menschen die sich nicht direkt dieser Gefahr aussetzen auch noch vorwirft, daß sie sich der Öffentlichkeit nicht stellen. Von der ständigen juristischen Bedrohung der man ausgesetzt ist wenn man einen privaten Blog in Deutschland betreibt mal ganz abgesehen.

    Comment by luclog — July 23, 2008 @ 8:04 pm

  4. Ich habe es auch schon woanders geschrieben: Ich bin gegen Internetzensur, gegen das Verbieten von Meinungen. Also auch dagegen, PI auszuschalten, davon abgesehen kommt dann eben ein anderes “PI”. Ich bin jedoch dafür, auch PI zu kritisieren. Und nur weil ich weiß und das auch sofort bekennen würde, dass Islamkritik gefährlich ist, gleich wie fundiert oder unfundiert, gleich wie radikal oder zahm, dass sie kann immer dazu führen kann, dass organisierte oder einzelne gläubige Moslems gegen einen u.U. auch gewaltsam vorgehen, deswegen muss ich doch nicht PI kritiklos zujubeln “Oh toll, was seid Ihr doch für mutige Helden”. Ich war und bin politisch kein Freund irgendwelcher Islamisten oder Freund ihrer Freunde, aber ich habe Islamkritik immer als notwendigen Bestandteil einer pluralistischen Gesellschaft gesehen, ohne dabei auf irgendein Feindbild oder die Bekämpfung des Musel (ein Wort, das bei PI häufig in den Kommentaren auftaucht) an sich aus zu sein.

    Das ist mir zu primitiv, und ja, es ist auch rassistisch. Und die Ausrede, dass da ja nur die Kommentare mies sind, greift nicht so gut, wenn einfach mit der Zeit zu viel Strafbares und Hetzerisches an Kommentaren stehen bleibt, während andere Kritiker durchaus weggelöscht wurden. Kurzum: Es gibt einfach einige methodische und inhaltliche Differenzen zwischen mir und denen, Du siehst das halt in dem Punkt anders als ich, ist mir letztlich aber auch egal.

    Wie gesagt will ich keinem die Meinung verbieten. Ich sehe aber auch nicht ein, warum jede Meinungsäußerung gegen PI als ein solcher Versuch zu werten sein sollte.

    PS: Che ist angeblich ein Spitzname, den andere Che2001 gaben.

    Comment by NUB — July 23, 2008 @ 8:15 pm

  5. aber ich habe Islamkritik immer als notwendigen Bestandteil einer pluralistischen Gesellschaft gesehen

    Ja, und das sehe genauso. Nur ist mir der Punkt wahrscheinlich noch wichtiger. Ich habe mich immer gerne gerade mit religiös/ideologischen Themen beschäftigt. Und eben auch besonders gerne mit der Kritik von Religion. Jetzt sehe ich aber das dieses Diskurssystem oder auch das Besprechen dieser Themen an sich massiv gestört und gefährdet ist. Eben dadurch das Religionskritik in Richtung Islam lebensgefährlich ist. Und ich sehe eben auch nicht, daß sich irgendwelche Linken dieser Themen widmen. Wäre ja lebensgefährlich. Lieber spielen sie Revolution auf der ersten Mai Party mit viel Bier. Und Lieber beschweren sie sich beim Papst und rennen ansonsten weit offene Türen ein, am besten in Richtung USA.

    Und das eigentlich Schlimme dabei ist, sie füttern ihre schlimmsten Feinde, wie es auch die Linke getan hat als sie gegen den Schah agitiert hat. Als hinterher die Linken in Persien an den Baukränen hingen war dann die Überraschung groß. Und wer ist jetzt wieder der Bösewicht auf allen Kanälen, Georg Bush und Israel. Während Ahmadinedschad der arme Heros ist, den die Juden an die Wand drängen.

    Comment by luclog — July 23, 2008 @ 8:36 pm

  6. PS: Che ist angeblich ein Spitzname, den andere Che2001 gaben.

    Verstehe ich nicht. Da hat er sich doch schon vorher den Spitznamen Che2001 gegeben. Das er daraufhin Che gerufen wurde, wird doch damit eigentlich schon eingefordert. Und wenn man die Seite dieses Che aufschlägt bekommt man oben eines der Vorteilhaftesten Pressebilder von Che Guevara auf rotem Hintergrund zu sehen. Da braucht es nun wirklich keinen investigativen Journalismus um zu erkennen, daß der Typ ein Bewunderer Che Guevaras ist.

