November 21, 2006

Kampf dem Kabel

Filed under: Zeitgeist, Wissen - luclog @ 5:53 pm

Es wird zurzeit an der Stromversorgung von Geräten ohne Kabel entwickelt. Sehr interessant, es gibt an der ganzen elektronischen Erweiterung des modernen Lebens, wirklich nichts ärgerlicheres als den ständig verwirrten und verdreckenden Kabelsalat – da können die Endgeräte noch so schön designed sein.

Meldung Golem und Hier und Hier.

Und hier noch ein Vorläufer, der Energietransmitter von Nicola Tesla, Patent von 1914. 

Der Schwanz wedelt mit dem Hund

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 4:36 pm

Eines der grössten Probleme unserer Zeit sehe ich in der ewigen dialektischen Vertauschung von Ursache und Wirkung. Obwohl völlig klar ist, daß für fast alle Vorkommnisse mehrere bis viele Ursachen zusammenkommen müssen, wird immer gerne auf eine Ursache reduziert. Beim Amoklauf von Emsdetten, sind es mal wieder die Computerspiele. Dieses monokausale Prinzip von Ursache und Wirkung, ist aber eigentlich noch verständlich, denn es gibt ja oft herausragende Ursachen, und in jedem Fall auch Ursachen, die man in der Diskussion vernachlässigen kann. Nur meine ich zu beobachten, daß mittlerweile das Prinzip des logischen Schliessens völlig verunstaltet wird. Das jede rhetorisch durchspielbare Figur auch als Gleichwertig behandelt wird.

Einfach gesagt, an der Forderung: "Eure Rede sei, ja ja, nein nein", ist etwas dran. Wohin das andere führt, wenn es völlig hemmungslos gebraucht wird, kann man an den Diskursen unserer Zeit sehr gut sehen. Ein schönes Beispiel, ist die Täter-Opfer-Umkehr aus ideologischem Zwang. Menschen, die andere Menschen wegen der Religion köpfen sind Opfer, und Menschen die Soldaten schicken um andere von einem Tyrannen zu befreien sind Täter. Oder wie "Die Welt" gerade wieder schreibt, und die Uni Heidelberg erforscht haben will: "Eine neue Studie zeigt: Nicht religiöser Fanatismus, sondern Armut, Misswirtschaft und Unterdrückung sind die zentrale Ursachen von Terror." Das Motiv, der Verdrehung der Kausalität, zieht sich dann aber auch durch bis zur kleinsten persönlichen Differenz. Jeder nutzt es und und wenn er ansonsten noch so ungebildet ist. Zuvor war es rein rhetorisch, heute hält man es für wahrer als jeden sichtbaren ursächlichen Zusammenhang. Jeder ist Opfer, und sei es der Umstände. Der Schwanz wedelt mit dem Hund.

Das Prinzip ist letztlich Ursache für weitverbreitete Verantwortungslosigkeit, weil eben keiner mehr eigene Schuld akzeptieren kann. Bei der Wirtschaftselite ist kein Manager, ob er nun Breuer oder Esser heisst, an irgendetwas ursächlich Schuld. Bei der Politik ist es genauso, da kann man alle Fragen: von Kohl, bis Schmidt, bis Merkel. Auch bei den Medien steht dieses Prinzip ganz oben, das sind ja nur unbeteiligte Beobachter. Und auf der untersten privaten Ebene, gehört die Abweisung von Schuld, auch zum selbstverständlichem Repertoire der Reflexe.

Selbst mit dem Messer oder dem Knüppel in der Hand, heißt es als Erstes, "der hat mich schief angekuckt". Auch hier ist die Lösung der Schuldannahme und Reflektion, die über christliche Religion ausgebildet wurde, ein fast verschüttetes Kulturgut. Natürlich ist in eine  Welt, in der Niemand an etwas Schuld ist völlig unmöglich und führt nur zu allgemeiner Verantwortungslosigkeit. Und das ist es was man auch beobachten kann, jeder nutzt die weitverbreitete Schuldumkehr um jeden noch so grossen Blödsinn zu verteidigen.

