Merkel Podcast
Also wirklich. Es ist ja erstaunlich, daß so jemand wie Angela Merkel mit einem hochdotiertem Mitarbeiterstab etwas technisch so ausgeklügeltes wie ein Internetvideo – voll modern auch Podcast genannt - zustande bringt. Und das in Deutschland dem Land der Dichter und Denker, wo Technikfeindlichkeit zum guten Ton gehört. Aber schaut doch mal auf den Inhalt, das ist Langeweile, schlecht dargebracht. Ausserordentlich schlecht und emotionslos gesprochen. Wer würde diese Sprecherin einstellen? Da kommen nur solche Institutionen wie der Bundestag in Frage, wo schlechte Sprecher mittlerweile standard sind. Hierzulande scheint man sich ja zu freuen wenn ein Physiker schonmal einen Computer gesehen hat. Siehe auch Euroneuzeit.

“wo Technikfeindlichkeit zum guten Ton gehört”. Na das würde ich nicht so pauschalisieren. Die Technikfeindlichkeit, mehr noch Naturwissenschaftsfeindlichkeit hat in gewissen linken Kreisen eine Heimat, Fortschrittsskepsis hat einen gewissen Mainstream-Charakter bekommen, wenn es z.B. um Genmanipulation und Kernkraft geht, aber auch um Aspekte der Automatisierung, die Du hier schon mal als undurchdachtes Problem beschrieben hast.
Richtige Technikfeindlichkeit ist Sektierern vorbehalten. Und was den Staat angeht: Der kann auch mit Hilfe von Technik überwachen, nicht nur Google. Ressentiments gegen den Fortschritt sind längst letzte, nicht zu haltende Stellungen, die einfach niedergewalzt werden.
Viele Menschen wünschten sich mehr Mitspracherecht und fühlen sich bereits überrollt. Das erklärt Sympathien für Fortschrittsskeptiker, aber letztlich will kaum einer auf technische Spielereien und Weiterentwicklungen, gerade auch im Entertainmentbereich verzichten.
Comment by euroneuzeit — June 9, 2006 @ 3:36 pm
Nun meine Erfahrungen sind da anders besonders bei dem Personenkreis den man gemeinhin Entscheider nennt. Die sind oft schon mit Email und Word überfordert. Obwohl da jüngere nachwachsen die sich schon etwas besser auskennen. Aber wirklich auskennen tun die sich meistens nicht. Ausser sie kommen aus der Branche. Obwohl, selbst da kann man manchmal was erleben.
Comment by luclog — June 9, 2006 @ 3:51 pm
Da spielen aber noch mehr Dinge mit hinein, anderes als ideologische Ablehnung. Es werden in Deutschland ja nicht ausschließlich Spitzenleute ausgebildet. Und früher glaubten doch die Beschäftigten, 40 Jahre ihren einmal gelernten Beruf womöglich noch ohne Weiterbildung durchziehen zu können. Auch diese Zeiten sind vorbei, brutal von der Wirklichkeit überrollt.
Comment by euroneuzeit — June 9, 2006 @ 10:23 pm
Also ich empfinde es so, daß die Ablehnung von Technik bei viel zu vielen noch eine beliebte Attitüde ist. Und das zieht sich durch bis in die höchsten Etagen. Ideologie würde ich das auch nicht direkt nennen, obwohl auch Ideologen sich dieser Technikfeindlichkeit und Technikangst bedienen, in Entscheider Kreisen ist das eher: Tradition verbunden mit Snobismus. Und bei den eher Linksorientierten welche die politisch die Masse stellen ist es einfach die Hauptkultur: Aber du triffst dann auch auf alle möglichen Dampfplauderer die mit ihrem Technikunverstand kokettieren, z.B. Harald Schmidt. Das kommt immer noch gut an, und ich halte das für die Masse, im Internet wo sich eher technikfreudige Menschen rumtreiben, merkt man das nicht so. Die Masse ist noch ganz woanders.
Comment by luclog — June 10, 2006 @ 12:21 am