June 3, 2008

Chauvinismus

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 11:54 pm

Ist es nicht komisch wenn man eine Nationalhymne singt? Also besonders im vereinten Europa, wo doch alle gleich sind? Ich verstehe sowieso nicht wie auf politisch korrekter Grundlage überhaupt Kampfspiele wie Fußball auf Länderebene mit Nationalmannschaften ausgetragen werden können und auch noch ausgetragen werden dürfen. Das ist voller Chauvinismus. Und dann wird auch noch der Männerfußball dem Frauenfußball vorgezogen, und im Männerfussball gibt es noch nicht einmal eine Frauenquote. Chauvinismus pur.

Aber was ist ein Chauvinist eigentlich? Das Wort hat sich mal wieder gewandelt. Es hat mal was bedeutet, heutzutage ist es ein völlig nutzloses Füllsel mit dem man irgendjemandem etwas vorwerfen kann, das er nicht versteht. Ein Wort zum Kleine-Kinder-Erschrecken, da es A) Niemand erklären kann, und B) niemand nachvollziehbar verwendet. Denn der eigentlich Vorwurf der mit Chauvinismus vorgebracht wird, ist: Du argumentierst sozial. Das heißt ein Chauvinist argumentiert für seine eigene Gruppe oder seine Partei. Ein SPD-Politiker der sozialdemokratisch argumentiert ist ein Chauvinist. Aber auch eine Frau die als Frau argumentiert ist ein Chauvinist. Nicht sofort. Aber sofort, wenn der SPD Politiker das Denken und handeln der eigenen Partei für besser hält als das der CDU. Oder wenn eine Frau einen fraulichen Standpunkt besser findet als den männlichen. Von den seltenen Fällen wo Männer den männlichen Standpunkt vertreten, und auch noch besser finden, will ich erst garnicht anfangen.

Chauvinismus bedeutet: Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe. Also eigentlich etwas das positiv belegt sein sollte. Denn, seien wir doch mal ehrlich, wer sich einer Gruppe zugehörig fühlt und die Gruppe dann durch die Bank weg für bescheuert hält, hat sie nicht alle und wird zurecht überall rausgeschmissen.

Der Begriff kommt von Nicolas Chauvin und bedeutet also fremdworttechnisch erstmal garnichts. Nicolas Chauvin war ein freiwilliger in der napoleonischen Armee der sich durch besondere Tapferkeit auszeichnete und 17 mal im Dienst verwundet wurde. Im nachnapoleonischen Frankreich als der Mut dann nichts mehr gekostet hat, hat man sich über diesen Veteranen dann in einen Theaterstück lustig gemacht. Er wurde eine Kunstfigur mit der man den übertriebenen Nationalismus, aber eigentlich den Bonapartismus angriff.

Der Begriff Chauvinismus ist also im heutigen Sprachgebrauch zu einer völligen Sinnlosigkeit verdreht worden. Denn heute meint man damit keine Hasardeure mit bonarpartistischer Kriegsvergangenheit. Es wird damit eigentlich unterschiedslos jeder bezeichnet der irgendwie eine Gruppe gut findet zu der er gehört. Und das ist eigentlich eine hochanständige Sache.

Chauvinismus ist also Teamgeist im eigentlichen Sinne. Ein Begriff der ansonsten überall beschworen wird. In jeder Firma wird genau das gewollt, im guten Sinne entsteht daraus Konkurrenz zwischen verschiedenen Teams und aus diese Konkurrenz Qualität und auch Fortschritt.

Im Fussball und in jedem Sport geht es genau darum, um Chauvinismus. Darum, daß die eigene Mannschaft gewinnt. Nicht nur im Sport auch in der Wirtschaft und in der Politik gilt diese eiserne Regel. Sportarten, Spiele und Vereine in denen es darum geht, daß die anderen gewinnen, oder darum möglichst phänomenal zu versagen, sind für uns nicht relevant. Verstehen und beteiligen kann man sich am Spiel nur wenn man sich für eine Seite entscheidet und auf dieser Seite mitspielt oder sich für eine Mannschaft einsetzt.

Wir leben immer noch in einer Welt in der es besser ist wenn etwas funktioniert. Besser heißt hier, besser als die gesprungen Tasse im Schrank. Und selbst das muss man heutzutage hinzufügen, und selbst dann kommt irgendwo einer um die Ecke der gesprungene Tassen für besonders schützenswert hält. Die Drohung, daß man es sich mit dem Freundeskreis der gesprungenen Tassen als Tassenchauvi für immer verleidet hat steht dann unmittelbar im Raum.

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