Die Botschaft von Antikythera
Der Mechanismus von Antikythera, schreibt gerade wie versprochen die Geschichte der Mechanik um. Da die Menschen immer gerne Beispiele aus ihrer Umgebung bemühen, wird nun oft auf einen antiken Computer verwiesen. Was aber bei dieser Mechanik eindeutig falsch ist: Mit einem Computer hat diese Zahnrad Mechanik nichts zu tun – keine, Einsen und Nullen, keine Register, keine Programmierbarkeit. Sie ist aber ein beindruckendes Beispiel antiker Zivilisation.
Wie weit die alten Griechen und Römer mit ihrer Technologie schon waren, wird erst in jüngster Zeit wirklich klar. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Mechaniken des Heron von Alexandria. Die Römer und Griechen sind da auch Opfer von tausend Jahren schlechter Presse und Bücherverbrennung, durch ihre Nachfolger, Christentum und Islam. Wobei vieles Heidnische (wie die Anbetungsstätten des Kaisers als Kirchen, und der Mutter mit Kind Kult) einfach in die römisch katholische Kirche übernommen worden ist; anders ist auch der schnelle Wechsel zum Christentum nicht zu erklären. Vom Jahre Null bis 300 war schon das gesamte römische Reich christlich. Was nur funktionieren konnte, weil für den kleinen antiken Mann von der Strasse zuerst überhaupt kein Unterschied erkennbar war, es wurde das gemacht, was schon immer gemacht wurde, nur die Etikettierungen wurden langsam, über die Zeit, ausgetauscht. Kaiserkult mit Göttern und christliches Papsttum mit Heiligen, haben bis heute noch zum verwechseln ähnliche Bestandteile.
Im Unterschied dazu, ist das evangelische Christentum ein noch tiefergehender Rückgriff auf die zugrunde liegende Figur Jesus und die damit verbundenen Texte. Und damit eigentlich orthodoxer und konservativer, als die Systeme die man eigentlich als konservativ empfindet. Es wird eine noch ältere mystische Tradition angezapft, die noch stärker okkult gnostische Verbindungen aufweist. Das vermischt sich dann wieder besser, mit den grassierenden Vorstellungen, neognostischen, und kabbalistischen Zaubertraditionen, wie sie auch in den USA heutzutage wieder moderner werden, und für die auch das Judentum immer anfällig ist, wie man schon an der Person des Juden Jesus sieht.
Eine Tradition, die aber auch in Deutschland in den steinerschen Waldorfschulen immer noch eine feste vom Okkultismus inspirierte Tradition hat, die gesellschaftlich voll annerkannt ist. Das vermischt sich dann auch wieder hin zur Esoterik. Man kann in jeden Buchladen gehen und sehen wie gering das rationale Interesse ist, die Abteilung für wissenschaftliche Literatur ist eine kleine Ecke, im Vergleich zu dem was an Esoterik angeboten wird. Und selbst in dieser kleinen Ecke, sind die erfolgreichsten Wissenschaftsbücher noch die, mit schwerer Schlagseite hin zur Esoterik. Und wenn man sich mit Diskussionen innerhalb der Wissenschaft etwas genauer auseinandersetzt, stösst man in allen Gebieten der Theorie dann wieder nur auf uralte religiöse Vorstellungen, wie das merkwürdige superdimensionale Sphärensystem der String- und M-Theorie. Was mich zu dem Schluss führt, daß Rationalismus immer noch eine Minderheitenveranstaltung ist, besonders wenn man es weltweit betrachtet. Die wirklichen Rationalisten sind eine völlig unbedeutende Gruppe – auch bei Nietzsche und Marx, arbeiten im Subtext die religiösen Metaphern.
An dem Beispiel des Mechanismus von Antikythera wird aber auch mal wieder deutlich, daß Fortschritt und Zivilisation weder Einbahnstrasse noch Selbstläufer sind. Es gibt ja moderne Historiker die behaupten, daß immer alles besser wird, und daß die Geschichte dies beweisen würde. Eine von den technologischen Erfolgen des 19ten und 20sten Jahrhunderts beflügelte Idee, die aber sicher auch schon 2000 Jahre alt ist, und unter den Fortschrittsgläubigen der Antike genauso verbreitet war. Auch die Antike hat einen tausendjährigen Rückschritt nicht erwartet. Immer währender Fortschritt ist vom Gipfel des 21 Jahrhunderts leicht gesagt, und auf wirklich lange Sicht mag es auch stimmen, aber man kann gerade an der Zerstörung der antiken Hochkultur erkennen, das die Zivilisation auch mal 1000 Jahre Pause machen kann, und auch ein Rückschritt bis zur fast vollständigen Verschüttung alter Technologie und Zivilisation möglich ist. Zivilisation ist etwas was immer neu verteidigt werden muss.
Interessant ist dabei auch wie die jüdisch-christliche, Tradition die das antik hellinistische Wissen für fast 2000 Jahre zerstört und verhindert hat, trotzdem bis heute, immer noch den Diskurs bis hin zur Wissenschaft bestimmt.