    Und wie würde man die Geschichte wohl bei dem Spitznamen “Himmler” finden, hm?

    Comment by luclog — July 23, 2008 @ 8:42 pm

  7. Da hat er sich dazu erklärt.- http://che2001.blogger.de/stories/553279/#564180

    Comment by NUB — July 24, 2008 @ 6:12 am

  8. @ NUB

    Na, toll. Ja, und. Das zeigt doch auch nur das er es als Ehrentitel “Der leibhaftige Che” versteht. Wie schon erwähnt setz bei der gleichen Sachen “Himmler” ein, dann wird einem der Unterschied klar den man macht, den ich eigentlich auch mache. Nach links lässt man alles durchgehen und nach rechts sieht man alles auch schon zwischen Zeilen.

    Comment by luclog — July 24, 2008 @ 9:52 am

  9. Nach links lässt man alles durchgehen und nach rechts sieht man alles auch schon zwischen Zeilen.

    Ja ok, und nun? Sollte man Deiner Ansicht nach eine Äquidistanz fahren? Ich gehe eigentlich mehr nach Inhalten von Blogs, danach, was jemand so schreibt, als nach formalen Einordnungen. “Rechts” und “links” sind zumeist längst Nebelkerzen. Also wenn ich mit einem Blog ein Problem habe oder bekomme, dann wegen des Inhalts und nicht so sehr wegen des Layouts. Auch wenn da ein Che abgebildet ist.

    Comment by NUB — July 24, 2008 @ 10:16 am

  10. Wenn es danach ginge und nicht nach Inhalten, dürfte man auch mit einem, der ein Che-T-Shirt trägt, nix zu tun haben. Das ist aber im Alltag auch nicht die Linie, der Du folgst, oder?

    Comment by NUB — July 24, 2008 @ 10:21 am

  11. @luclog:
    Zunächst einmal möchte ich sagen, dass es schon einen erheblichen Unterschied macht, ob sich einer Che oder Himmler nennt. Dafür kann ich vier Gründe nennen:
    (1) Realitätsgehalt
    Che wird nicht für seine tatsächlichen Leistungen oder Verbrechen angehimmelt. Die Che-Begeisterung verehrt nicht den “realen” Che, sondern eine Pop-Ikone, ein Bildnis, das für bestimmte Werte und Ideale steht. Inwieweit Che Guevara diesen selbst entsprochen hat, ist damit zweitrangig.
    (2) Lokalisation:
    Der Vergleich zwischen Che und Himmler ist sehr unpassend, weil der eine in einem fernen Land lebte und seine Handlungen keinen hier lebenden Menschen zum Vor- oder Nachteil gereicht haben. Mielke und Himmler könnte man vielleicht vergleichen.
    (3) Quantität:
    Die Zahl der Opfer des kubanischen Regimes ist größenordnungsmäßig nicht mit dem der Opfer des NS-Regimes zu vergleichen.
    (4) Qualität:
    Du willst doch nicht wirklich die Hinrichtung von Regimegegnern und Anhängern der Vorgängerdiktatur mit industriellem Völkermord gleichsetzen?
    Wenn sich jemand den Nicknamen “Ceaucescu” geben würde (nominell ein “Linker”) fände ich das beängstigend. Oder “Pol Pot”. Aber Che? Nein, das liegt auf einem anderen Niveau.

    Was PI angeht, so stimme ich NUB zu: Sicher, auch so etwas muss man sagen dürfen. Und Drohungen sind die falsche Antwort. Aber die Behauptung, sie seien die einzigen, die gegen einen “linken Mainstream” schwimmen, zeigt doch, dass Du dich wohl eher selten in Kneipen mit “einfachen Leuten” über Politik unterhältst. Da findest Du nämlich immer mindestens einen oder zwei, die genau die Inhalte und Kommentare bringen, wie sie auch PI präsentiert. Und von denen haben die meisten kein Internet, kennen PI jedenfalls nicht.

