Bravo, Mister Bush
Die Netzeitung ist katholischer als der Papst und beschwert sich, daß G.W.Bush den Papst nicht mit "Eure Heiligkeit" angeredet hat. Ich halte es für arg übertrieben sowas zu verlangen, wenn jemand einer völlig anderen Fraktion innerhalb der christlichen Gemeinschaften angehört. Es wäre eigentlich sogar ziemlich verlogen. Denn wenn er seinen eigenen Glauben nur halbwegs ernst nimmt, muss sich eine solche Bezeichnung sogar verbieten. (Im Grunde genommen müsste sich eine solche Bezeichnung schlichtweg für jeden Christen, bei halbwegs ernstgenommenem Christentum verbieten)
Eine bestimmte Eigenbezeichnung die über das Normalmaß hinausgeht für sich einzufordern ist eigentlich immer eine Demütigung des anderen und das befolgen einer solchen Zumutung immer ein Zeichen von Schwäche. Deswegen dürfen das im Allgemeinen auch nur Juristen.
(PS: Nicht nur die Netzzeitung, auch der Spiegel ist der Ansicht der Papst sollte mit "Seine/Ihre Heiligkeit" angeredet werden (Mein Beileid an Augstein), es schreibt wohl mal wieder einer vom anderen ab und eigentlich steht es dann meist schon in der Ursprungsquelle).

In der Bibel steht, dass man nur einen als “heiliger Vater” anreden soll - Gott.
Wenn ein Papst diesen Titel für sich beansprucht (und Päpste werden von Katholiken immer so angeredet), der betreibt Blasphemie, denn ein Mensch kann keinen Titel beanspruchen oder akzeptieren, der Gott vorbehalten ist.
Comment by heplev — June 10, 2007 @ 10:33 pm
Der Experte für alt-ägyptische Mythologie Jan Assmann konstatiert eine enge Verwobenheit von Schöpfergott und zu den Menschen vermittelnden Pharao: „Die ägyptische Welt braucht keinen Erlöser, sondern nur einen ‚guten Hirten’, der die Schafe gegen die Wölfe in Schutz nimmt.“ [Assmann, “Ägypten - eine Sinngeschichte”, 222, 209] Hier liegt eine der Grundlagen für den monarchistisch-absolutistischen Anspruch, Herrscher „von Gottes Gnaden“ (Dei Gratia) zu sein. Pate steht hier die Doppelfunktion des späten römischer Kaisers als weltlicher Herrscher aber zugleich auch als Pontifex maximus (ein Titel, den bekanntlich heute der Papst trägt). Auch der päpstliche Anspruch auf die Stellvertreterschaft Christi auf Erden, scheint über die hellenistisch-ägyptische Vermittlung an Rom Anklänge an die altägyptische Kosmogonie zu zeigen. Nur in einer metaphysisch geladenen (”heiligen”) Mittlerstellung zwischen Schöpfergott und Menschen gelingt dem Pharao die Kommunikation zwischen den Ebenen und die Schaffung eines zeitlosen Raumes, des Chronotops. Wie immer verbieten sich bei diesem Thema vorschnelle Urteile.
Comment by Tim Thaler — June 11, 2007 @ 3:25 pm
Das finde ich, wenn ich es für mich als als profanen Gedanken umformuliere, zu kurz gesprungen. Staatswesen an sich bedient sich doch schon immer der Legende, die Schafe gegen die Wölfe zu schützen. Dieses eigentliche Grundmotiv ist wahrscheinlich sogar älter als alle Hochkulturen, und wurde schon bei jagenden steinzeitlichen Gruppen benutzt. Auch das Motiv, daß der Anführer eine besondere Verbindung zur Geisterwelt hat, halte ich für älter als den Faustkeil.
Die Grundideen sind also sicher nicht sehr originell. Interessanter ist bei diesem Fall doch eigentlich die vorhandene Ähnlichkeit der liturgischen Formen auf der speziellen Ebene, die auch auf eine Mischung hinweist.
Comment by luclog — June 11, 2007 @ 9:10 pm