Die Grünen und die Basis
Den Hinweis darauf, daß die Grünen die Partei sind deren Anhänger mit der größten Mehrheit den Afghanistan Einsatz befürworten bekam ich über Zettels Raum. Dies steht in völliger Diskrepanz zu der Entscheidung der grünen Bundesdelegiertenversammlung, die Verlängerung des Mandats für den Afghanistan-Einsatz abzulehnen. Man wundert sich: Die Wähler sind für eine Verlängerung des Mandats, der Parteitag votiert dagegen.
Woher kommt nun diese Diskrepanz? Ich würde mich nicht der These anschliessen, daß es sich hier um eine Unentschiedenheit zwischen dem Kampf um Frauenrecht und den pazifistischen Idealen handelt.
Mir erscheint es eher der ganz lapidare Umstand der Grund zu sein, daß die Partei der Grünen erwachsen geworden ist, und mittlerweile wie alle Parteien den Zusammenhang zur Basis verloren hat. Die eigentlichen Grünen Wähler, kurz, Bildungsbürgertum mit leichtem Linksdrall und Weltrettungsanspruch, ist einfach älter und reifer geworden – während die Aktiven in der Partei eben wie alle Aktiven in Parteien, mehr den idealistischen Ursprüngen verbunden sind. Die Partei ist immer der Wahrer der Tradition. Die übliche Lesart ist hier anders und man hat dafür den Realpolitiker erfunden: Die Aktiven in der Partei sind diejenigen, die mit den realen Bedingungen von Politik konfrontiert realistische Beschlüsse fassen. Politiker machen das Machbare: Realpolitik.
Ich löse es entgegengesetzt auf: Leute die sich in Parteien engagieren, und das bis zu einer Entscheidungsposition durchhalten, sind erstmal Idealisten mit Hang zur Egozentrik. Denn die Selbstbewertung, daß ihre Person und deren ureigene Vita der Allgemeinheit nützen, gehört zu einer politischen Aktivität dazu.
Die klassischen Wähler der Grünen sehen die Politik mittlerweile viel pragmatischer als die Partei. Und die Grünen sind in Gefahr, den Zusammenhang zu ihren Wählern zu verlieren. Sie wären dann nicht die erste Partei der das passiert. Und üblicherweise schadet das der Partei dann auch erstmal eher wenig. Denn wenn es darauf ankommt, wird zu allererst das Kreuz da gemacht wo man es schon immer gemacht hat. Denn man hat zum einen nie geirrt, und zum anderen sind die Alternativen meist noch schwerer zu schlucken.
Eine Alternative wäre natürlich, daß die Grüne Partei sich so entwickelt wie es ihre Wähler tun und zur Mitte rückt. Das würde aber eine Revolution innerhalb der Partei und eine Trennung von den altlinken Kadern erfordern und dazu reicht der Druck wahrscheinlich nicht aus. Die Gefahr das die Grünen sich von ihrer Basis weiter entfernen, und von "Der Linken" (die die echteren "Linken" sind) aufgerieben werden, bleibt bestehen.