    Comment by freiburgerthesen — July 24, 2008 @ 10:46 am

  12. Ich stimme freiburgerthesen zu, besonders bei 1. und 2. sowie 4. Bei 3. könnte man es zu einer Behandlung der Geschichte des Kommunismus ausweiten, wie sie etwa im Schwarzbuch des Kommunismus versucht wird, 1. und 2. kann man aber nur loswerden, indem man die deutsche Geschichte entsorgt.

    Comment by NUB — July 24, 2008 @ 12:03 pm

  13. Und Relativierung von 4. ist eben auch nicht angebracht. Es ist also nach wie vor so, dass es einen Unterschied macht, ob ein Deutscher über rechts und links redet oder z.B. ein Amerikaner.

    Comment by NUB — July 24, 2008 @ 12:05 pm

  14. @ Freiburgerthesen

    Natürlich macht es einen Unterschied ob sich jemand Che oder Himmler nennt. Das ist es ja gerade worauf ich hinweisen will. Linke Heroen sind Popikonen und könne ohne nachdenken verwendet werden. Es kümmert niemanden was damit wirklich verbunden ist.

    Meine Kritik richtet sich hier wie fast immer gegen die Unachtsamkeit gegenüber totalitären Idealismen. Und ich finde das mittlerweile die eigentliche totalitäre Gefahr gegen die individuelle Freiheit einerseits über Bürokratie entsteht und über sozialistische Tendenzen. Und oft geht beides Hand in Hand, insofern sind die Linken mittlerweile sogar so etwas wie die fünfte Kolonne einer überbürokratisierten Gesellschaft die sich über Idealismen und idealistische Vorstellung legitimiert. Das ganze ist solange wie die Randbedingungen stimmen ein Wohlstandsphänomen, aber das kann jederzeit kippen. Und es kann eben deshalb kippen weil man dem allgemeinverbreiteten Wahn keine Aufmerksamkeit schenkt. Denn Ansprüche und Verwaltung wachsen ins unermessliche und wenden sich immer mehr dem utopischen zu. Projekte wie die EU und Klimaweltrettung von Deutschland aus zeugen davon. Überall findet man irren idealismus und überall wird er hochgeschätzt, dabei ist es gerade diese Art des Denkens die Urdeutsch ist und die gerade in unserm Land geschichtlich belegt immer den Keim des Irrsinns in sich trägt.

    Wenn Himmler eine Popikone wäre könnte man davon ausgehen das die Gesellschaft auf dem rechten Auge blind ist, ist sie aber nicht. Unsere Gesellschaft ist auf dem linken kollektivistischem Auge blind. Aber ich glaube nichtmal das Links daraus wirklich einen Vorteil zieht, ich denke daß davon nur die Bürokratie profitiert und eine sehr geschlossene abgehoben Elite die sich von den daraus resultierenden Problemen in der Gesellschaft sowieso längst abgekoppelt hat.

    PS: Utopie wird immer mehr Zeitgeistig, wie man an der lustigen Seite Utopia sehen kann.

    PPS: Ich hoffe Du gehst nicht zu oft in solche Kneipen. Ich finde aber auch das Thema Politik wird in Kneipen meist vermieden.

    Comment by luclog — July 24, 2008 @ 1:28 pm

  15. @ NUB

    Dannach zu gehen was jemand schreibt ist schön und gut. Aber das macht es ja in dem Fall nur noch schlimmer, wenn ich mir z.b den Che-Kommentar bei Freiburgerthesen anschaue.

    Comment by luclog — July 24, 2008 @ 1:29 pm

  16. @ NUB

    Wenn es danach ginge und nicht nach Inhalten, dürfte man auch mit einem, der ein Che-T-Shirt trägt, nix zu tun haben. Das ist aber im Alltag auch nicht die Linie, der Du folgst, oder?

    Ich spiele selber gerade mit dem Gedanken mir ein Stalin-TShirt anzuschaffen oder eine Pol-Pot Mütze. Fänd ich witzig.

    Comment by luclog — July 24, 2008 @ 1:41 pm

  17. Der hat da mittlerweile mehrere geschrieben, welcher ist denn so schlimm?

    Comment by NUB — July 24, 2008 @ 1:42 pm

  18. Natürlich Popikonischironisch.

    Comment by luclog — July 24, 2008 @ 1:44 pm

  19. @ NUB

    Zu 17. dann natürlich der Erste. Da waren es noch einer.

