November 9, 2007

Moderne Arbeitswelt

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 3:51 pm

Es ist eine merkwürdige Sache mit der Zeit. Alles war schon da. Und trotzdem tun die Leute so als wären die Probleme neu. Im Kern sind alle Ideen und Bewegungen, die das Wort Zukunft im Munde führen, immer an der Vergangenheit ausgerichtet. Oder wie ich in dem Beitrag die Bio-Bestie schrieb: Der Mensch ist nicht sehr fantasiebegabt.

Das eigentliche Problem der Moderne ist die Maschine. Und die Maschine steht in direkter Verbindung zu unserem spirituellem Wesen. Die Maschine befreit unser Leben vom Sinn, und wir wissen dann nicht wohin mit uns. Auch ein Leben das nur auf weitere Vermehrung ausgerichtet ist, bietet keine sinnvolle Erfüllung. Der Mensch will im Leben, und sei er noch so dumm, immer das Besondere schaffen, einzigartig sein, individuell. Die Werbung und die politische Propaganda wissen das zu nutzen. Eigentlich wissen auch alle, daß die eigentliche Erfüllung des Menschen im Endpunkt nur noch in der genetischen Botschaft liegt. Und diese Wahrheit ist eine unerbittliche Grausamkeit für jeden Propagandisten der Egalität. Doch das schizophrene Wesen unserer Kultur, bringt uns ständig davon ab, die Unvermeidlichkeiten der Moderne zu akzeptieren und auch nur zu durchdenken. Unsere politischen Parteien betreiben nur sinnlose Klientelpolitik und schnelllebigen Zeitgeistpopulismus, wobei gerade der dümmste und oberflächlichste Gedanke, als Masstab für Zukunftsfähigkeit gilt. Transrapid!

Leider erkennen die wenigsten die Tragweite dessen was die Technologische Revolution wirklich auslöst. Es werden immer noch Scheindebatten über Sozialneid und die Möglichkeit des Aufstiegs durch Arbeit geführt. Diese ist schon längst nicht mehr gegeben, besonders nicht in Europa wo die gesamten strukturellen Bedingungen auf den Schutz und die Vermehrung von altem Besitz ausgerichtet ist. Schon die Begrifflichkeit "Sozialneid" ist nichts als ein sprachlicher Trick. Nach allen Regeln auch des libertärsten Wirtschaftens, gibt es keinen Grund, Sozialneid zu diskreditieren. Das was man mit Sozialneid benennt ist der Motor des Wirtschaftens. Und in einer Gesellschaft geht es immer um Ausgleich, was ganz einfach bedeutet, daß die Menschen alle Möglichkeiten nutzen werden um an das zu kommen, von dem sie denken das es sie befriedigt oder glücklich macht. Und wenn es eben um Besitz geht, dann werden die Menschen, letztlich wenn sie keine andere Möglichkeit sehen, ihre Interessen politische bündeln, und versuchen so an das zu kommen was ihnen innerhalb des wirtschaftlichen Systems nicht gelingt.

So ist das mit der Freiheit der Demokratie, in ihr ist auch diese Freiheit enthalten. Und da die Vertreter der Wirtschaft das Primat der politischen Herrschaft nicht wirklich realisieren, rufen sie den Eklat geradezu herbei. Es ist immer das selbe seit hunderten von Jahren spitzt es sich immer auf diesen Konflikt zu, da die Elite der Besitzenden nicht erkennt, daß die Masse als Masse auch nach einer sinnvollen Existenz strebt und immer stärker sein wird als jede Macht die sich durch Geld definiert.

Die Menschen selbst erkennen unbewusst die Gefahr durch die Maschine. Die Maschine bedroht ihr Leben, sie ersetzt sie. Einerseits wird das Leben durch die Maschine und das elektrische Licht angenehmer, andererseits beraubt die Maschine uns des Sinnes unserer Existenz. Insbesondere wenn wir den Sinn unserer Existenz, durch unser Wirken und unsere Arbeit definieren, wie es gerade in Deutschland gut alte Tradition ist.

