Die elektronische Revolution lässt nichts aus. Und das ist auch richtig so. Dachten doch zuerst alle Geistesarbeiter, sie wären von der Automatisierung nicht betroffen, es würden nur einfache Arbeiten wie das Fensterputzen automatisiert werden. Über den Umweg der Kopie werden aber auch immer mehr eigentlich hochstehende individuelle Arbeiten in den Bereich der Automatisation verschoben. Waren es auch erst nur Vereinfachungen die auch den Medienarbeiter erfreuten: Man konnte kopieren, Zitate einfacher auffinden und abspeichern, etc., und dadurch selbst ein Vielfaches von dem produzieren was vorher möglich war. Und dabei war man dann auch nicht mehr auf ein Team von Lektoren und Setzern angewiesen.
Da aber das genuin Eigene, bei den meisten dieser Arbeiten, eigentlich nur den geringsten Anteil ausmacht und der eigentliche Inhalt, das Individuelle, die Meinung, viel weniger gefragt ist als gemeinhin gedacht, wird es immer überflüssiger. Die Idee ist nicht das was zählt, sie ist auch immer nur die Variation von Altbekanntem. Die Idee ist ein Massenphänomen, eine Bewegung innerhalb der vorgegebenen Variationsbreite des längst narrativ innerhalb des Ideenpools Vorgegebenen. Die flotte Schreibe bekommt mehr und mehr die Bedeutung von Ausdruckstanz.
Eigentlich ist es so, jeder der lesenden Kunden erfeut sich schon lange einer eigenen Meinung. Wer hat schon keine und wer hat schon nicht die Beste aller? Obwohl es auch dort eine immer bestehende Freude an der Wiederholung und Paraphrasierung gibt, an kleinen Detailverschiebungen, ein Abnicken der Egozentrik, wird auch diese letztlich durch die Masse erdrückt, die Masse der Namen, und die Masse der Meinungen die mit den Namen zu verbinden sind. Ein paar Querverbindungen und Assoziationen sind zwar schick, müssen aber nicht.
Da aber der Bordieusche Effekt der Distinktion in allen Bereichen eigentlich nur über Klassik hergestellt werden kann, ist hier der eigentliche Punkt des Interesses. Die wichtigen Neuigkeiten kommen über Newsticker. Der Rest ist Kampf um Deutungshoheit ein Kampf um die Masse, die Mehrheit, die zusehends desinteressiert ist, angesichts der Probleme die das Leben selbst schon zur Genüge bereit stellt und eher für einfachste Parolen immer anfälliger wird. Wenn die Klassiker aber mehr und mehr frei zu beziehen sind, reicht das aber schon für mehrere ausgefüllte Leben an Lesezeit.
Und nun kann sich jeder über einfachste Möglichkeiten, wie Blogs, auch noch frech selbstverlegen. Da kommt noch ein grosser Batzen an Lese und Ideenstoff hinzu. Und: Das ist alles immer noch erst in den Anfängen.
Da passt dann die Meldung bei Heise, daß nun Bücher "subversiv" kostenlos am Urheberecht vorbei bereitgestellt werden. Auch die Schreiberzunft längst durch den grossen Erfolg und die Verkaufszahlen belanglosester Popkulturderivate wie Dan Brown oder Stephen King verschreckt, wird sich mit einer Position weit unter der Wichtigkeit ererbten Geldes abfinden müssen. Bildende Kunst, Musik und Theater sind sowieso nur noch wandelnde Leichen, und sich ihrer subventionierten Nichtbedeutung nur noch nicht bewusst.