November 19, 2007

Die Schwarze Sonne

Filed under: Zeitgeist, Wissen, Faschismus - luclog @ 8:54 pm

Absolut sehenswert und sehr passend zu den vorherigen Artikeln. Man beachte im Film, daß immer wieder Lichtsymbolik auftaucht, und auch der Begriff der Schwarzen Sonne. Die Schwarze Sonne ist das Endsymbol (Deus Ex Machina) in dem Kinodreiteiler Matrix. Das ist die Popkultur unserer vordergründig vom Neuheidentum befreiten Gesellschaft. Diese gefährlichen Ideen sind längst noch nicht verschwunden, sie sind immer noch wach und modern und sie haben sich kaum gewandelt. Dort finden sich auch die mythologischen Grundlagen der Nazis. Hier noch etwas zu Helena Bavatsky und dem Hakenkreuz, besonders interessant finde ich auch die Verbindung zur heute noch sehr beliebten und gesellschaftlich angesehenen Antropsosophie. Die anderen Begriffe die noch damit zusammen hängen sind, die Gnosis, oder auch Gnostizismus und es lassen sich sogar Verbindungen zu den modernen Kabbalisten entdecken. Das ist in seiner Gesamtheit ein immer noch kaum zu durchschauendes und völlig bizarres esoterisches Durcheinander, das aber seine Wirkungen bis in die moderne Philosophie entfaltet. Nur mit Kenntnis dieser Vorstellungswelten sind überhaupt erst deutsche Philosophen wie Nietzsche verständlich (Und damit auch Sloterdijk oder Bolz). Sich damit zu befassen, führt wirklich zu einem Moment der Erkenntnis (Gnosis), nur ist diese Erkenntnis keine Gute. Mir ist dadurch erst wirklich klar geworden wie wichtig die Funktion der Kirchen ist. Denn, was da lauert wurde nie wirklich gezähmt. Vielleicht lässt sich auch darüber besser verstehen, daß die Nazis kein dummer Schwachmatenhaufen waren, abgesehen von dem Anteil an schwachköpfiger Dummheit den jede Massenbewegung braucht. Dahinter stecken ungeheuer gefährlich Ideen, die auf andere Weise immer noch weiter tradiert werden und jederzeit wieder erwachen können. Und auch deshalb sind die Experimente am offenen Herzen die wir aus ideologischen, theoretischen und geschäftlichen Erwägungen an der Gesellschaft vornehmen auch so brisant.

Film via: Winkelried.

Die Natur ist Liebe

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 5:26 pm

Eine wunderbare Erweiterung zu Zensur und Zeitgeist. Nun will Beck, Kardinal Meißner Hassprediger nennen dürfen. Hierzulande ist jedes Mittel recht um in die Schlagzeilen zu kommen. Die Hassprediger die zur Gewalt aufrufen sind wirklich ganz andere, und die verurteilen nicht nur homosexuelle Lebensweise, die lassen auch Taten folgen und hängen Homosexuelle oder pfählen sie, aber dagegen protestieren solche Gestalten wie Beck natürlich nicht. Und natürlich ist sowas kein Zufall, hier soll gezielt das Wort Hassprediger relativiert werden, um von den wirklichen Gefahren der Religion, die unser Moderne bedroht, abzulenken. Aber das ist ja das eigentliche Ziel einer grünen Parte: die Zivilisation zurückverwandeln in ein marxistisches vorindustrielles Paradies. Hier kämpft eine primitive, sich seiner selbst unbewusste, Religionsvorstellung, gegen den viel mächtigeren und intellektuell ausgereiften alten Gegner. Das taten die Nazis genauso und mussten es auch genauso tun, und man sieht wieder: alle Idologie schöpft immer aus den gleichen Quellen. Dazu passt dann auch die Meldung das der Kannibale von Rothenburg, Armin Meiwes, nun einer Grünen Knastgruppe beigetreten ist. Das passt ja nun wirklich wunderbar, Maschinenstürmerei, Lust an jeder primitiven Gesellschaft, da fühlt sich selbst der Kannibale angesprochen und wird auch aufgenommen. Alles was in den Menschen an dunklen Seiten lauert muss unbedingt befreit und ausgelebt werden, die Zivilisation hingegen ist ein schrecklicher Irrtum, der den Menschen von der Natur entfremdet; dieser schönen Natur, wo man sich schnell den Tod holen kann und um das Essen noch richtig kämpft.

Paranoia, Angst und Zensurschreihälse

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 2:29 pm

So ganz nebenbei befinden wir uns in einer Sprachdebatte denn ohne es wirklich bewußt so gedacht zu haben, haben die beiden Fernsehclowns Schmidt und Pocher es ausgelöst. Nach dem sie ein paar lustige Gasofenwitze mit Bezug zum Nazimeter in ihrer Sendung angebracht haben, gab es schnell zwei Seiten: die eine begrüßte Gasofenwitze ausdrücklich und war hocherfreut, daß sowas wieder On-Vogue ist, andere (und dazu gehöre ich) spielten den Spassverderber. Und ich tat es nicht, weil ich nicht etwa verstünde, daß der Tabubruch immer auch zum Lachen reizt, sondern weil der Tabubruch in Deutschland offensichtlich nur in bestimmte Richtungen praktiziert wirklich lustig ist. Er ist es immer nur dann, wenn er die Mehrheit bestätigt, und eine Minderheit belästigt. Natürlich hat jede Minderheit ein Recht darauf verarscht zu werden, aber mir gefällt nicht, daß es immer nur gegen bestimmte Minderheiten funktioniert.

