February 21, 2008

Zeit ist relativ

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 11:12 am

Die Relativität von Zeit, so denkt man, ist mittlerweile Allgemeingut. Ist sie aber nicht wirklich. Es gibt nämlich eine Relativierung von Zeit um die eine Mauer des Schweigens errichtet wurde. Es ist die des Alters. Ich komme darauf weil mir mal wieder das schon oft gehörte Argument der unglaublichen, kaum nachzuvollziehenden Arbeitsleistung von Managern begegnet ist. Die Arbeitszeitberechnung von Managern oder auch aktiven Politikern ist natürlich grundfalsch. Arbeitszeit ist da nämlich alle Zeit die nicht mit der Familie oder beim Sport verbracht wird. Andersrum gerechnet, kann also jeder die Zeit, die er nicht für Familie und Sport verwendet, berechnen und sieht dann sofort seine "Arbeitszeit als Manager". Dazu gehört dann genauso Lesen oder das gepflegte Gespräch am Kamin. Der einzige der das mal öffentlich beschrieben hat war Dieter Bohlen. "Wenn ich im Mittelmeer auf einem Boot sitze und dort einen Film dreh, das kann man doch nicht Arbeit nennen. Das ist Urlaub."(Aus dem Gedächtnis). Arbeit ist 8 Stunden Holzhacken. Ein Manager hingegen der im Bürostuhl sitzt und mit 5 Gleichgesinnten plaudert, und dabei ständige Erektionen wegen seiner Wichtigkeit bekommt, sowie ab und zu mal was anmerkt, was alle anderen für höchst innovativ empfinden, arbeitet anders. Das ist schonmal eine Relativität der Zeit, die dadurch zustande kommt, daß man es schafft sein Hobby zum Beruf zu machen. Denken ist Arbeit. Kontemplation ist Arbeit. Man sitzt da und wartet auf die Idee, Arbeit über Arbeit. Ein Unbeteiligter sieht einen sitzenden Buddha – nach dem erweiterten Arbeitsbegriff, falsch, das ist Arbeit. So entstehen 80 Stunden Wochen, mit viel Kaffee und Geschwätz.

Es gibt aber noch einen  andere Relativität und die ist viel verborgener und müßte eigentlich zu Massenentlassungen in den oberen Etagen führen. Wer alt ist, ist langsam.
Eine ganz einfache Sache und eigentlich seit Urzeiten bekannt. Jemand der die 30 überschritten hat wird langsamer. Alles wird langsamer. Und die Zeit vergeht in der Rückbetrachtung schneller. Es gibt keine neuen Ideen (Was aber eigentlich nicht schlimm ist, da es sowas wie die "Neue Idee" sowieso nicht gibt), alles wird aus Rastern entnommen die in der Jugend entwickelt worden sind. Z.B. hat ein 60 jähriger Manager einer Firma wie der Post überhaupt kein Verständnis mehr für die moderne technologische Email- und Youtube-Welt. Selbst wenn er vorgibt sich auszukennen, und vielleicht noch mit Mühe gelernt hat Emails zu schreiben. Er bleibt in der eigenen Jugend immer verhaftet. Und er braucht desto älter er wird 60 Stunden um etwas zu tun, wofür ein Junger sagen wir mal 4 Stunden braucht. Der Trick besteht jetzt in der Erfahrung, er macht dabei weniger Fehler, weil er die eigenen Fehler noch in Erinnerung hat. Aber auch das fällt bei Managern weg, sie haben keine Erinnerung an Fehler. Daraus ergibt sich eigentlich das Jugend unterbezahlt und ausgenutzt wird und das man mehr Zeit von einem möglichst jungen Manager bekommen würde. Deswegen sollte man es mit 17 jährigen Managern versuchen, da sind nämlich 40 Stunden soviel wie … na, rechnet selbst.

