September 29, 2007

AGWler

Filed under: Erderwärmung - luclog @ 1:41 am

Ich stosse im Rahmen meiner Internetleseorgien immer öfter auf einen Begriff der sich dem Laien nicht so schnell erschliesst: Der "AGWler". Der "AGWler" ist eigentlich sehr bekannt, allgemein beliebt und oft hohgeachtet, wie auch gut beleumundet und Hans Dampf in allen – besonders aber atmosphärischen – Zukunftsfragen. "AGW" steht für "Anthropogenic Global Warming". Der AGWler ist also ein "Anthropogenic-Global-Warming-ler". Eigentlich ein Wort das sich schlecht spricht, und auch nicht so richtig irgendeiner Sprache angehört.

"AGW" ist uns im Deutschen auch als die "menschlich verursachte Erderwärmung" bekannt. Gemeint ist mit AGWler dann auch ein "Anhänger der Idee der menschlich verursachten Erderwärmung" – offensichtlich lässt sich daraus aber schlecht eine Typenbezeichnung ableiten. Und das Deutsche ist hier ganz out: der MVEler ist mir als Kürzel noch nicht begegnet, noch weniger der AdIdmvE-ler. Wahrscheinlich weil es auf englisch so kosmopolit und auch wissenschaftlicher klingt.

Es gibt aber aber auch keinen richtigen Ersatz, will man einen überzeugten Anhänger der menschlich verursachten Erderwärmung richtig charakterisieren, ohne alle Bestandteile immer wieder auszuschreiben. Das schöne deutsche Wort "Erderwärmungskatastrophist" wäre zwar treffend aber wohl zu wertend. Vielleicht sollte man mal ein Preisausschreiben veranstalten, wie man einen Vertreter dieser eigentlich sehr beliebten Weltuntergangsidee bezeichnet.

September 26, 2007

Flugauto

Filed under: Technikwelt - luclog @ 12:22 pm

Pal-V, der neue Kleinsthubschrauber, ist auf dem guten Weg unseren Individualverkehr zu revolutionieren. Auf Angaben aus der Literatur verzichte ich lieber, die liest ja niemand. Aber gerade im Luclog kann ich natürlich nicht vermeiden auf den Film "Das fünfte Element" von Luc Besson hinzuweisen, in welchem einige Verkehrsszenen mit Flugautos enthalten sind. Schon da ist es lustig anzusehen wie perfekt man sich eine solche Welt mit Flugautos vorzustellen hat. Parkplatzprobleme ade. Alle Personen die schon am Boden Probleme mit der Bewältigung des Verkehrs haben, werden bei Hinzunahme einer weiteren Dimension aufatmen. Auch das Einparken wird kein Problem, man landet einfach auf den Dächern.

Flugautos sind ausserdem die Lösung für orientierungslose Senioren im Verkehr, man fliegt einfach hoch hinauf und orientiert sich, nichts einfacher als das. Als weiteres Plus (Es gibt einfach soviele) erscheint mir das Mehr an Ausweichmöglichkeiten wenn etwas passiert: nach oben und nach unten, zur einen und zur anderen Seite. Auch die Bauwirtschaft wird sich freuen, gegen den Einschlag von schlecht gewarteten Fugautos hilft kein Doppel- oder Dreifachverglasung; da muss dann nachgebessert werden.

Ausserdem wird das Fliegen dann durch die beliebte bombensichere Elektronik unterstützt, was jedem Autofahrer schon jetzt ein Gefühl der Sicherheit vermittelt und sogar die Einmischung des ADAC oft unterbindet. Auch bei den Verfolgungsfahrten und Straßensperren durch die Polizei würden sicher eine neue Ära anbrechen, wie ja auch schon der Film "Das fünfte Element" angedeutet hat.

Ganz nebenbei könnten sich hier auch ganz neue Perspektiven für den individuellen Terroranschlag ergeben. Ich muss dabei sicher nicht erst erwähnen, daß Helicopter in der Lage sind Menschen zu köpfen. Und man kann bei einem solchen Individual-Fluggerät auch sicher besser die Bodenkontrollen umgehen, falls es überhaupt Bodenkontrollen gibt.

Ansonsten soll das "Pal-V" ja auch mehr von Rettungskräften genutzt werden und die sind durch Bettenschieben und Martinshornfahrten, eigentlich absolute Meister des verantwortungsvollen Umgangs mit jeder Technik – 200 Kmh sind da eine Ansage. Alles in allem das Flugauto ist eine bestechende Idee, die erst im Masseneinsatz wirklich alle ihre interessanten Aspekte zeigen wird.