Hier befreit sich eine wirklich primitive Form des Humors, der "Alte Gasofenwitz" den ich eigentlich noch nicht so schnell wiedererwartet hatte. Andererseits muss man hier auch sehen, daß die Witze von Schmidt und Pocher eine Reaktion auf die Eva Herman Debatte waren und gerade dadurch, daß sie das Naziworttabu noch weiter übertreibend und verschärfend aufnehmen, diese Diskussion überspitzen, zeigen sie wie lächerlich die Vorwürfe gegen Eva Herman in der Show von Johannes B. Kerner waren. "Sie hat Autobahn gesagt". Wahrscheinlich war das auch die eigentliche Idee dahinter, denn soviel Intellektualität trau ich S&P schon zu, daß sie hier eigentlich auf die Bigotterie in der Eva Herman Debatte anspielen wollten, und das hier ihre Satire ansetzt.

Leider wird es aber in meiner Wahrnehmung so von der Masse der Zuschauer nicht verstanden. Verstanden und bedient wird die übelste und primitivste Form von menschenverachtendem Gasofenwitz. Und das ist es was mir nicht gefällt, und besonders gefällt mir nicht, daß es eben in diese Richtung hin ausartet, oder um einen weiteren unerlaubten Begriff zu benutzen, entartet. Der Angriff gegen die Benutzung des Begriffes Entartet war eigentlich noch dümmer und wirklich eine äusserst bösartige Interpretation, bei der man die Freude über das hineingefundene Fressen in den Kolumnen immer noch nachlesen kann.

Aber trotzdem kann man an den Debatten ablesen, daß es eine echte (befohlene) Gleichschaltung der Presse nicht gibt. Was es gibt ist eine weitgehende Konformität, innerhalb der Gesellschaft. Und diese Konformität ist eine die von der Elite, innerhalb von Politik und Medien ausgeht, aber auch mehrheitsfähig ist. Diese Konformität ist so mächtig, daß sie von einer von oben befohlenen Gleichsschaltung in den Fällen die man als politisch inkorrekt bezeichntet aber auch eigentlich kaum zu unterscheiden ist. Dort steht dann ein kritischer Artikel oder eine kritische Publikation gegen hundert konforme. Und meinungsprägend sind ausserordentlich linksschlagseitige Publikationen und Medienerzeugnisse. Und auch die Rechten sind auf ihrer intellektuellen Ebene Links, sie sind für Volk, und mehr Staat, ganz ähnlich wie auch die Linke. Die einen wollen einen Führer die anderen einen großen Vorsitzenden. Und im Antiamerikanismus und Antijudaismus treffen sich beide Extreme so stark, daß für jemanden der die spezifischen Terminologien bei der Betrachtung ausschaltet, eigentlich kein relevanter Unterschied besteht.

Man braucht keine Gleichschaltung zu bemühen, wenn sich die Meinung selbst auf bizarre Weise gleichschaltet. Das ist etwas das in allen Gesellschaften immer wieder passiert, in der Psychologie gibt es dafür den Begriff Konformitätsdruck. Es ist eine der schwersten Sachen eine eigene Meinung zu besitzen, aufrechtzuerhalten und diese von Fakten abhängig zu gestalten. Denn "Niemand ist eine Insel" um mal wieder John Donne zu bemühen.

Es ist doch klar zu erkennen wie viele der Gedanken von Traditionen geprägt sind und die meisten Ideen eben nicht im luftleeren Raum entstehen. Und wichtiger für die Meinungen wie sie in Gesellschaften existieren ist die ganz private familiäre Tradition, viel wichtiger als alles zusätzlich Erlesene. Wenn der Faschismus eine Tradition in der Familie hat, bricht er auch in den Formen die nicht dem historischen Faschismus entsprechen. Es sucht sich das gesellschaftliche Ventil das erlaubt ist. Und es stehen ja genügend Angebote zur Verfügung den Faschismus zu praktizieren, bei denen man sich gleichzeitig sogar als Antifaschist darstellen kann. Es ist wirklich die grösste Dummheit Faschismus anhand von Symbolik des dritten Reiches oder anhand von Hitlerbezug festmachen zu wollen. Selbst Antisemitismus oder Antiamerikanismus sind keine hinreichenden Kriterien. Es gibt nur zwei Begriffe die wirklich auf Faschismus hinweisen: Rasse und Volk. Und diese Begriffe kommen zuallerst aus der Religion und stecken so tief in jeder mythologischen Tradition (Besonders in der Bibel), daß sie langfristig immer wieder als Konflikt losbrechen werden. Wie sich das Ganze dann modern nennt, ist nur eine Frage des Zeitgeistes.

Update: Die Natur ist Liebe