Äquidistant
Mir ist eine neue Sprachsitte aufgefallen der ich eigentlich ziemlich äquidistant (Zum Einüben) gegenüberstehe. Neutralität wird immer öfter durch Äquidistanz ersetzt. Das ist zum einen sicher eine faule Entlehnung aus dem englischem "equidistant" , aber zur Verbreitung eines in Wortes das sich so hässlich gegen jede glückliche Verwendung streubt (Man schaue sich nur die Buchstabenkombination am Anfang an: "Äqui", das kauft keiner, ausser in der Milchabteilung) muss noch etwas anderes hinzukommen. Ich vermute, da steckt ein irgendwie studienwichtiger Autor soziologischer Schriften dahinter, ein Fachmann des verschachtelten Grauens, wie etwa Luhmann.
Der Begriff wird bei anderen Fakultäten aber auch für "gleichmässig" und "gleich verteilt" verwendet. Aber auch Soziologen benutzen ihn wie ich nach kurzer Recherche erfahren musste im Sinne von "gleich gross" oder auch für "gleichbleibend". Das ist das Schöne an solchen Begriffen, nach kurzer Einführungsphase, mäandert die Bedeutung ins völlig unverständliche. Und das noch Schönere daran ist, daß mittlerweile Äquidistanz völlig äquivalent zu Äquidstanz ist, oder besser gesagt; Äquivalent ist völlig äquidistant zu Äquivalent, und das ist als solches völlig äquivalent/äquidistant zu Hiphopper Grüssen in dunklen Strassenecken, wenn man mal Soziologen soziologisch äquidistant zu Hiphoppern betrachtet. Mode ist schön.
PS: Die Popularität eines solchen Begriffes der augenscheinlich mit "Gleichheit" wie auch "Verwechseln" zusammenhängt, verweist aber sicher schlussendlich auch auf Ideologie und idealistische Gleichheitsvorstellungen die uns vermehrt in allen Diskussionen begegnen. Heterogen ist out: Ungleichheit 1, Ungleicheit 2.
