April 11, 2008

CO2 Alarm am Desktop

Filed under: Zeitgeist, Erderwärmung - luclog @ 7:34 pm

Nicht nur der private Autoverkehr ist im Fokus der CO2-Panik. Es gibt sie auch an der Computerfront. Der CO2-Sparer heißt da: Thin-Client. Und ein Thin-Client ist das was in größeren Betrieben schon Gang und gäbe ist, ein Desktop-Arbeitsplatz dessen Anwendungen auf einem zentralen Server laufen. Nun, das nutzen Firmen schon aus internen sicherheits- und arbeitstechnischen Gründen gerne. Denn ansonsten installieren die unberechenbaren Desktoparbeiter alles mögliche auf dem Rechner was sicherheitskritisch sein könnte, oder auch einfach nur von der Arbeit abhält. Das CO2-Sparargument ist aber dort eher uninteressant. Dieses Argument wird nur wichtig wenn die CO2-Angst auf den Endanwender zielt. Und dann haben wir wieder ein Motiv das oft bei der CO2-Angst auftaucht: Enteignung und Maßregeln von Privatpersonen.

Letztlich soll es also wohl dem privaten PC an den Kragen gehen. Die Industrie versucht ja schon lange irgendwelche Argumente zu finden um dem Endanwender den PC wieder zu entreißen. Der PC war die Box der Pandora und die Industrie hat ihn zur Jahrtausendwende über alle Maßen gehypt. Sie hat dabei auch schöne Gewinne eingefahren, das war die erste Internet- und Technologieblase, an der alle gut verdient haben. Aber die Leute die damals das Internet und die neuen Technologie nach vorne geschoben haben, haben das getan ohne zu wissen was das für ein Medium ist und wie unkontrollierbar es die Menschen macht.

Davor war alles einfach, Berieselung über den Fernseher, Kontrolle über alle Nachrichten, Werbung die ewig neue Wünsche weckt: Schöne alte Welt. Diese Kontrolle möchte man gerne zurück haben. Und deswegen werden andauernd neue Dinge überlegt wie man den Endanwender wieder in die Position des reinen Konsumenten zurückversetzten kann. Interaktivität ist politisch, und wirtschaftlich einfach nur ein Ärgernis. Wir brauchen Menschen die an ihren Computer-Clienten sitzen und nicht darüber entscheiden können was sie sehen, oder auch noch selber Inhalte erstellen. Das ist auch alles viel zu schwierig für die Menschen und verwirrt sie nur. Es muss einfacher werden und am besten so einfach, daß es auch genauso einfach zu kontrollieren ist wie es in den guten alten Zeiten war.

Und der CO2-Ansatz ist natürlich gut. Da hätte man schon zwei Argumente. Zum einen wird alles einfacher, und zum anderen rettet ein solcher Thin-Client-PC die Welt. Stimmt ja auch. Die Welt wird dadurch wohlmöglich gerettet, denn wer weiß wohin der Unfug des freien digitalen Zugangs zur Welt des Internets sonst noch führt.

Siehe auch:

Viele Leute brauchen keinen Computer

HDTV Blues 

Internet wird Verkaufskanal 

2 Comments »

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  1. So einfach lassen sich die Leute ihre Rechner nicht entreißen. Was man erst mal hat, das wird zumindest lange verteidigt. Ich glaube auch noch nicht daran, dass künftig alles Anwendungen im Web laufen. Das würde, gerade auch für Firmen zudem Datenschutzprobleme noch und nöcher nach sich ziehen. Generell ist kaum eine Firma bereit, ihre internen Daten irgendwo bei jemand anders bearbeiten zu lassen. Für die Endanwender wird da auch gleich mit eine Richtung vorgegeben; bei den Computerspielen wäre die Lösung dann nur eine Spielekonsole, gut, das will die Industrie sowieso durchsetzen, weil die Konsolenspiele nicht so leicht kopiert werden können.

    Comment by NUB — April 12, 2008 @ 7:00 am

  2. Ja, ich verbreite einwenig Panik. Das ist sozusagen die Gegen-Panik, gegen die Reglementierpanik. Ich habe aber aber wirklich Sorge, daß das Netz mit der Zeit immer unfreier wird. Man spürt regelrecht die Bemühungen an allen Ecken und Enden des Internets.

    Comment by luclog — April 12, 2008 @ 10:28 am

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