Volatilität
Fachbegriffe von entschiedener Sinnlosigkeit, ärgern mich ja immer wieder. Insbesondere solche die die vorgeben etwas besonders klar auszudrücken und eigentlich das Gegenteil bezwecken. Man nutzt solche Worte um auszuschliessen, auszugrenzen, Aussagen zu verdecken, oder etwas wichtiger erscheinen zu lassen als es ist. Und es herrscht oft bis in die tiefsten Tiefen der Fachkommune, völlige Uneinigkeit darüber was damit gemeint ist. Hier das Beispiel "Volatilität". Volatiltät ist ein völlig sinnloser Begriff, und wird immer benutzt wenn etwas schwankt oder jemand noch schwankend ist. Es stimmt nicht, daß es wie in Wirtschaftslexika, behauptet bei einem Schwankungsmaß benutzt wird. Es wird immer benutzt wenn irgendetwas unsicher, wechselhaft oder schwankend erscheint. Und es wird immer benutzt als Platzhalter für: "Äh, keine Ahnung, das schwankt noch". Klingt aber besser. Denn man sagt in der Wirtschaft besser nicht, daß etwas noch sehr unsicher ist (Wirtschaftsleute sind nie unsicher, besonders nicht bei den Prognosen).
Hier ein Beispiel für die Benutzung im Geschäftsbericht der deutschen Bank:
Es wird erwartet, dass durch diese Strategie die Volatilität der Erträge aus den Planvermögen auf ein Mindestmaß verringert werden kann und die Ertragsschwankungen bei den Vermögen die Schwankungen bei den Verpflichtungen kompensieren werden.
Man kann das Wort Volatilität in diesem Satz einfach durch Schwankung ersetzen. Im DB eigenen Lexikon ist von dieser Art von Nutzung für Volatilität (Schwankung) im Sinne von einfach "schwankend" natürlich keine Rede. Die Definition dort widerspricht sogar der Nutzung des Wortes in den eigenen Publikationen.
Allen anderen Behauptungen zum Trotz haben wir es hier mal wieder mit einem einfachen und übersetzungsfaulem Anglizismus zu tun, einer Übernahme des englischen Volatile.

Hmja, aber letztlich - wie so häufig im Englischen - ein Latinismus.
Das Grimm´sche Wörterbuch jedenfalls vermeldet:
VOLATIL, adj., lat. volatilis, flüchtig, ein ausdruck der chemie; übertragen: der volatile geist der (französischen) nation LESSING w. 10, 127 M. mit deutscher endung: der gar leichtfertig, unfixe, v o l a t i l i s c h e geist, welcher dem bley … eingeleibt ist THURNEYSSER magna alchymia (1583) 134; volatilisch, flüchtig KINDERLING reinigk. d. dtsch. spr. 344.
“Die Sprache, zumal eine relative Ursprache wie die deutsche, ist das köstlichste Erbteil der Nation und dabei ein überaus kompliziertes, leicht zu verderbendes und nicht wieder herzustellendes Kunstwerk, daher ein ,noli me tangere’.”
(Schopenhauer)
Comment by FAB. — December 20, 2006 @ 6:46 pm
Schon klar, aber das, was bei uns als Volatilität bezeichnet wird hat mit der lateinischen Urbedeutung nichts mehr zu tun. Man benutzt es wie im englischen für schwankend, oder wechselnd. Die Lateinische Bedeutung “flüchtig”, kennt eigentlich niemand mehr.
Es wird erwartet, dass durch diese Strategie die Flüchtigkeit??(oder der Leichtfertigkeit??) der Erträge aus den Planvermögen auf ein Mindestmaß verringert werden kann und die Ertragsschwankungen bei den Vermögen die Schwankungen bei den Verpflichtungen kompensieren werden. : )
Comment by luclog — December 20, 2006 @ 6:56 pm
Lustigerweise bedeutet der DB Text ins Deutsche übertragen:
Es wird erwartet, dass durch diese Strategie die Schwankung der Erträge aus den Planvermögen auf ein Mindestmaß verringert werden kann und die Ertragsschwankungen bei den Vermögen die Schwankungen bei den Verpflichtungen kompensieren werden.
Comment by luclog — December 20, 2006 @ 7:04 pm