Totenschädelskandal
Wir leben in einer völlig weltfremden Medienwirklichkeit und diese ist das Abbild einer realitätsfernen Gesellschaft. Alles ist nur noch abstrakt, im fernen Land der träumenden TV-Welt-Paparazis. Der "Totenschädelskandal" ist mal wieder ein absolute klares Zeichen dafür. Es ist wie bei dem bekannten Vietnam Zitat: "Wir bilden Männer aus um zu töten, aber wir verbieten ihnen das Wort FUCK auf ihre Flugzeuge zu schreiben, weil das obszön ist!"
Ich habe eine erschütternde Neuigkeit für die deutschen Medien: Krieg ist kein Teetrinken unter Krawattenträgern . Und unter den Bedingungen wie sich die hiesigen Medien scheinbar den Gentlemen-Krieg vorstellen, können wir Armee und auch Polizei gleich abschaffen. Man kann ja auch eigentlich immer alles bei einer netten Tasse Tee besprechen.
Auch durchforstet mal die Schränke von Ärzten nach Totenschädeln, und fandet nach den erschütternden Berichten der Partys von Medizinstudenten, da werden Sachen rauskommen … unglaubliche Enthüllungen … die Fotos sind sicher auch Bildzeitungstauglich. Alles Perverse, und diese Perversen gehen dann eventuell auf humanitäre Auslandsmissionen.
Schlimm, sind auch die psychologisierenden Stimmen von allerlei herbei eilenden Experten, dabei weiß doch jeder, daß jedes Verhalten für einen solchen Experten pathologisch ist, selbst wenn man überhaupt nichts tut wäre es kriegsbedingte Apathie. Erinnert sich eigentlich noch irgendwer an diesen zweiten Weltkrieg? Und wenn, dann sollte man doch mal aufarbeiten, welche unglaublich Unschicklichkeiten damals im Schützengraben passiert sind. Da wurde nicht nur geschossen, die haben sich auch massiv daneben benommen. Hätten die schon Fotohandys gehabt, uiuiui.
Weiteres bei Zettels Raum und Gegenstimme.

… und die Politik stürzen sich mit Feuereifer auf diesen drei Jahre alten Nebenkriegsschauplatz. Das lenkt so schön ab von den jetzigen Problemen.
Comment by Light — October 26, 2006 @ 9:10 pm
Ich weiß nicht. Ich habe eher das Gefühl, daß die Politik wie immer mit der geforderten Betroffenheit reagiert. Während die Presse im Skandal schwelgend, das treibt und forciert und dabei völlig ziellos einfachste Plattitüden bedient, damit die Leserschaft Futter bekommt.
Ansonsten ist es wie bei all diesen Betroffenheitsskandalen jüngeren Datums, man bemerkt ein völlige Verschiebung der Realität hin zu einen irrealem Idealismus. Ich tendiere immer mehr zu der Auffassung, daß im heutigen Deutschland romanhafte Fiktion mit der Realität verwechselt wird, und das bei allen Schichten. Medienwirklichkeit und Medienaufregung sind längst wichtiger als Fakten und Vernunft.
Comment by luclog — October 26, 2006 @ 10:19 pm
Zum zweiten Absatz Deines Kommentars:
Sehe ich auch so.
Comment by Light — October 27, 2006 @ 7:41 pm