Da werden dann selbst Hitler und Stalin zu Getriebenen – Figuren wie Saddam sowieso. Die RAF war ein Aufstand gegen das Schweinesystem, und jedes Jahr in Berlin Autos anzünden ist eine antikapitalistische revolutionäre Tat. Selbst Kindesmörder sind Opfer der Gesellschaft und der Umstände. Der Auslöser für die Tat wird immer weiter in den Kausalitätsebenen nach unten gereicht, bis ein Schmetterlingsschlag neben einem Tiefdruckgebiet, für einen Raubmord in Berlin verantwortlich ist.

Freud Action FigurHierfür ist aber auch eine völlig überschätzte Gruppe in der Gesellschaft mit ihren dialektischen Purzelbäumen verantwortlich: Die Psychologie. Die Psychologie bietet  das dialektische Grundgerüst, für jede Form von verdrehter Einschätzung individuellen Tuns. Hier hat eine Gruppe rein über rhetorische Mittel eine Interpretationsmacht im sozialen Diskurs erobert, die völlig ohne Grundlage ist. Bei dem jetzigen Überfall des Ex-Schülers auf die Realschule in Emsdetten, ist auch mal wieder das erste was passiert ambulante Versorgung aller Beteiligten durch Schnellpsychologen. Wenn man in der Geschichte zurück blickt, ist es mehr als merkwürdig, daß die Menschheit allerlei Unbill ohne psychologische Betreuung bewältigen konnte. Beim dreissigjährigen Krieg, hätte es auch gleichzeitig ein riesiges Heer von Psychologen gebraucht, das Europa durchstreift. Auch die Nachversorgung, nach dem (stark traumatisierenden) ersten und zweitem Weltkrieg war mehr als nachlässig. Daraus könnte man schliessen, daß man für kleinere aufregende Erlebnisse, erst recht keine ambulante psychologische Betreuung braucht, weil Menschen, allgemein stabiler sind als durch die Psychologie angenommen. Auch Freud der Vater der ganzen Geschichte, hatte in der Therapie keinerlei Erfolge, einer seiner grössten Erfolge hat sich später umgebracht. Die Lösungen der heutigen Psychologie sind besser abgestimmte Medikamente, Beruhigung, oder wegschliessen. Wenn auffälliges Verhalten Erfolg hat, ist es eine charmanter Wesenszug, wenn es keinen Erfolg hat ist es krank.

Zur Studie der UNI Heidelberg, siehe auch PI.

Bei der Bildsuche ist mir auch noch ein Grund für Titelschutzstreitigkeiten aufgefallen. 

Psychogramm der Tragik

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 2:56 am

Hier ein Link zum Gästebuch des Amokläufers von Emsdetten.

Hier der Abschiedsbrief

Artensterben

Filed under: Wissen - luclog @ 1:53 am

Mit dem Artensterben ist das auch so eine Sache. Ich vermute Artensterben ist oftmals ein Problem des Vertauschens von Zuordungskriterien in Karteikästen. Zum Glück werden aber auch heute noch Arten geboren. Damit ist jetzt aber nicht eine neue Sorte von Zettelkastensortierung gemeint, sondern auf einen Schlag drei neue Affensorten in Madagaskar. Daran, daß dies jetzt aber nun wirklich neue Arten sind, kann man eigentlich auch nicht erkennen, was Arten im biologischen Jargon so bedeutet. Erst im Vergleich zu Hunderassen und bezogen auf Schmetterlingsarten (Hier die Bedrohungslage)und allerlei Gewürm, wissen wir dann wie die Panikzahlen über das Artensterben so zustandekommen. Der Zettelkasten höchstselbst gehört aber, falls aus Holz, auch zu einer austerbenden Art.