Das Urteil im Ehrenmordprozess hat scheinbar richtig Eindruck auf die Täter gemacht. Es geht doch nichts über einen Rechtsstaat der Respekt einflösst.
(Reuters) Die Brüder im Alter von 20 bis 26 Jahren bejubelten das Urteil. Die Freigesprochenen klatschten kurz, der Todesschütze lachte. Die Staatsanwaltschaft legte umgehend Revision gegen alle drei Urteile ein. Sie hatte gegen die beiden Älteren wegen gemeinschaftlichen Mordes lebenslange Freiheitsstrafen verlangt. Gegen Ayhan Sürücü, der sich im Prozess als Alleintäter bezeichnete, hatte die Staatsanwaltschaft auf eine Jugendstrafe von neun Jahren und acht Monaten plädiert.
Die 23-jährige Hatun Sürücü, die sich von ihrem türkischen Ehemann getrennt und gegen den Willen ihrer aus Ostanatolien stammenden Familie ihren kleinen Sohn allein erzogen hatte, war am 07. Februar 2005 an einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof erschossen worden. Ihr Bruder Ayhan gestand, sie mit drei Schüssen in den Kopf getötet getötet zu haben, weil er die Lebensweise seiner Schwester als Verletzung der Familienehre empfand. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen und politische Diskussionen um so genannte Ehrenmorde
Auch Cem Özdemir kommt da nicht mehr mit:
Der Grünen-Europaabgeordnete Cem Özdemir äußerte sich skeptisch, dass das Urteil dem Tathergang gerecht werde. "Wenn man vergleichbare Fälle aus kurdischen Familien in der Türkei kennt, weiß man, dass solche ‘Todesurteile’ gewöhnlich durch den Familienrat gefällt werden", sagte Özdemir im RBB. Der Jüngste werde ausgewählt, weil er die geringste Strafe zu erwarten habe
Das Urteil:
Die Richter befanden den zur Tatzeit 18-jährigen Ayhan Sürücü am Donnerstag des Mordes für schuldig und verurteilten ihn zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten. Er hatte gestanden, im Februar 2005 seine damals 23-jährige Schwester um der Familienehre willen erschossen zu haben. Der Vorsitzende Richter Michael Degreif sprach von einer unfassbaren Dimension: "Die lebenslustige, junge Frau wurde Opfer, weil sie ihr Leben lebte, so wie sie es für richtig hielt - dafür wurde sie erschossen von ihrem Bruder, und das alles mitten unter uns."
Bei Wikipädia die eine sehr umfassende Seite zu dem Fall hat, steht dazu:
Mittlerweile ist Ayhan Sürücü „bei vielen jungen Türken und Kurden längst zum Idol geworden“ , in der Jugendstrafanstalt Kieferngrund habe er eine „herausgehobene Position“ und „Märtyrerposition“.