So ganz nebenbei befinden wir uns in einer Sprachdebatte denn ohne es wirklich bewußt so gedacht zu haben, haben die beiden Fernsehclowns Schmidt und Pocher es ausgelöst. Nach dem sie ein paar lustige Gasofenwitze mit Bezug zum Nazimeter in ihrer Sendung angebracht haben, gab es schnell zwei Seiten: die eine begrüßte Gasofenwitze ausdrücklich und war hocherfreut, daß sowas wieder On-Vogue ist, andere (und dazu gehöre ich) spielten den Spassverderber. Und ich tat es nicht, weil ich nicht etwa verstünde, daß der Tabubruch immer auch zum Lachen reizt, sondern weil der Tabubruch in Deutschland offensichtlich nur in bestimmte Richtungen praktiziert wirklich lustig ist. Er ist es immer nur dann, wenn er die Mehrheit bestätigt, und eine Minderheit belästigt. Natürlich hat jede Minderheit ein Recht darauf verarscht zu werden, aber mir gefällt nicht, daß es immer nur gegen bestimmte Minderheiten funktioniert.
Hier befreit sich eine wirklich primitive Form des Humors, der "Alte Gasofenwitz" den ich eigentlich noch nicht so schnell wiedererwartet hatte. Andererseits muss man hier auch sehen, daß die Witze von Schmidt und Pocher eine Reaktion auf die Eva Herman Debatte waren und gerade dadurch, daß sie das Naziworttabu noch weiter übertreibend und verschärfend aufnehmen, diese Diskussion überspitzen, zeigen sie wie lächerlich die Vorwürfe gegen Eva Herman in der Show von Johannes B. Kerner waren. "Sie hat Autobahn gesagt". Wahrscheinlich war das auch die eigentliche Idee dahinter, denn soviel Intellektualität trau ich S&P schon zu, daß sie hier eigentlich auf die Bigotterie in der Eva Herman Debatte anspielen wollten, und das hier ihre Satire ansetzt.
Leider wird es aber in meiner Wahrnehmung so von der Masse der Zuschauer nicht verstanden. Verstanden und bedient wird die übelste und primitivste Form von menschenverachtendem Gasofenwitz. Und das ist es was mir nicht gefällt, und besonders gefällt mir nicht, daß es eben in diese Richtung hin ausartet, oder um einen weiteren unerlaubten Begriff zu benutzen, entartet. Der Angriff gegen die Benutzung des Begriffes Entartet war eigentlich noch dümmer und wirklich eine äusserst bösartige Interpretation, bei der man die Freude über das hineingefundene Fressen in den Kolumnen immer noch nachlesen kann.
Aber trotzdem kann man an den Debatten ablesen, daß es eine echte (befohlene) Gleichschaltung der Presse nicht gibt. Was es gibt ist eine weitgehende Konformität, innerhalb der Gesellschaft. Und diese Konformität ist eine die von der Elite, innerhalb von Politik und Medien ausgeht, aber auch mehrheitsfähig ist. Diese Konformität ist so mächtig, daß sie von einer von oben befohlenen Gleichsschaltung in den Fällen die man als politisch inkorrekt bezeichntet aber auch eigentlich kaum zu unterscheiden ist. Dort steht dann ein kritischer Artikel oder eine kritische Publikation gegen hundert konforme. Und meinungsprägend sind ausserordentlich linksschlagseitige Publikationen und Medienerzeugnisse. Und auch die Rechten sind auf ihrer intellektuellen Ebene Links, sie sind für Volk, und mehr Staat, ganz ähnlich wie auch die Linke. Die einen wollen einen Führer die anderen einen großen Vorsitzenden. Und im Antiamerikanismus und Antijudaismus treffen sich beide Extreme so stark, daß für jemanden der die spezifischen Terminologien bei der Betrachtung ausschaltet, eigentlich kein relevanter Unterschied besteht.
Man braucht keine Gleichschaltung zu bemühen, wenn sich die Meinung selbst auf bizarre Weise gleichschaltet. Das ist etwas das in allen Gesellschaften immer wieder passiert, in der Psychologie gibt es dafür den Begriff Konformitätsdruck. Es ist eine der schwersten Sachen eine eigene Meinung zu besitzen, aufrechtzuerhalten und diese von Fakten abhängig zu gestalten. Denn "Niemand ist eine Insel" um mal wieder John Donne zu bemühen.
Es ist doch klar zu erkennen wie viele der Gedanken von Traditionen geprägt sind und die meisten Ideen eben nicht im luftleeren Raum entstehen. Und wichtiger für die Meinungen wie sie in Gesellschaften existieren ist die ganz private familiäre Tradition, viel wichtiger als alles zusätzlich Erlesene. Wenn der Faschismus eine Tradition in der Familie hat, bricht er auch in den Formen die nicht dem historischen Faschismus entsprechen. Es sucht sich das gesellschaftliche Ventil das erlaubt ist. Und es stehen ja genügend Angebote zur Verfügung den Faschismus zu praktizieren, bei denen man sich gleichzeitig sogar als Antifaschist darstellen kann. Es ist wirklich die grösste Dummheit Faschismus anhand von Symbolik des dritten Reiches oder anhand von Hitlerbezug festmachen zu wollen. Selbst Antisemitismus oder Antiamerikanismus sind keine hinreichenden Kriterien. Es gibt nur zwei Begriffe die wirklich auf Faschismus hinweisen: Rasse und Volk. Und diese Begriffe kommen zuallerst aus der Religion und stecken so tief in jeder mythologischen Tradition (Besonders in der Bibel), daß sie langfristig immer wieder als Konflikt losbrechen werden. Wie sich das Ganze dann modern nennt, ist nur eine Frage des Zeitgeistes.
Update: Die Natur ist Liebe