Die Menschen werden noch für ihren Status als Arbeitende bezahlen und eigentlich, tun sie es jetzt schon. Viele stecken mehr Geld in das was sie ihre Arbeit nennen, als sie herrausbekommen. Ich kenne selbst viele die kaum oder wenig erwirtschaften aber das ganze alte Geld der Familie in ihren Status stecken, den sie ihre Firma oder ihren Beruf nennen. Andere stecken ihr halbes Leben in das erlernen sinnloser Dinge, die ihnen den Status eines akademischen Titel verleiht, der dann aber auch niemals das erwirtschaftet was sie hineingekellnert haben, und ihnen auch oft bei ihrer weiteren Kellner Tätigkeit nichtmal nützlich ist. Andere bringen sich und ihre Familie um, wenn ihr Statusleben zusammenbricht. Kurzschluss. Sie können ihr Bild, und das Selbstbild nicht mehr aufrechterhalten. Und es geht nicht ums Verhungern - es geht um Lebensinn und Anerkennung. Es geht bis zum Letzten, es geht um Leben und Tod. Und hier irren auch alle Sozialhilfe und Menschenverwaltungsprojekte, nichts schafft mehr Hass, als Menschen ins Abseits zu stellen und karitativ verwaltend ihre Dankbarkeit zu erzwingen.

Das geht zwar noch solange wie man den Menschen einreden kann ihr Unglück sei selbst verschuldet und sie hätten eine Chance, aber wenn die Masse der Besitzlosen Verlierer mehr und mehr ansteigt, wird es auch dem letzten irgendwann auffallen, daß da irgendwas nicht stimmt. Zum Glück ist es aber lange nicht so weit, aber das ist die Gefahr der nahen Zukunft. Ein grosser gesellschaftlicher Umbau ist absehbar erforderlich, und wenn es die Politik nicht anfasst, wovon ich ausgehe, wird es explodieren. Gesellschaft und Politik kennen immer nur einen Lösungsansatz für alle Probleme, "Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht". Auch wenn an der Seitenlinie genügend Leute stehen die warnend ins Feld rufen, es wird erst etwas passieren wenn etwas passiert.

Und so nah ich mich den "Liberalen" in vielen gesellschaftlichen Programmpunkten fühle. In wirtschaftliche Hinsicht irren sie völlig, da sie das Wesen der Moderne welcher sich im maschinellen und technologischem Fortschritt bündelt, überhaupt nicht wahrnehmen. Ihre Ansichten über Gesellschaft sind schlicht nicht zukunftsfähig, und führen wenn es so weitergeht noch zu Mord und Totschlag.

Hier eine Liste von Beiträgen die sich mit diesem Problem beschäftigen:

1) Hallo, Herr Literat

2) Angst vor dem Abstieg

3) Überflüssige Menschen durch chinesische Konkurrenz

4) Die Bio-Bestie

Simmel, Hemingway und John Donne

Filed under: Zitate - luclog @ 2:08 am

Hemingway, sagen 99,99 Prozent von denen die überhaupt wissen worum es geht,  Simmel, sagen 99,99 Prozen von denen denen die das Andere zu kennen glauben.

Und ich wollte das mit der Insel immer mal nachschlagen, weil ich es dem Simmel doch nie so recht zugetraut habe. Und nun gehöre ich zu einer neuerlichen Minderheit, die weiß, das die Herkunft beider Zitate bei John Donne liegt. Da hat man es mal wieder, immer nur alter Wein in neuen Schläuchen. Man kann an der Kultur schier verzweifeln, wenn man bemerkt wie langweilig und substanzlos immer nur ewig Gleiches dahergebrabbelt wird. Und das selbst intelektuelle und gebildete Leute häufig nicht mitbekommen, was das Neue und was das Alte ist. Das Gut und Schlecht unterscheidbar ist, kann man da dann noch viel weniger erwarten.

"Niemand ist eine Insel" und: "Wem die Stunde schlägt" sind beides Zitate von John Donne. Wenn der nicht auch schon geklaut hat. Denn, desto weiter man zurück geht desto schwieriger sind die Klaurereien ja nachzuweisen, wie man schon anhand der großen religiösen Texte sieht..