September 24, 2007

Kuscheloptimismus

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 11:59 am

Nein, das ist nicht erfunden. Kuschel heißt wirklich Kuschel und hat sogar eine Kuscheltheorie:

Der Theologe Karl-Josef Kuschel fordert eine Besinnung auf die gemeinsamen Wurzeln aller drei monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam.

Ich will die uralten Texte wieder neu sprechen lassen, sie miteinander in Beziehung setzen, Gesprächsfäden knüpfen, wechselseitig Dialoge eröffnen", schreibt der katholische Wissenschaftler in seinem Vorwort. Auch er warnt davor, "abspaltend" zu denken.

Das wäre nun wirklich ein geschichtliches Novum wenn in einer dieser drei genannten Religionen "abspaltend" gedacht würde. Üblicherweise halten die zusammen wie Pech und Schwefel. Die spalten sich zwar manchmal innerhalb, und machen dann 30 Jahre Krieg; aber untereinander sind sie von je her ein Herz und eine Seele. Und die glauben auch alle an die gleiche Heilige Schrift in der nur ein Wort vorkommt. Weitere Kontroversen sind nun nicht mehr zu befürchten.

September 22, 2007

Yonnis Masih

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 11:20 am

Schön ist natürlich die einfache Rechtskultur in anderen Ländern. Dort weiß man noch welche Verbrechen wirklich verfolgt werden müssen. Anders als in den bösen USA wo Massen von unschuldigen Menschrechtskämpfern in den Todeszellen sitzen, ist in der unterdrückten Welt der blühenden Hochkulturen noch alles in Ordnung. Ayurveda ist die beste Medizin, und ausserdem Höflichkeit, Liebe und Besinnung, noch Bestandteil des öffentlichen Lebens. In den westlichen Ländern ist hingegen alles verloren, da hetzt jeder nur dem Geld hinterher und man kennt die wahren Werte des Lebens kaum noch. Und auf allen Straßen und Plätzen nur Unterdrückung und Gewalt. Gehen sie mal auf einen deutschen Wochenmarkt, sie werden schon sehen. Ich frage mich schon ewig, wann die einfache Wahrheit das Barbarei, barbarisch und mittelalterlich, mittelalterlich ist, in die Köpfe der Menschen vordringt. Zur Zeit gilt desto exotischer desto besser, ein Prinzip das der Natürlichkeit der Vernunft dermassen widerspricht, daß jeder Fischschwarm es schon besser weiß. Der Mensch ist das einzige Wesen das einen Schwarm der Unvernunft und des Wahnsinns und der Selbstzerstörung bilden kann.

Recht Bizarr

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 9:41 am

Verbrechen muss sich wieder lohnen, und deswegen gibt es gerade bei Kapitalverbrechen einen besonderen Schutz der Persönlichkeitsrechte. Das über Zeitgeschehen berichtet wird und berichtet werden muss, ist hier unwichtig und geht auch anders, das geht auch ohne Namen. Da ist nicht einmal die RAF drauf gekommen, man muss nur alle verklagen die die Namen erwähnen, schon ist die ganz bürgerliche Presse in Angst und Schrecken. RAF vorher als geschützte Marke anzumelden, das wäre die wahrhaft revolutionäre Tat gewesen.

Erst lässt ein gewisser Kannibale Filme verbieten, nun legt ein anderer, ein eigentlich nur mittelmäßig bekanntes Folterdrohopfer mit Schutz seines Namens nach. Das Beispiel wird sicher Schule machen, und andere werden dem folgen. Es gibt da sicher noch mehr Opfer der Gesellschaft, die sich nur dann wieder eingliedern können wenn auch der Name nicht mehr bekannt ist. Das gilt aber nur wenn es kein größeres Attentat war, dann sind die Täter meist Helden im Sinne der Weltrevolution und die Opfer immer schnell vergessen.

Thema: Heise

Historie: Rheinzeitung

September 21, 2007

Kathedralen müssen größer werden

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 3:27 pm

Hätte ich doch nur Architektur studiert, Stoibers neuste Äusserungen versprechen einen Boom. Endlich gibt es einen Wettstreit wie er mir gefällt: Wer hat die größeren und schöneren Gotteshäuser? Das alte  Programm der Gotik scheint wieder in Reichweite. Ich hätte da auch schon einige Ideen wie man geheimen Botschaften in Bodenlabyrinthen unterbringen könnte das Chartre dagegen geradezu mittelalterlich wirken würde.

