May 5, 2006

Privatkopie abschaffen

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 5:05 pm

Die Musikindustrie wird auch immer erfolgreicher. Nun soll die Privatkopie gleich ganz abgeschafft werden. Das passt doch ins Muster, ganze Industrien gehen durch moderne Fertigungstechnik zugrunde, nur die Musik- und Filmindustrie, soll am besten in ein selbstgeschaffenes, durch Geld und Anwälte verteidigtes, Biotop versetzt werden in dem solche Regeln nicht gelten. Wieso eigentlich überhaupt noch Eigentum? Das ganze Leben ist eine Leihgabe vom Staat.

Auch andere Medien werden aber von digitaler Technik mit der Zeit stärker betroffen werden, auch Bücher und Zeitungen, die sich momentan noch ganz gut halten. Aber das Bloggen und die kleinen Homemade Filmchen klauen Aufmerksamkeit die dringend für kommerzielle Produkte gebraucht wird. Das beginnt zwar erst, aber es bewegt sich absehbar weg von den klassischen Medien. Doch auch dort wird dann der Schrei nach gesetzlichen Schutzmassnahmen, gegen moderne Technik lauter und lauter werden. Nur lässt sich der Fortschritt nicht durch Gesetze aufhalten nur bremsen – und es ist natürlich die Frage, ob gebremster Fortschritt gut ist. Gebremster Fortschritt schützt aber natürlich die Exgewinner. Und darum geht es eigentlich: Es soll ein Status Quo zementiert werden, solange es geht.

Es ist auch bemerkenswert, daß sich niemand wirklich mit den sozialen Folgen von Automatisierung und moderner Technik auseinandersetzt. Auch hier werden nur immer die Antworten aus alten Büchern die zur Zeit von Karl Marx populär waren aufgewärmt.

Wir leben in einer eigentlich völlig rückwärts gewandten Zeit, die sich trotzdem frech "Moderne" nennt. Seit hundert Jahren gibt es da weder Kultur noch Bewegung, überall der gleiche Rückgriff auf Klassik, in der Physik oder der Musik, in der Politik oder der Kunst – Rückgriffe auf das 19te Jahrhundert, wie beispielsweise die Spaltung in Linke und Rechte – im Rückgriff auf 1830. In der Musik wird der eigentlichen epochalen Musik der letzten hundert Jahre weltweit immer noch der Status von ernsthafter Kultur verweigert. Malerei und Bildhauerkunst haben gemeinsam mit der Architektur den Freitod in der Abstraktion gesucht und gefunden. Die Musik ist davon als einziges unberührt geblieben, weil der Konsum wohl doch zu direkt ist. Literatur lebt aber auch nur noch in der verpönten Form der lesbaren Geschichte weiter und wird da genauso wie ein unterhaltsames Theaterstück als vormodern und kleinbürgerlich nicht der Kultur zugeordnet.

2 Comments »

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  1. “… den Freitod in der Abstraktion gesucht und gefunden.”
    So sehr mir Deine Art zu formulieren auch gefällt, dies ist mal wieder so eine Verallgemeinerung, der ich ich nicht recht zustimmen kann. Abstraktion ist Kunst - nur wird Abstraktion allzu oft mit völliger Sinnentleerung verwechselt. Die ist dann allerdings wirklich der Freitod von Architektur und Kunst.

    Comment by Light — May 5, 2006 @ 8:48 pm

  2. Völlig sinnfreie Abstraktion ist natürlich keine Kunst. Andersrum gefragt: Was macht die Qualität einer Abstraktion aus? Ich spreche mich überhaupt nicht gegen Abstraktion aus. Ich spreche mich gegen die niedrige Qualität dieser Abstraktion aus, und gegen die mangelhafte Kommunikationsfähigkeit dieser Werke, gegen die Sprachlosigkeit aus Ideologie.

    Es gibt sicher nicht weniger Genie, seit dem 1900 Jahrhundert, da sich die Menschen in Massen vermehrt haben und die Möglichkeiten, die Informationslage und Bildungsituation für die meisten, einfach besser geworden sind.

    Was macht es also Möglich, daß sich eine solche Belanglosigkeit in der Kultur breit macht. Es sind andere Faktoren dafür ausschlaggebend, daß Gegenwartskultur nicht in dem Masse geschätzt wird, wie selbst völlig belangloses Alpenglühen aus vergangener Dichtung.

    Comment by luclog — May 5, 2006 @ 9:17 pm

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