Man lernt nie aus
Das juristische Welt ist eine Welt für sich. Jetzt wird gegen die Veranstalter des Extremberglaufs auf die Zugspitze wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt. Wenn man also einen Blöden findet der in ein Rennnauto steigt und dann einen Unfall baut bei dem er umkommt ist das nun fahrlässige Tötung durch den Veranstalter. So gesehen wäre das auch interessant für die Formel-Eins, und eigentlich für alle Sportarten bei denen etwas passieren kann. Ein weiterer Meilenstein zur No-Risiko Gesellschaft. Ein spannendes Leben für alle bitte, aber bitte in Watte und ohne das irgendetwas passiert. Denn es ist mittlerweile völlig egal was und wie etwas passiert: Schuld sind immer die anderen. Das erwachsenen Menschen eigenverantwortliche Wesen sind, scheint schon als Idee nicht mehr zu existieren. Der moderne westliche Mensch bleibt Kind bis zum Greisenalter und für jeden Blödsinn den er treibt, und für jede Gefahr in die er sich begibt, sind immer andere verantwortlich. Außer er vergißt die Steuern zu zahlen. Daß Extremsport irgendwie auch Gefahren birgt, ist bei aller Logik für einen Erwachsenen nicht zu erkennen. Für Dinge wie Wetter und schlechte Kleidung sind natürlich die Betreuer zuständig, die sich den Irren nicht ernergisch genug entgegengeworfen haben.
Aber wie sich eine Veranstaltung nun in einen Totschlag umwandeln lässt, bleibt für mich auch rein sprachlich völlig im Dunkeln, und ist irgendwie auch faszinierend.

Nicht so leicht, weil im Beispiel Menschen ihr Leben verloren haben. Hätten sie bloß wirtschaftliche Nachteile erlitten, wäre das eher ein Beispiel für Vollkaskomentalität, wie man es auch nennt.
Mal ein anderes Beispiel, das mir gerade eingefallen ist: Auf einer Veranstaltung, sagen wir bei einem Fest, bricht ein Feuer aus, die Menschen rennen wie wild umher, verhalten sich wie komplette Idioten und trampeln sich in der Panik tot, weil z.B. bestimmte Rettungswege und Fluchtmöglichkeiten vom Veranstalter nicht frei gelassen und ordentlich vorbereitet wurden, damit in so einem Fall die Menschenmenge fliehen kann. Sobald Du das Argument vom vernunftbegabten, eigenverantwortlichen Erwachsenen auf eine Masse überträgst, funktioniert es nicht mehr, weil Du es scheinbar nur noch mit Idioten zu tun hast. Bei Panik in Fußballstadien konnte man das auch schon erleben. Hinzu kommt, dass sich die Leute gegenseitig in der Masse beeinflussen. Wenn die anderen im “Rudel” z.B. beim Lauf an den Start gehen, machen die übrigen dasselbe, weil die anderen es auch machen. Und die werden es ja wissen. Und der Veranstalter sowieso. Kurzum: Eine größere Menschenmenge kann im Endeffekt nicht effektiv denken, wenn Krisen- und Gefahrensituationen entstehen oder vorhanden sind. Es muss für sie gedacht werden. Klingt paradox, ist aber so.
Comment by NUB — July 18, 2008 @ 3:40 pm
Es ist aber doch so das ein Fußballspiel auch nicht vorher als extrem gefährliches Extremsport-Ereignis gekennzeichnet ist. Wenn man in ein Hallenbad oder in ein Fußballstadion geht, kann man natürlich Sicherheit erwarten. Und hier hat der Veranstalter natürlich Pflichten für die er haftbar gemacht werden kann. Wenn mich aber jemand zum Schwimmen zum Nordpol einlädt, kann man davon ausgehen, daß das eine harte Sache wird.
Aber selbst davon ab, weiß ich aber auch nichts darüber, daß Massenpaniken auf Veranstaltungen und Großereignissen dem Veranstalter üblicherweise als versuchter Totschlag ausgelegt werden.
Comment by luclog — July 18, 2008 @ 4:09 pm
Es ist aber doch so das ein Fußballspiel auch nicht vorher als extrem gefährliches Extremsport-Ereignis
Der Lauf war nicht als gefährlich gekennzeichnet. Er wurde mit traumhafter Bergwelt umworben. Und das Extrem bedeutet im Sport nur starke Anstrengung, bis zur Erschöpfung, nicht zwangsläufig (Lebens)gefahr.
Gegenüber Radfahren ist die Tour de France Extreme-Radfahren.
Mit dem Argument, eine Extrem-Veranstaltung zu haben, kommt juristisch m.E. auch niemand durch. Ob Achterbahn, Volksfest oder Lauf, entweder es ist eine Fahrlässigkeit nachzuweisen oder nicht. Wenn nicht, ist der Veranstalter halt freizusprechen.
Comment by NUB — July 18, 2008 @ 4:14 pm
PS: Vom Vorwurf des Totschlags wird er denke ich sowieso freigesprochen.
Comment by NUB — July 18, 2008 @ 4:24 pm