9 Comments »

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  1. Ein Manager hingegen der im Bürostuhl sitzt und mit 5 Gleichgesinnten plaudert, und dabei ständige Erektionen wegen seiner Wichtigkeit bekommt, sowie ab und zu mal was anmerkt, was alle anderen für höchst innovativ empfinden, arbeitet.

    Würdest Du das als Manager auch noch schreiben? Das ist halt die Frage… :-D

    Comment by NUB — February 21, 2008 @ 11:40 am

  2. Nur wenn ich Spass daran hätte.

    Comment by luclog — February 21, 2008 @ 11:43 am

  3. In der Antike war das bekannter: Carpe Diem ist der Ausdruck dafür.

    Marc Aurel drittes Buch:

    1

    Wir müssen uns nicht bloß bedenken, daß das Leben mit jedem Tage schwindet und ein immer kleinerer Teil davon übrigbleibt, sondern auch beherzigen, daß es ja ungewiß ist, wenn man ein längeres Leben vor sich hat, ob sich die Geisteskräfte immer gleichbleiben und zum Verständnis der Dinge, so wie zu all den Wahrnehmungen und Betrachtungen hinreichen werden, die uns auf dem Gebiete des Göttlichen und Menschlichen erfahren machen. Denn wieviele werden im Alter nicht kindisch! Und bei wem ein solcher Zustand eingetreten ist, dem fehlt es zwar nicht an der Fähigkeit zu atmen, sich zu nähren, sich etwas vorzustellen und etwas zu begehren; aber das Vermögen, sich frei zu bestimmen, die Reihe der Pflichten, die ihm obliegen zu überschauen, die Erscheinungen sich zu zergliedern und darüber, ob’s Zeit zum Sterben sei oder was sonst einer durchaus geweckten Denkkraft bedarf, sich klar zu werden - das ist bei ihm erloschen. Also eilen muß man, nicht bloß weil uns der Tod mit jedem Tage näher tritt, sondern auch weil die Fähigkeit, die Dinge zu betrachten und zu verfolgen, oft vorher aufhört.

    Comment by luclog — February 21, 2008 @ 11:57 am

  4. Dieses dort beschriebene “Eilen” ist heutzutage durch Institutionen und eine Struktur die das Alte bevorzugt fast völlig aufgehoben. Das liegt auch daran, daß der Weg der Gewalt für die Jugend vordergründig weggefallen ist.

    Comment by luclog — February 21, 2008 @ 12:02 pm

  5. Dazu noch ein zugegeben ironisches Beispiel:

    Wenn Bill Gates oder Steve Jobs bei Firmengründung 50 gewesen wären, ständen sie bestimmt besser da.

    Und daran schließt sich dann die Fragen an: Gibts vergleichbares in Deutschland?

    Oder war, Zumwinkel bspw. ein Gates der Papierkommunikation?

    Comment by luclog — February 21, 2008 @ 2:47 pm

  6. ein Gates der Papierkommunikation

    Höchstens wenn des darum geht, Banknoten mit der Postkutsche nach Liechtenstein zu fahren. :-D

    Wenn Bill Gates oder Steve Jobs bei Firmengründung 50 gewesen wären, ständen sie bestimmt besser da.

    ?! Die stehen doch gut da.

    Comment by NUB — February 21, 2008 @ 3:12 pm

  7. ?! Die stehen doch gut da.

    Jetzt wird die Ironie nichmal mehr erkannt wenn man sie vorher ankündigt. Du wirst alt. : )

    Comment by luclog — February 21, 2008 @ 3:23 pm

  8. Ironie muss ja nun nicht heißen, dass man das genaue Gegenteil sagen will.

    Obwohl, wenn alles andere unverständlich wäre, wird es das genaue Gegenteil eben sein. Hach, die biologische Uhr tickt… auch während des Eintippens dieser Zeilen bleibt sie nicht stehen. :-)

    Comment by NUB — February 21, 2008 @ 3:28 pm

  9. :)

    Comment by luclog — February 21, 2008 @ 3:30 pm

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