Wir werden jetzt die schönsten und größten Gotteshäuser errichten die die Welt je gesehen hat. Ein wunderbares Programm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und zur Steigerung der Attraktivität Deutschlands als Kulturlandschaft und Fernreiseziel. Schon bei der Wiedererrichtung der Frauenkirche in Dresden hat man ja gesehen, daß dieses Programm immer noch genau wie eh und je im Mittelalter funktioniert. Man braucht nur Spenden zu sammeln.

Meine zweite heutige Top-Idee für den Wirtschaftsstandort leitet sich auch direkt hiervon ab. Speziell für amerikanische Touristen könnte man ja auch noch das Berlin des Albert Speer irgendwo hochziehen. Hauptsache man ist beschäftigt und für die Beschäftigung braucht es Ziele. Und da mit den Deutschen technologische Ziele, wie ein Mondprogramm, nicht zu machen sind, bleibt nur eins: Monumentalarchitektur, da hatte der Deutsche an sich schon immer Spass. Man schau sich nur das Sandburgaufkommen an den ostdeutschen Stränden und in den Zentren der Hochfinanz an.

Beleidigungen unter Feingeistern

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 1:14 pm

Der Begriff "mit Verlaub" hat mittlerweile eine solche Karriere gemacht, daß es nicht mehr auszuhalten ist. Jeder Zweite von der Straße oder Nebenan meint mittlerweile , daß "mit Verlaub" eine besonders kultivierte Wendung ist um zur Beleidigung überzuleiten. Ein einfaches "Entschuldigung sie sie sind ein Arschloch", meint natürlich das Gleiche. Es gibt keinen Unterschied zwischen der antiquierten und immer nur  von Exoten genutzten Sprachformel " "mit Verlaub" und der Formel "Entschuldigung, sie sind ein Arschloch". Man merkt in jedem Fall sofort die Primitivität der Strategie. Da natürlich jedem sofort klar ist, was gemeint ist.

Das ärgerlich daran ist, das sind die absoluten Höhepunkte heutiger Streitkultur. Ein solche Griff in die Klamottenkiste, ist nicht nur so nacherzählenswert, daß es einem schon aus den Ohren quillt, nein, er wird auch noch weiter tradiert und von allen nachgeahmt.

Wo ist da die klare Sprache, wo ist da die Schönheit eines klärenden  "Sie sind ein Idiot" hin. Davon ab, daß das Abdriften ins Fäkale wie bei Arschloch eigentlich immer schon ein Verweis auf das kindische Selbst ist. Andererseits darf ja die Annahme der intellektuellen Begrenztheit, mit Rücksicht auf die intellektuelle Begrenztheit durch Krankheit oder Gottesurteil, neusprachlich postmodern eigentlich gar nicht mehr formuliert werden. Da wehren sich die Idioten dagegen und das völlig zurecht.

Der Mangel an Kultur der in dem das Nutzen von Wendungen wie "mit Verlaub" enthalten ist, zeigt auf einen Niedergang von Rechtswesen und Streitkultur. Man kann sich eigentlich, nicht wirklich wundern wenn die Jugend beim Ehrenschutz wieder zum Messer greift, wenn die Streitkultur in der Politik sich in solchen Niederungen bewegt. Und es weist auch darauf hin, daß der Ehrenschutz überhaupt kein Teil des Rechts für die Allgemeinheit ist (Wenn wir "Die normative Kraft des Faktischen" mal ernst nehmen), und sich nur auf den Raum des Gerichtes erschöpft und nur dort überhaupt geahndet wird, und dort eigentlich auch nur weil sich Richter und Juristen selbst nicht beleidigen lassen wollen. Dort hat ein "mit Verlaub Herr Richter, sie sind ein Arschloch" noch unmittelbare Konsequenzen.

Das waren eigentlich sogar die alten Duellsysteme und zum Ehrenschutz besser als das heutige Rechtssystem, heutzutage darf jeder wie er will, der Einzelne hat weder eine Ehre noch einen Rechtsschutz darauf. Eigentlich hat er nicht mal die im Grundgesetz lapidar niedergelegte Würde. Das fängt dann erst bei einer gewissen Geldmenge und Zeit im Sinne von Muße an, die man dafür übrig haben muss, dann kann man was tun. Dann kann man sogar Spekulationen über die Haarfarbe verbieten.

Aber das ist eigentlich alles wie immer und auch nur bedingt ärgerlich, an einen Schutz des Einzelnen durch Staat und Rechtsprechung war in Deutschland noch nie zu denken. Mich stört vielmehr die ausufernde Erscheinung des völlig sinnlosen und mittelalterlich anmutendem Wortes "Verlaub". Man könnte sich wenigstens mal darauf einigen, daß einfach jeder der die Wendung "mit Verlaub" benutzt ein Idiot ist.

