Der Spießer Rentner
Bei Der Zeit wird das sicher nicht so gesehen. Was man aber auch nicht so sicher weiß, denn die meinungshaltigen Artikel zu dem Gerichtsprozess über den brutalen Überfall in der Münchener U-Bahn auf einen Pensionär, sind bei Der Zeit im Moment recht rar, obwohl alle anderen Blätter sich heftigst darum kümmern. Nach der Aussage des Schuldirektors (Rentner-Spießer) zeigt sich nun ein etwas anderes Bild. Denn der Schuldirektor hat scheinbar nicht die beiden Täter irgendwie behelligt, sondern die beiden Täter haben was ganz typisch für solche Fälle ist, versucht ihn vor dem Überfall zu provozieren, und ihn danach von hinten angefallen und fast totgeschlagen. Das ist übrigen eine ganz übliche Vorgehensweise von Gewalttätern und scheinbar nur zwei Berufsgruppen nicht mehr bekannt, der Edelfederpresse und den Gerichten: Ein ausgesuchtes Opfer ist allein, damit seine Aussagen später gegen die der Täter stehen, im Nachhinein wird dem Opfer vorgeworfen mit was auch immer vorher provoziert zu haben.
In Wirklichkeit provozieren aber die Täter, um ihre eigene Aggression erstmal auf den richtigen Pegel hochzuschaukeln. Später, so denken sie, steht eine Aussage gegen zwei Aussagen - nur Pech wenn dabei dann eine Kamera läuft. Wie lässt sich ein solcher Fall klären? Eigentlich durch ganz einfache Logik; immer wenn zwei die größer, stärker und jünger sind behaupten, daß ein kleiner (und wohlmöglich älterer) sie angegriffen habe (Auch verbal), ist sowas sehr unwahrscheinlich. Jens Jessen aber meint wahrscheinlich immer noch, daß die zwei “Jugendlichen” (Sprich Intensivtäter mit ellenlangem Vorstrafenregister) vom bösen kleinen Rentner geärgert wurden der allein unbewaffnet und alt war, und das hier nicht der Raub das eigentliche und übliche Geschäft war, Raub und Freude daran Schmerzen zuzufügen.
Nun die Freude anderen Schmerzen zuzufügen kennt Jessen auch, bei ihm läuft das aber unter Provokation und das hat ihn in die Redaktion der Zeit getrieben, von wo aus er vorhatte unter gräfischer Oberaufsicht und bei guter Pension die Revolution vom Schreibtisch aus anzuführen. Sich glaubhaft von seiner Aussage zu distanzieren, oder sich bei dem pensionierten Schuldirektor öffentlich und demütig zu entschuldigen, soviel Anstand ist von ihm wahrscheinlich nicht zu erwarten.
Süddeutsche: Da wusste ich, die schlagen mich tot.
Wie meinte Jessen: „Man fragt sich doch, ob dieser Rentner, der sich das Rauchen in der Münchener U-Bahn verbeten hat, und damit den Auslöser gegeben hat zu einer zweifellos nicht entschuldigbaren Tat, eben sicher nur in einer Kette einer unendlichen Masse von Gängelungen, blöden Ermahnungen und Anquatschungen zu sehen ist, die der Ausländer, und namentlich der jugendliche, hier ständig zu erleiden hat. Und nicht nur der Ausländer. Letztlich zeigt der deutsche Spießer, um das böse Wort mal zu benutzen, doch überall sein fürchterliches Gesicht“
Und damit zeigte wohl eher der Schreiber selbst etwas Fürchterliches, das immer am besten vom Schreibtisch aus funktioniert und immer mit Ideologie gefüttert werden muss.

Diese Irrläufer haben eins nie gelernt, Kritik an ihrem Verhalten zu ertragen. Sie vertragen es nicht einmal, angesehen zu werden. Das sind das Menschen ohne Selbstbewußtsein und Selbstachtung, die mit sich selbst ebenso brutal umgehen.
Die erste Stufe ist der nicht geahnte aggressive Regelbruch. Harmlos, es ist ja noch ein Kleinkind
In der zweite Stufe, so ab 8, wird daraus provozierendes Verhalten mit bewußtem Regelbruch. Reagierst du auf den Regelbruch, werden sie aggressiv, ignorierst du ihn, verbuchen sie es als einen Sieg. In der dritten Stufe nutzen sie den provokanten Regelbruch, um daraus eine Rechtfertigung für ihr gewaltätiges Verhalten zu generieren.
Solche Irrläufer findest du auch in Schulen und Berufsschulen, wo sie in der Regel nur verbal oder körperlich einschüchternd aggressiv sind.
Bei diesen beiden Irrläufer hilft nur eine Brachialkur, bei denen, die erst beginnen, Irrläufer zu werden, hilft nur sofortiges Einschreiten bei Regelverstoss. Diese Entwicklung beginnt bereits vor der Schule. Wer es toleriert oder darüberhinwegsieht, ob Eltern, Nachbarn, Erzieher oder Lehrer, sollte sich darüber klar sein, daß Irrläufer ihren Einsatz immer weiter steigern. Bis es, wie in diesem Fall, das Leben eines Menschen beenden kann. Die Tritte gegen den Kopf hätten auch mit dem Tod des Opfers enden können. Das das Opfer noch lebt, ist nicht auf Hemmungen der Täter zurückzuführen.
Comment by Libero — June 25, 2008 @ 8:44 am
Man sollte sich klar darüber sein, daß solche Menschen, die Regeln nicht einhalten und denen nicht eindeutig Grenzen gezeigt werden, in allen Schichten der Gesellschaft heranwachsen. Die Irrläufer aus bürgerlichen Familien werden nicht zu Totschlägern, das mag sein, aber ein Vergnügen ist der Umgang mit ihnen nicht. Vor allem, wenn man damit sein Geld verdient. Auch verbal kann man unglaublich gewalttätig sein, wenn man es nicht gelernt hat, Grenzen zu akzeptieren.
Comment by Libero — June 25, 2008 @ 8:48 am
Jessen müsste halt erst mal am eigenen Leib erfahren, dass er durchaus ebenso in die Reihe der “Spießer” eingereiht und einer entsprechenden Behandlung unterzogen werden könnte.
Und nicht unbedingt als der Revoluzzer wahrgenommen würde, mit dem man sich gleich verbrüdert und eine raucht.
Jessen denkt halt, die vermutlich CSU-wählenden Rentner könne man ruhig den jugendlichen Rebellen opfern, aber irgendwann sind auch linke Spießer dran…
Comment by NUB — June 25, 2008 @ 9:47 am
Japanisches Sprichwort: Der herausstehende Nagel muss eingeschlagen werden.
Comment by luclog — June 25, 2008 @ 2:58 pm
Das kann man nur unterstreichen. Im Allgemeinen ist es sogar einfacher, mit Kindern aus der unteren Mittelschicht zu arbeiten als mit solchen aus der oberen Mittelschicht. Kinder mittelständischer Unternehmer habe ich als die unangenehmsten erlebt.
Comment by freiburgerthesen — July 8, 2008 @ 11:55 am