Huris
Es gibt manchmal Sachen die sind so eindeutig, daß es da eigentlich nichts zu deuteln gibt. Es wird aber dennoch gedeutelt. Beispielsweise bei den Huris. Immer wieder liest man die lustige Geschichte, daß den islamischen Märtyrern im Paradies "Huris" versprochen werden und damit dann eigentlich “Weintrauben" gemeint sind. Die Möchtegern-Märtyrer und eigentlich auch jeder Mohammedaner wüssten es aber besser, wenn man sie nur fragen würde. Und auch wenn man sich den Koran anschaut, ist die Sache völlig eindeutig. Wenn man die Quellen aber nicht nachschlägt, ist vom reinen Wort “Huri” her sicher eine solche Deutung möglich. Vielleicht liegt sie ja auch nah, so wie im Ruhrgebiets-Slang Jugendliche früher von der “Perle” geredet haben wenn sie die Freundin meinten. Und die Aussage "Jemand habe einem Anderen die Perle ausgespannt" könnte in späteren Jahrhunderten zu ähnlich großer Verwirrung führen. Der Koran bezieht sich aber eindeutig wenn man den Kontext liest auf Frauen als Belohnung, wenn von “Huris” die Rede ist. Hier ein Beispiel (55. Al-Rahman):
Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide da leugnen?
Darin sind gute und schöne (Mädchen).
Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide da leugnen?
(Es sind) Huris, wohlbehütet in Zelten.
Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide da leugnen?
Vor ihnen haben weder Menschen noch Dschinn sie (die Mädchen) berührt.
Leider halten viele das Naheliegende gerne für falsch, oder meinen wenn sie etwas besonders Skurriles hören, daß dies auch bestimmt wahr sein muss. Aber leider ist manchmal ein Tisch einfach nur ein Tisch und mit Huris sind einfach nur Frauen gemeint. Weil viele aber nicht in der Lage sind etwas nachzuschlagen oder auch nur einwenig länger über das was ihnen erzählt wird nachzudenken gibt es haufenweise Seiten im Netz die Geschichte weitererzählen das die 72 Jungfrauen, die den Märtyrer erwarten eigentlich nur 72 Weintrauben sind. Schon auf die Frage, warum die Weintrauben im Paradies abgezählt werden müssen, kommt keiner dieser Oberschlaumeier.
Da schreibt zum Beispiel Telepolis:
Ein plakatives Beispiel für die Übersetzungsfehler sind die "Huris", die berühmten Jungfrauen, die im Paradies den Selbstmordattentätern, den Märtyrern versprochen werden. In Wirklichkeit sind es nur "weiße Weintrauben als symbolische Ausstattung des christlichen Paradieses in Anlehnung an das Abendmahl des Evangeliums".
Und man kann sich sicher sein, bei Heise geht die Recherche nicht so weit sich die Suren des Koran im Original anzusehen, nicht mal in deutscher Übersetzung. Die Geschichte mit den Huris geht im Übrigen auf das Pseudonym “Christoph Luxenberg” zurück, und hat also keinerlei wirkliche wissenschaftliche Reputation. Veröffentlicht wurden die Thesen zusammen mit Karlheinz Ohlig, einem umtriebigen katholischem Professor für katholische Theologie. Die eigentliche Idee dahinter ist scheinbar den Islam zu einer Abspaltung des Christentums umzudeuten.