September 20, 2007

Die politische Realität.

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 4:03 pm

Für mich das Zitat des Tages:

(AFP) Die stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Katherina Reiche (CDU), sagte dem Sender N24 mit Blick auf das Lob des NS-Familienbildes durch die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman: "Ich finde, was unsere Familien gerade durchmachen, eingekeilt zwischen Gabriele Pauli und Eva Herman - das ist schon ganz schön viel," sagte Reiche auf N24.

Die Wirklichkeit in den Köpfen.

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 2:59 pm

Beim Lesen von Leserbriefen zu allen möglichen Vorkommnissen in Deutschland, die irgendwie am Rande etwas mit Rechts und Links zu tun haben, stößt man immer wieder auf die gleiche Merkwürdigkeit. Man sieht, daß die medial erschaffene Wirklichkeit nichts mehr mit der Realität zu tun hat. Die Realität verblasst vollkommen gegen die Erregung. Man wundert sich über gar nichts mehr, man ahnt wie Hitler möglich war. Man erkennt die ständige Erregung der fanatische Menschen ausgesetzt sind, und es ist nicht so, daß diese Fanatiker nur aufschäumende junge Links- oder Rechtsradikale sind. Die Welt ist nur noch Position keine Realität, das ist scheinbar auch eine Folge der dialektischen Inhalte innerhalb unserer Naturwissenschaften.

Einer allgemeinen Erregung kann sich kaum mehr einer entziehen, da eigentlich alle immer mehr als bereit sind, nur den großen Skandal sofort zu glauben und in das immer schon fertige und nie änderungwürdige Weltbild einzusortieren. Pipi Langstrumpf mit ihrem "ich machen mir die Welt, wie es mir gefällt" ist der große Stichwortgeber des vergangen Jahrhunderts. Es laufen ja schon genug Menschen rum die eine einseitige Weltsicht haben – in der bspw. alles von einer amerikanischen Verschwörung ausgeht, die nichts weiteres im Sinn hat als für Öl und Hamburger die Welt zu unterjochen und die oft von einem Mann Namens George Bush ausgeht.
 
In vielen Leserbriefen steht in letzter Zeit als Reihung der Unmenschlichkeit in Deutschland: Lübeck, Mügeln, Potsdam, Sebnitz. Und es ist wirklich interessant, kaum einer weiß überhaupt noch was diese Städtenamen bedeuten. Keiner erinnert sich mehr an die peinlichen Widerlegungen von den darin enthaltenen Bildzeitungshysterien. Man kann wieder jeden Blödsinn behaupten, man muss ihn nur lang genug behaupten und auf der Seite der moralischen Mehrheit stehen.

Ich lese immer wieder diese merkwürdige Reihung, bei der den Personen die sie äussern alles klar zu sein scheint. Wir leben in einer fürchterlichen Welt, in der die Rechtsradikalen die Straßen beherrschen. Man triff sie nur nirgends. Aber Fotos gibt es ja genug. Die Rechten bringen nur nicht Hunderttausende auf die Beine – wie jede Demonstration gegen die USA oder Busch – weil die Faschisten sich hinter der Maske des Bürgertums verstecken und perfide jeden linken Terroristen zu Fernsehshows einladen dessen sie habhaft werden können. Man sieht also klar die Rechte-Gefahr, z.B. wenn man sich die rechte Partei CSU so ansieht, mit ihrer angsteinflössenden Personalie Gabriele Pauli. Oder wenn man sich die letzten großen Parteigründungen so anschaut, die letzte bedeutende nennt sich da ganz trickreich "Die Linke".

Die Realität ist nicht nur physikalisch relativ und sie entsteht auch nicht mehr in den Köpfen, sie ist nur noch ein politisch/ethisches Programm. Man könnte auch noch ein paar andere Städtenamen in die Reihung einfügen, keiner der von der Presselandschaft völlig überforderten, Gesinnungsethiker würde etwas merken. Irgendeine Assoziation wird schon freigesetzt werden. Im Falle dieser meiner letzten Reihung hoffentlich die Richtige: München, Berlin, Lübeck, Mügeln, Potsdam, Sebnitz.

Lesestoff

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 1:04 pm

Zwischendurch ein wenig Lesestoff. Hier eine nicht-theistische Betrachtung über Leben und Wirken der Person Jesu, von Prof.Dr. Gehard Streminger: "Eine Kritik der christlichen Ethik"