    Comment by luclog — July 24, 2008 @ 1:52 pm

  20. Das hat aber Rayson sehr schön richtig gestellt und eigentlich viel diplomatischer als es meine Art wäre.

    Comment by luclog — July 24, 2008 @ 1:56 pm

  21. Ich nehme viel mehr Anstoß an Klickratenbeweihräucherung jeder Art, was Che2001 zu “Neuer Rechter” schreibt, trifft auf einen Teil der PI-Kommentatoren sicher zu.

    Dein diplomatisches Geschick lassen wir mal ganz außen vor. ;-)

    Comment by NUB — July 24, 2008 @ 2:01 pm

  22. Die Neue Rechte ist einfach ein Popanz den Leute die sich Che nennen brauchen, um ihren eigenen Blödsinn zu legitimieren. Alles wird ganz allgemein und völlig unaufgeregt immer linkslastiger und damit immer kollektivistischer und das ist wenn man so will die eigentlich neue Rechte-Gefahr: Sie ist Links und kollektivistisch also das was sie schon immer war.

    Comment by luclog — July 24, 2008 @ 2:57 pm

  23. Deswegen muss man doch nicht alles durchwinken, was sich anti-Links gibt, darum geht es doch.

    Die Vorgehensweise ist symmetrisch. Ein Linksradikaler erzählt, die Gesellschaft sei total rechts und man müsse da doch was machen. Andere sagen, sie ist viel zu sehr links und deswegen muss doch jemand dagegen etwas vorbringen.

    Der ganze Effekt ist, jeweils Dinge zu tolerieren, mit denen man im Grunde nicht wirklich übereinstimmt. Weil es ja so wichtig ist, dass gegen XY jemand etwas sagt. Und dies ist zutiefst antiindividuell ja kollektivistisch.

    Und wenn Du Leute zu Linken zusammenfasst, können Sie Dich auch zu Rechts zusammenfassen. So ist das nun mal. Zum eigentlichen Kern der Sache kommt man so aber niemals.

    Tatsache ist jedenfalls, dass Du mit dem Argument, etwas sei eine Außenseitermeinung gegen den Mainstream ja doch eine inhaltliche Stellungnahme vermeiden kannst, es ist eine Legitimationsherleitung für Rechts, genauso wie bei den Linken die Neue Rechte, unter die dann gelegentlich ja auch zusammengefasst werden kann, wer gerade so unter den Islamkritikern aktiv ist oder halt nicht gefällt.

    Comment by NUB — July 24, 2008 @ 3:30 pm

  24. Vielleicht wird es ja offensichtlicher wenn ich ein paar Beispiele für das gebe was mittlerweile scheinbar allgemein als Rechtsradikal gilt (Grob alles was gerade auf einen Schlag auf der ersten Seite war):

    Israel-Solidarität in Linkspartei unerwünscht

    Daraus: Ähnlichkeiten der Positionen von Rechts- und Linksradikalen sind nicht zufällig. Alle Antidemokraten, ob links, rechts oder islamisch, ziehen an einem Strang

    Obama schlägt Jesus

    Daraus: Mit abgehalfterten Rezepten aus den 70ern, die an die Grundlagen erinnern, mit denen der europäische Sozialismus gescheitert ist, hat er auf sich aufmerksam gemacht. Steuererhöhungen, staatliche Bevormundung, Umverteilung.

    Schwulen-Ehrenmord in der Türkei

    Daraus: “Ich kenne das türkische System. Ich habe keinerlei Rechte. Menschenrechte sind lediglich im Westen bekannt und akzeptiert – in der Türkei sind diese nicht verfügbar.

    Huch - ein rechtskadikaler Moslem?

    Daraus: Schreckensbleich stellte man jetzt fest, dass der Dialogpartner Abdallah M. ein Bewunderer des Hitler-Stellvertreters Heß ist

    Todenhöfer: Bush schlimmer als bin Laden

    Daraus: In Afghanistan unter den Taliban behandelte man Frauen wie Dreck.

