A, B oder C
Ich habe eine neue grassierende Seuche ausgemacht und zwar Fragebogenspiele auf Zeitungswebseiten. Meist Wissensfragen. Jetzt zur Weltmeisterschaft: "Kennen sie Fussballzitate?".
Frage Nr.1: Der Ball ist rund (tätä) – wer hat’s gesagt?
a) Sepp Maier
b) Sepp Herberger,
c) September?
Man löst solcherart Fragen wohl am leichtesten, wenn man in einem anderen Fenster Wikipedia offen hat. Obwohl vieles ist so banal, das man es nichtmal dort abfragen kann. Herzustellen sind solche Abfragespielchen leicht, und es fördert die Rumklickerei. Und damit die vorgebliche Attraktivität einer Seite für Werbung, wie man sie über Klickzahlen den Werbekunden aufs Brot schmiert. Man darf aber nie erwähnen, daß es für Browser wie Firefox ganz einfach zu installierende Erweiterungen (Adblock) gibt, die jeglichen Werbeserver davon abhält überhaupt irgendwelche Werbung im Browser darzustellen (Was besonders bei Flash im Hintergrund sehr postiv für die Prozessorleistung ist).
Manchmal führen diese Ankreuzspielchen auch anschliessend auf eine Auswertung, die dann bezahlt werden muss (Ich hatte mal spasseshalber einen Stern Psychotest ausprobiert und bin dann auf ein solch enttäuschendes Ende gestossen).
Bei der Zielgruppe bin ich aber nicht sicher. Jedenfalls scheint es zu funktionieren. Es ist ja auch, in guter alter Schule, irgendwie interaktiv (toll) und bezieht den Leser mit ein (supertoll). In vielen deutschen Büros werden solche Dinge in der Zeit zwischen zwei Kundentelefonaten wohl noch mit Begeisterung gespielt – "Wenn das der Chef wüsste". Am meisten verdächtige ich aber Bürotürme von Finanzverwaltungen, dort wird Ablenkung gebraucht.
Irgendwie fehlt mir aber der Premiumcontent Kreuzworträtsel, der ist leider nur in den Gedrucktausgaben (Print) enthalten. Zum Glück, denn ansonsten wären überall die Bildschirme mit Kugelschreibertinte verschmiert.

Die Telefonumfragen zu aktuellen Themen - bei n-tv immer zu einem Tagesthema - finde ich auch ziemlich beknackt. Gut, die Sender verdienen ja auch damit, üblicherweise 0,49€ pro Anruf, und wer sich so wichtig nimmt, dass er unbedingt mitgezählt werden will… Dem Zuschauer wird jedoch ständig irgendwo suggeriert, wie die Meinung des Volkes aussehe. Also auch derjenigen, die nicht anrufen… Beispiel: 80% sprechen sich laut n-tv-Umfrage (Zwischenstand) dafür aus, dass Entführungsopfer (wie gerade erst die im Irak entführten deutschen Ingenieure) die Kosten ihrer Befreiung mit übernehmen… Also für eine Befreiungsaktion, das eingesetzte Personal, v.a. aber auch ausgezahltes Lösegeld, das es ja offiziell nicht gibt
… 20% der Anrufer waren dagegen. Und was haben wir jetzt davon? Jeder aus der Gruppe der 80% würde schnell seine Meinung ändern, wäre er Entführungsopfer… Und meistens hat ein Opfer sowieso keine Mio., mit denen es die Staatskasse auffüllen könnte. Auf die paar tausend Euro, die “normale Bürger” übrig haben, kommt es dann wohl auch nicht mehr an. Aber Hauptsache es gab Anrufe.
Comment by euroneuzeit — May 7, 2006 @ 7:38 pm
Das erinnert mich an diese Kolumne die ich letztens gelesen habe. Und beim Lesen derer ich mich daran erinnerte, daß dies auch schonmal bei mir probiert wurde. Ich war aber unter Zeitdruck und der Auffassung, daß die, wenn die etwas von mir haben wollen, das auch bezahlen müssen.
Comment by luclog — May 7, 2006 @ 7:48 pm
man muss nicht lange googeln, um kreuzworträtsel zu finden. beispiel: http://www.mz-web.de/extern/gewinnspiel/index.php?id=172
Comment by aber hallo — May 7, 2006 @ 9:17 pm
Das sind doch Nischen. Und um sowas zu finden muss man lange googeln. Ausserdem hat es eben den Fehler, das man die Buchstaben einfach raten kann, ein richtiger Buchstabe wird grau: Man geht also einfach die Tastatur durch. Die Filzstiftmethode ist da besser. Auch bekommt die Seite dadurch keine Klicks. Also auch aus werblicher Sicht eine völlige Fehlentwicklung.
Comment by luclog — May 7, 2006 @ 9:26 pm