December 20, 2006

Barrierefrei

Filed under: Technikwelt - luclog @ 8:10 pm

Es gibt ihn, den Knopf zum Vergrössern. Als geschulter Internetbenutzer findet man ihn sofort – 6 Punkt gross rechts, oben in der Ecke; einfach für Alle. Das ist eine der blöden Ideen von der ganz besonderen Art. Sie nennt sich "Barrierefreies Internet". Barrierefreiheit ist aus der Stadtplanung entlehnt wo es ja Sinn macht für Rollstuhlfahrer, Zugangsmöglichkeiten, insbesondere bei öffentlichen Gebäuden zu schaffen. Irgendwann ist aber jemand auf die Idee gekommen, das auf das Internet zu übertragen. Nun, Rollstuhlfahrer sind im Internet eher im Vorteil. Es geht also um einen anderen Personenkreis, eigentlich nur um eine Gruppe Menschen; die die schlecht sehen können. Blinde nutzen wenn überhaupt spezielle Maschinen, die ihnen das Gebotene in Blindenschrift übersetzen. Das Gehörlose nicht lesen können, wie bei Wikipedia behauptet, halte ich auch für ein Märchen. Es ist aber auch richtig, daß Behinderte das Internet oft nutzen, nur sind diese Leute meisten in ihrer Bewegung eingeschränkt, bei einer solche Behinderung wenn sie nicht allzu extrem ist, ist das Internet eine vorzügliche Möglichkeit sich aktiv zu beschäftigen und am Leben zu beteiligen.

Nun gibt es aber Seiten, die diesen für schlechte Augen unauffindbaren Knopf zum Vergrössern in der rechten oberen Ecke zwischen, oder über zwei Frames, für eine tolle Idee halten, und das als barrierefrei verkaufen. Und dann verlinken diese barrierefreien Seiten wiederum auf Seiten, zum Hören oder Sehen von Inhalten auf denen gar nichts skalierbar ist. Das ist mal wieder echter Internet Unfug, der einfach nur Bedarf für sinnfreie Programmierung schaffen soll. Womit aber diese Kurzdenker sich ins eigene Fleisch schneiden, denn weniger individuelle, einengende Konzepte, verkleinern letztlich den Markt, auch wenn sie ihn kurzfristig, als Zwang verkauft, vergrössern.

Es gibt aber eine wirklich tolle Möglichkeit das Internet zu vergrössern, und das ist die Einzige die für Leute die schlecht sehen wirklich gut funktioniert: Ein richtig grosser Breitwand Bildschirm.

Alles andere ist Unfug, besonders, die "barrierefreie" Vergrößerungsmöglichkeit auf den Seiten selbst, denn es gibt immer eine Vergrößerungsmöglichkeit im Betriebsystem und noch eine im Browser, eine Dritte ist einfach nur noch absurd. Mobiltelefone in anständiger Koffergrösse wären da eine bessere Idee, die wirklich vielen älteren Menschen helfen würde. Die barrierefreien Seiten auf den Mobiltelefon Bildschirmen sind dann aber auch wieder ein Problem.

Volatilität

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 4:04 pm

Fachbegriffe von entschiedener Sinnlosigkeit, ärgern mich ja immer wieder. Insbesondere solche die die vorgeben etwas besonders klar auszudrücken und eigentlich das Gegenteil bezwecken. Man nutzt solche Worte um auszuschliessen, auszugrenzen, Aussagen zu verdecken, oder etwas wichtiger erscheinen zu lassen als es ist. Und es herrscht oft bis in die tiefsten Tiefen der Fachkommune, völlige Uneinigkeit darüber was damit gemeint ist. Hier das Beispiel "Volatilität". Volatiltät ist ein völlig sinnloser Begriff, und wird immer benutzt wenn etwas schwankt oder jemand noch schwankend ist. Es stimmt nicht, daß es wie in Wirtschaftslexika, behauptet bei einem Schwankungsmaß benutzt wird. Es wird immer benutzt wenn irgendetwas unsicher, wechselhaft oder schwankend erscheint. Und es wird immer benutzt als Platzhalter für: "Äh, keine Ahnung, das schwankt noch". Klingt aber besser. Denn man sagt in der Wirtschaft besser nicht, daß etwas noch sehr unsicher ist (Wirtschaftsleute sind nie unsicher, besonders nicht bei den Prognosen).

Hier ein Beispiel für die Benutzung im Geschäftsbericht der deutschen Bank:

Es wird erwartet, dass durch diese Strategie die Volatilität der Erträge aus den Planvermögen auf ein Mindestmaß verringert werden kann und die Ertragsschwankungen bei den Vermögen die Schwankungen bei den Verpflichtungen kompensieren werden.

Man kann das Wort Volatilität in diesem Satz einfach durch Schwankung ersetzen. Im DB eigenen Lexikon ist von dieser Art von Nutzung für Volatilität (Schwankung) im Sinne von einfach "schwankend" natürlich keine Rede. Die Definition dort widerspricht sogar der Nutzung des Wortes in den eigenen Publikationen.

Allen anderen Behauptungen zum Trotz haben wir es hier mal wieder mit einem einfachen und übersetzungsfaulem Anglizismus zu tun, einer Übernahme des englischen Volatile