April 27, 2006

Kindheitserinnerungen

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 10:48 am

Reinhard Mohr’s Kindheitserinnerungen möchte man aber auch nicht gerne haben. Der Arme. Und alles nur in einem Zimmer, wie der Titel "Eine Hölle in vier Wänden" es uns suggeriert. Eine äusserst schwache Antwort auf Eva Herman.

War da nicht was - Familie nicht nur als Liebesnest, Notgemeinschaft und Zweckverband, sondern auch als Terrorgemeinschaft, die kleine Hölle in den eigenen vier Wänden?

Die Familie wird nachvollziehbar zur Quelle "psychischer Deformation". Ja, sie ist sogar wie man erfahren darf, der eigentliche Grund für Selbstmordattentate: Die "moderne Pest der Selbstmordattentate" hat ihren "Kern" dann auch in der "autoritären Familie". Die Familie ist ausserdem auch Grund für "Mord und Totschlag" allgemein. Und Familie bedeutet, daß "Frauen auf dem Boden essen müssen".

Familie ist, wie man erfahren darf, in erster Linie der Ort der "provienziellen Enge und Spießigkeit". Als diese dann mehr und mehr aufgelöst wurde, gab es dann wohl folgerichtig auch keine Gewalt mehr im häuslichen Bereich. Sein Zeuge ist unter anderem die Sendung "Ekel Alfred". Dort wurde nun aber auch wirklich eine familiere Situation geschildert, von Gewalt geprägt, wie man es sich schlimmer kaum vorstellen kann.

Und im Gegensatz dazu geht es dann außerhalb der Familie, wie wir alle wissen, so richtig schön antiautoritär zu. 

3 Comments »

The URI to TrackBack this entry is: http://luclog.blogsome.com/2006/04/27/kinheitserinnerungen/trackback/

  1. Mohr erzählt puren Humbug.

    Der größte Unsinn ist dieser: »Ist es nicht der Gipfel der Heuchelei, von jener Institution namens Familie die Lösung unserer Probleme zu erwarten, deren perfektes Funktionieren zur Zeit des Nationalsozialismus eine der verlässlichsten Stützen des menschenverachtenden Regimes war?«

    Der Trick besteht darin, Familie als soziologische Institution zu definieren und sich über das Naturgesetz der Vererbung hinwegzusetzen. Jeder Mensch hat eine Familie, jeder Mensch hat einen (und nur einen) biologischen Vater und eine (und nur eine) biologische Mutter.

    Mohrs irrwitzige Argumentation funktioniert so: Hitler hatte eine Mutter. Ohne Hitlers Mutter wäre die Welt besser. Ergo: Lasst uns alle Mütter ermorden. Oder: Alle Selbstmordattentäter mussten vorher essen. Wir wollen keine Selbstmordattentäter. Ergel: Das Essen wird verboten.

    Comment by Humbugtheoretiker — April 28, 2006 @ 11:13 am

  2. Es gibt eben eine große Tradition der idealistisch inspirierten Scheinwissenschaftlichkeit, gerade auch in Deutschland. Besonders soziologische und psychologische Argumentationen tun sich da hervor. Die meisten haben nie gelernt einen Wortbrei auf den Kern der Aussage hin zu entmanteln. Schlimm finde ich, obwohl ich das Buch eleganter Unsinn von “Sokal” im Bücherschrank habe, daß dies auch immer mehr auf die eigentlich harten Wissenschaften, die Naturwissenschaften ausstrahlt.

    Bei Mohr ist ja noch relativ leicht zu erkennen, daß er nur gesinnungsumwölkte Phrasen aneinander reiht

    Comment by luclog — April 28, 2006 @ 12:51 pm

  3. “gesinnungsumwölkte Phrasen” ist sehr schön… Wir sammeln sowas.

    Comment by Helgoländer Vorbote — May 2, 2006 @ 8:54 pm

RSS feed for comments on this post.

Leave a comment

Line and paragraph breaks automatic, e-mail address never displayed, HTML allowed: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>