Ist der Podcast Hype am Ende? Am Anfang stand eine riesige Welle der Euphorie. Radio von jedem für jeden, war die Parole. Das ist im Grunde natürlich genauso wirklichkeitsfremd wie das selbsterstellte Kino. Oder das eigene Theater im Keller, oder das eigene Bundesligafussballspiel im Garten. Die zeitlichen Anforderungen um etwas hinzukriegen, was professionell wirkt sind einfach zu hoch. Selbst Podcast Vertreiber denen ich eigentlich freundlich gesonnen bin, oder die ich gerne hören würde, schaffen es nicht eine akzeptable Qualität herzustellen. Und, das ist kein Problem der Stimme oder der Ausrüstung. Es ist ein Zeitproblem. Um eine Qualität herzustellen die für verwöhnte Konsumenten der westlichen Überflussgesellschaft einigermaßen akzeptabel ist, braucht es Zeit. Man kann nicht alles machen und man kann nicht alles alleine machen. Wenn eine Aufgabe zu komplex wird, braucht man das Wissen von Spezialisten. Und die wenigsten, können bei ihren eigenen Arbeiten den Abstand herstellen, bei dem Sie selbst die Qualität einer Sache beurteilen können. Nun haben verschiedene Medien das Problem, daß sie nicht nur von der technischen Seite aus verschieden komplex sind, sie sind es auch vom allgemeinen Zugang. Die einfachste Form sich und seine Ideen einzubringen ist Schreiben, die wirkungsvollste ist Sprechen. Jetzt könnte man glauben sprechen sei einfacher als schreiben. Das stimmt aber leider nicht. Denn Schreiben hat den Vorteil, der gleichzeitig ein Nachteil ist, das vieles verloren geht. Die meisten Leute die gut sprechen können, können dies nur im Dialog. Die Fähigkeit der freien Rede ist mittlerweile fast völlig verschwunden und wird eigentlich auch kaum noch geübt. Aber das ist ein anderes Thema, denn es geht ja eigentlich garnicht um die Qualität einzelner Sprecher und Stimmen.
Es ist vielmehr so, daß die meisten es nicht mal schaffen ein Mikrofon richtig aufzustellen und einen Audiofile ohne schmerzhaftes Atemzischen zu erstellen. Und ich denke das ist auch kein Problem welches durch mangelhafte Ausrüstung oder Fähigkeit entsteht. Es entsteht dadurch, daß alles immer einfach und schnell-schnell gehen muss. Und das ist auch verständlich, denn die Leute verdienen damit ja kein Geld und haben immer noch tausend andere Sachen zu tun. Sie machen diese Dinge nebenbei und die Qualität ist dann erstmal nebensächlich, da man ja vom Primat des Inhaltes ausgeht. Schon der einfache Hörabgleich mit Produkten anderer Podcaster könnte eigentlich schon das Schlimmste verhindern. Denn man kann eigentlich sehr einfach bemerken wenn man es nichtmal schafft, die technische Qualität anderer Wohnzimmeraufnahmen zu erreichen. Und als Zielvorgabe sollte man eigentlich eine professionelle Radioaufnahme in einem professionellem Studio haben, denn eigentlich ist auch das selbst für ein billiges Heimstudio möglich, aber es koste halt Zeit. Und wer hat die schon? Besonders wenn es um eine Sache geht die man schlecht in etwas Geldwertes verwandeln kann.
Technisch gesehen ist eine Audioproduktion für das Internet eigentlich sogar schwieriger als ein Video. Denn der Mensch ist so angelegt das er wenn er etwas sieht, die visuell Information alles andere überlagert, und zweitens ist die visuelle Information und wenn sie noch so wackelt für den Menschen immer erstmal interessant, es gibt eigentlich nichts was visuell nicht akzeptiert wird. Man kann also Bilder, Skulpturen, und Videos in jegliche Qualität und Aussagelosigkeit anbieten, wenn der Mensch was zu schauen ist er erstmal zufrieden. Qualität und Entscheidung für oder gegen ein Produkt, ist immer wenn das Visuelle mitspielt Inhaltsabhängig und weniger qualitativ bestimmt.
Aber davon ab, ist das eigentliche Problem nicht die Qualität des Heimwerkerprodukts es ist die Schaffung von Aufmerksamkeit. Und auch da hat das Podcast eigentlich ein schweres Problem, es konkurriert mit zu vielen anderen Dingen, die das gleiche bieten und dabei eigentlich besser sind. Hier dieser Text bietet zum Beispiel den Vorteil, das man ihn schnell überfliegen kann, und sich ihm nicht wirklich widmen muss. Ein Video biete den Vorteil das es zu der reinen Sprache auch noch etwas zu sehen gibt. Ich aber trotzdem auch einfach nur zuhören kann ohne den Faden zu verlieren. Der Podcast hat nur den Vorteil, das ich ihn dort Nutzen kann wo diese Dinge nicht möglich sind. Dieser Vorteil ist aber auch gleichzeitig ein Nachteil. Ich kann zwar in einer Vorlesung in der Schule oder beim Essen gleichzeitig einen Podcast hören, aber mir wird dabei sofort einiges anderes entgehen. Zwei mögliche Einsatzgebiete fallen einem dann doch noch ein Ausdauersport und lange Bahn-, Auto- oder Busfahrten. In beiden Fällen gibt es die anderen professionellen und günstige Konkurrenz, Radio und CD. Radio und CD bieten dabei weitaus professionellere Inhalte. Das Radio ist aktueller, die CD bietet professionelle Inhalte. Beide Medien sind weitaus einfacher zu handhaben und entwickeln keinen Speicherhunger und müssen nicht aufwendig verwaltet werden. Besonders die Verwaltung ist für den Nutzer der kein ausgemachter Technikteufel ist, eine komplexere Sache als man es sich gemeinhin vorstellt.
Die meisten Nutzer sichten alles im Internet als Stream, und wenn sie es als Stream nutzen, befinden sie sich an einem Computer und sind nicht gerade dabei zu joggen oder in der U-Bahn. Also werden die Vorteile einer Audiodatei meist garnicht benötigt und die direkte Konkurrenz von Schrift und Video ist der Audiosprachdatei, die die selbe Aufmerksamkeit erfordert, unterlegen. Sie ist auch der Audiomusikdatei unterlegen, die keine wirkliche Aufmerksamkeit braucht. Der Sprachblog bewegt sich also einem sehr engen Feld, von ganz speziellen Nutzern und Nutzerinteressen und kein mögliches Massenmedium. So gesehen wird der Podcasthype der von einigen Tongeräteherstellern mächtig angeschoben wurde, immer ein Hype bleiben.
Man kann den Weg in die Bedeutungslosigkeit auch am Rückgang der Verteilerseiten für Podcasts und deren Grösse erkennen. Wer über Audio Leute erreichen will macht besser einen Radiostream. Das hat den Vorteil, daß es, wenn einmal angewählt, im Hintergrund spielt. Damit sind die Nutzer wie beim Radio oder Fernsehen von der Suche erstmal entlastet, und man hat einen Geräuschteppich den man auch jederzeit ignorieren kann.
Älteres dazu:
Podcast und Videokultur
Podcasting ist Quatsch
Flicker, Youtube, Evoca,
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Podcast Hype ( Ein alter Hype)