N24 schafft den Skandal

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 1:28 am

Der Bischof Mixa Pol Pot Vergleich ist keiner. Claudia Roth sagt in ihrer geschult schwer zu durchdringenden Rhetorik:

Aber wenn er Betreuungseinrichtungen als Umerziehungslager bezeichnet dann fällt mir Pol Pot ein.

Obwohl man zugeben muss, ein bischen zweideutig ist es schon. Für mich klang es aber eher wie ein Verstolperer bei dem sie zuerst sagen wollte, daß sie der Begriff Umerziehungslager an das Pol Pot Regime erinnert. Auf Stalin kam sie wohl nicht, weil das gegen ihre eigene politische Orientierung in der Jugend gewesen wäre. Sie versucht es dann irgendwie auch klarzustellen aber verheddert sich, mehrfach. Was ich auch gerade bei diesem Punkt merkwürdig fand, war, wie jemand der ganz allgemein ein so schlechter Rhetoriker ist, in eine solche Position kommen kann.

Wer es unbedingt sehen will (es lohnt nicht)

Liebe Liberale

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 12:03 am

Ich las gerade den Artikel der von Christopher Hitchens in der Welt über die Islamismusdebatte in Europa. Und mir ist da wieder eine Sache aufgefallen. Ihr habt einfach den falschen Namen. Ihr müsst euch in einer globalisierten Welt, auch der globalisierten Sprache und Politiklandschaft anpassen. Seid doch mal modern – hört doch doch mal auf mit den alten Geschichten von vor 200 Jahren. Kein Mensch weiß mehr was davon. Und leider ist in unserer durchangelizierten Gesellschaft keine Zukunft mehr für eine Gruppe mit einem Namen, der zwar eine alte europäische Tradition hat, aber leider in Amerika nichts anderes als links und dirigistisch bedeutet. Andauernd muss ich lesen wie ihr von Amerikanern und anderen übel beschimpft werdet. Und da ich davon ausgehe, daß die Mehrheit solche Unterscheidungen wie zwischen Liberal (Europa) und Liberal (Amerika) überhaupt nicht wahrnimmt, bleibt bei jeder Polemik die sich gegen die blöden Liberalen richtet, immer etwas von dem entstandenen Vorurteil auch an den Liberalen mit dem gleichen Etikett und der anderen Tradition kleben. Ihr müsst endlich akzeptieren, daß ihr zu den Verlierern der sprachlichen Globalisierung gehört, wenn ihr nicht schnell handelt. Ihr zeigt schon im Namen wie wenig die Liberalen die Globalisierung verstanden haben. Da jede liberale Gruppierung bald der Masse nur als linke Gruppierung erscheint, weil es bei CSI-so-und-so so dargestellt wird. Da helfen auf Dauer auch keine Kunstbegriffe wie "wirtschaftsliberal", die auch nur den populären Charm des Begriffes "Immobilienhai" entwickeln. Ein solches Marketingdesaster ist einer Partei des Marktes und ohne Programm nicht würdig.

Es muss euch doch selber auffallen, liebe Marktradikale, daß ihr in euren langen Reden selbst kaum mehr der deutschen Sprache befleissigt, und liebend gern, und stolz auf eure Mehrsprachlichkeit, auf die Wirtschaftsseminarsprache Nummer Eins abschweift. Nicht nur eure liberalistische Tradition ist anglophil, ihr seid es doch auch. Aber leider bedeutet, euer Name in eurer Lieblingssprachwelt die ihr auch gerne und lustvoll in das Deutsche hineintradiert, etwas völlig anderes. Daher wäre es wohl an der Zeit die Liberale Partei von dem alten Zopf der Tradition zu befreien und das liberal endlich wegzulassen, zum Glück ist ja der Term "Liberal" in dem Kürzel FDP bspw. nichtmal enthalten. Die Grünen haben es da sogar viel schwerer, ihr eigentlicher Kern ist ja auch garnicht Teil des Namens, sie verstehen sich als die Linksradikale Partei des Bildungsbürgertums, die Ökologie interessierte die alten K-Gruppen Kader die diese Partei geschaffen haben und die Merheit ihrer Wähler zu keiner Zeit.