    Veranstaltung “Mörder sind keine Helden”

    Daraus: Dabei wurde einerseits der nationalen Trauer Israels zu den beiden toten israelischen Soldaten Eldad Regev und Ehud Goldwasser gedacht, als auch dem Protest gegenüber dem Israel-feindlichen und Terror verherrlichenden Verhalten der arabischen Welt Ausdruck verliehen.

    Usw, dann manchmal auch Klimawandel oder EU oder was sonst so allgemein auf der politischen Tagesordnung steht oder gerade auch woanders die Schlagzeilen füllt.

    Da ist nichts Rechtsradikales, auch wenn ich die eher christlich konservative Grundhaltung des Blogs nicht teile.

    Comment by luclog — July 24, 2008 @ 10:13 pm

  25. @luclog:

    Linke Heroen sind Popikonen und könne ohne nachdenken verwendet werden.

    Die “Heroen” schon. Aber wer außer Che (um den es halt nicht “in persona” geht) ist das noch? Trotzki und meine Beispiele (ich möchte gern mal ein Foto von der Pol-Pot-Mütze sehen!) sind jedenfalls dafür ungeeignet.
    Suchen wir doch mal gemeinsam einen “Rechten” aus einer beliebigen Phase der jüngeren Geschichte, der sich so zur Verklärung eignen würde wie Che Guevara. Dann würde uns das vielleicht voranbringen.

    Was Bürokratie und Utopismus angeht: Weitestgehend d’accord.

    Ich hoffe Du gehst nicht zu oft in solche Kneipen. Ich finde aber auch das Thema Politik wird in Kneipen meist vermieden.

    Ich gehe öfter in verschiedene Kneipen. Und ich treffe immer wieder die gleichen Leute, die gleichen Positionen, die gleichen Gedanken. Von denen viele anders sind als das, was PI bringt, die Zahl derer, die so reden, aber anwächst.
    Und: Das Gebot, im Kneipengespräch Politik zu vermeiden, ist schon sehr aufgeweicht. Früher existierte es, weil man sehr unterschiedlicher Ansicht war, vielleicht auch noch Ideen und Ideale sich hätten treffen können. Mittlerweile redet man über Politik - um sich gemeinsam zu beschweren. Und dann kommt es auch zur Auseinandersetzung, weil man das Elend von verschiedenen Ursachen aus begründet.

    Comment by freiburgerthesen — July 25, 2008 @ 11:24 pm

  26. @ Freiburgerthesen

    Weder Stalin noch Trotzki noch Mao sind bspw. für die allgemeine Verehrung tabu. Dazu gibt es einfach zu viele die rumrennen und sich Stalinisten, Trotzkisten oder Maoisten nennen. Viele von denen sind nachdem sie in eine angepasstere Partei gewechselt haben bei uns in Staatstragenden Positionen und haben es sogar in Ministerämter geschafft.

    Und auf die Suche nach einem Rechten der sich ähnlich gut verklären lässt, musst Du Dich wohl am besten alleine begeben. Da muss ich leider passen.

    Die Indizien für einen Rechtsruck sind alle nur Spinnerei, wir segeln schon seit Jahren mit Volldampf nach links. Das könnte natürlich auch irgendwann zu einer gegenläufigen Bewegung führen. Und hier ist ja gerade das Problem, durch die über Jahrzehnte eingeschleifte Benutzung der Nazikeule die mittlerweile auch alles Konservative trifft, wird die Unterscheidung von Konservativ und Faschistisch immer mehr aufgeweicht. Und das führt dazu, daß sich konservative Meinungen immer mehr dem Faschismus Vorwurf ausgesetzt werden, mittlerweile trifft dieser Faschismus Vorwurf ja auch schon gestandene SPD-Politiker. Und das weicht auf Dauer die Trennung und die Warnung vor dem Faschismus auf und kann so genau das Gegenteil von dem auslösen was es bezweckt.

    Comment by luclog — July 26, 2008 @ 12:33 pm

  27. Ach, bevor Du das missverstehst: Natürlich will ich keinen rechten oder rechtsextremen Politiker verklären. Nicht ganz mein Fall.

    Aber mir ist einer eingefallen, der ähnlich verklärt wird: Mustafa Kemal.

    Comment by freiburgerthesen — July 28, 2008 @ 8:34 pm

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