Ich erinnere mich noch, daß der Spiegel bei der Ermyas M. Hysterie auch ganz vorne mit dabei war. Aber nicht nur der, auch viele vermeintlich liberale Blogs haben sich nur allzu gerne an der folgenden Hysterie beteiligt. Der Fall hatte sehr viel Ähnlichkeit mit dem Fall Sebnitz und der dadurch ausgelösten Verschiebung der Wirklichkeit. Wer den Fall, so sah wie er sich von Anfang an darstellte, als eine Schlägerei zwischen Betrunkenen, musste mit harten persönlichen Angriffen rechnen.
Mittlerweile ist davon nichts mehr übrig geblieben, ausser, daß diejenigen die sofort jegliche Hemmung fallen lassen wenn sie denken, daß sie sich für ein gute Sache einsetzen, (Was im Übrigen auch ein Kennzeichen für NAZIS war und ist) auch daraus nichts gelernt haben werden. Die Wirklichkeit ist nur dazu da die ideologischen Vorstellungen zu bestätigen. Es dauert wirklich nicht lange bis ein ganzes Land hysterisch geworden ist und sich alle nur noch ihre ideologische Blindheit gegenseitig bestätigen.
Für mich war dieser Fall mal wieder ein klares Zeichen dafür wie gefährlich fanatisierte Massen sind: Der Fanatismus muss immer nur eines bewirken, eine grosse Masse muss sich für gut halten, und dabei ist völlig egal ob schwarz, weiß, Professor oder Handwerker, Hutu oder Tutsie. Es ist immer die gleiche Lehre die sich daraus ziehen lässt, die Lehre die man auch aus dem Faschismus ziehen kann und muss, dein nächster Nachbar selbst dein Freund oder Verwandter ist gefährlich wenn man es nur schafft auf die richtigen Knöpfe zu drücken. Und es gibt wirklich nur ganz wenige die sich gegen den Sog der Masse immunisieren können. Und das ist nebenbei bemerkt auch gar nicht so klug, wenn man alle Fehler der anderen mitmacht schwimmt man viel besser im Strom.
(Spon): Im Prozess gegen Thomas M., 31, und Björn L., 30, vor dem Potsdamer Landgericht, das seit Februar über die folgenschwere Auseinandersetzung des äthiopischstämmigen Ingenieurs Ermyas Mulugeta mit zwei Deutschen an einer Potsdamer Bushaltestelle in der Nacht vom 15. auf den 16. April vorigen Jahres zu urteilen hat, ist heute das scheinbar am schwersten belastende Beweismittel erörtert worden: der zufällig auf einer Mailbox festgehaltene Wortwechsel zwischen Mulugeta und zwei Männern, von denen der eine wegen seiner ungewöhnlich hohen Stimme auffiel. Mulugeta hatte damals offenbar in betrunkenem Zustand laut Zeugenaussagen zwei Männer verbal und körperlich attackiert, bis einer ihn mit einem Faustschlag niederstreckte. Dabei fiel das Mobiltelefon Mulugetas, der versucht hatte, seine Frau anzurufen, zu Boden; die Aufzeichnung der Mailbox brach ab. Mulugeta erlitt schwerste Kopfverletzungen, an denen er beinahe gestorben wäre.
Hatte man zunächst - und vorschnell - das Geschehen als rassistisch motivierte Gewalttat, ja als Mordversuch Rechtsradikaler gegen einen Dunkelhäutigen interpretiert und Björn L., Spitzname “Pieps“, sowie M. festgenommen, musste der Tatvorwurf bald auf gefährliche Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung reduziert werden.
Obwohl L. und M. von Anfang an bestritten, zur Tatzeit am Tatort gewesen zu sein, und obwohl kein Augenzeuge verlässliche Angaben über die Täter machen konnte, lastete der Tatverdacht weiter auf L. und M. Selbst der Umstand, dass L. zur Tatzeit nachweislich an einer Kehlkopfentzündung litt, die seine Stimme heiser und krächzend klingen ließ, änderte daran nichts. Im Lauf dieses Prozesses der Wahrscheinlichkeiten gab es Zeugen, die L. eindeutig wiedererkannt haben wollen. Andere sagten: Nein, das ist er niemals. Der Staatsanwalt, der ungeachtet der Ausführungen der Sachverständigen “doch eine Menge Übereinstimmungen“ feststellte, befragte die Gutachterin zur Glaubhaftigkeit der Zeugen; sie lehnte seriöser Weise ab. Denn dies ist nicht ihr Geschäft, sondern Sache des Gerichts. “Gibt es eine Möglichkeit der Analyse, die zu einer höheren Wahrscheinlichkeit kommt?“, fragte der Staatsanwalt. “Mir ist keine bekannt“, lautete die Antwort.
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Nur Pech für die beiden Angeklagten, der Mob brauchte ein Opfer und zwar schnell. Eine Entschädigung, dafür das ihr Leben für Jahre zerstört wurde, wird es nicht geben.
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