September 10, 2007

Eva und Hitler

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 10:51 pm

Unsere heutige Medienlandschaft ist seltsam. Bei allen neueren wichtigen linken Hysterien stehen an vorderster Front Medien wie Bild am Sonntag. So auch bei dem neustem Fall, wo eine Fernsehmoderatorin sich der Nähe zu Hitler verdächtig gemacht haben soll. Der Fall ist äußerst kompliziert. Zum einen heisst die Frau Eva. Und bekanntlich hatte Adolf Hitler auch schon etwas mit einer Frau Namens Eva. Wenn das kein Indiz ist, was dann? Und ein weiterer Anfangsverdacht besteht darin: diese Frau ist Blond, und Blond war die Lieblingshaarfarbe des dritten Reiches. Aber noch schlimmer, die Frau sieht in der Rolle von Müttern etwas positives, und genau das hat auch schon der Papst, bemerkt, und Stalin, und Hitler – und Ahmedinidschad. Irgendwie hat jeder Machtpolitiker und jede Ideologie mindestens wenn sie an der Macht waren, das Loblied der Mütter gesungen. Denn jede Bewegung pflanzt sich immer auch dadurch fort, daß die infizierte gesellschaftliche Gruppe sich fortpflanzt. Die echten Religionen sind deswegen bei der Weitergabe ihrer Ideen weitaus effizienter als die modernen Spielarten von Ideologie, die auf eine Infizierung durch Ideen in der Jugend setzen.

Aber was hat diese Eva denn nun gesagt? Es muss etwas ganz Schlimmes gewesen sein, wenn dies mit sofortiger Entlassung aus dem öffentlich rechtlichem quasi Staatsdienst bestraft werden muss. Einfacher Irrsinn reicht für sowas nicht aus, damit wird man beim NDR dann doch eher Intendant. Die Recherche, selbst die Internet Recherche ergibt eigentlich nicht viel, ausser ein paar kleineren Fetzen.

Blogkon:

„Es war eine grausame Zeit, er war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle. Aber es ist eben das, was gut war, das sind Werte, Kinder, Mütter, Familie, Zusammenhalt – das wurde abgeschafft, es durfte nichts mehr stehen bleiben.“ (Quelle: „RTL-exclusiv“)

Von diesem Zitat wird dann immer nur der zweite Teil genommen, und absichtlich in die Richtung interpretiert, daß es sich um eine Beschwichtigung der NS-Zeit handeln würde. Was aber im Zusammenhang völlig haltlos erscheint. Es geht aber bei diesem Zitat darum, daß die einfache suggestive Verknüpfung – im Nationalsozialismus wurde die Mutter geschätzt und deswegen ist die Mutterrolle schlecht – einfach falsch ist. Davon abgesehen, daß mündliche Rede überhaupt eine Sache ist an die man keine so scharfe Interpretation anlegen kann wie an eine Text von Kant in Reinschrift. Es geht darum, daß der Nationalsozialismus wie jede Ideologie Dinge und Werte als gut für sich okkupiert hat – und, daß nur deshalb weil der Nationalsozialismus sie für sich belegte (wie es im Übrigen jede Massenbewegung tut) diese Werte schlecht sind. Es ist geradezu umgekehrt; die Werte die von Populisten und Heilsbringern seit Urzeiten immer wieder aufgegriffen werden sind meistens gut.

Es handelt sich bei den Werten die von außnahmslos allen Ideologien benutzt werden um zeitlose einfache Grundlagen von darwinistischer Qualität. Sie werden eben genau deshalb immer wieder benutzt, wegen ihrer Popularität. Sie sind genauso populär wie Pop-Musik. Deswegen wird sich auch nie ein Populist des Ausdruckstanzes oder der modernen Lyrik bedienen. Und es ist sogar noch schlimmer die Dinge die über lange Zeiten immer populär bleiben haben oft einen Zusammenhang mit der Natur des Menschen – beispielsweise Sex, und als Unterkategorie davon eben auch die Mutter. In der Nazi-Zeit wurden auch Rheinwein und Schmorbraten geschätzt, das hat nun nichts mit den Vor- und Nachteilen von Schmorbraten zu tun.

Es gilt die neue journalistische Präambel: Unsere Meinung steht schon fest, Fakten bringen nur immer alles durcheinander. Profil zeigen.