Bei der Welt gibt es einen lesenswerten Kommentar von Nobert Bolz. Der sich mittlerweile zu ungeahnten Höhen aufschwingt. Nachdem er aus dem Nachtstudio und Sloterdijks Quartett kaum mehr wegzudenken ist, und man eigentlich von ihm ein Versinken in neomediale Hypertext Zusammenhänge erwartete, mischt er sich nun aktiv ins Zeitgeschehen. Und das tut er in einer Art die für jemanden der seine Bücher kennt unerwartet pointiert ist. Da läuft jemand zur Hochform auf und belegt urplötzlich vakante Positionen der kritischen Intellektualität. Bei denen es bislang zwar auch prominente Stimmen gibt, aber keine in dieser akademischen Gewichtsklasse. Bolz erkennt mit der Sicherheit des professionellen Zeitbeobachters eine Lücke die es zu füllen gilt.
Nun geht er auf die religiösen Tendenzen innerhalb der Ökobewegung, in der Tradition von von Maxeiner und Miersch, ein.
(Bolz)Viele Deutsche, die man für Atheisten halten könnte, sind eigentlich Heiden. Sie hängen der Naturreligion des Ökologismus an und genießen den Klang ihrer Beschwörungssilbe "Bio". Die Natur ist gut, nur der Mensch und seine faustische Technik bringen sie aus dem Gleichgewicht. Diese Grundannahmen genügen den real existierenden Grünen, um systematisch technische Komplexität mit Katastrophen zu verwechseln.
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Es gibt mittlerweile einen gigantischen Markt des Alarmismus, auf dem die Grünen ihre Untergangsszenarien verkaufen. Mit der Angst der Menschen kann man Politik machen, aber auch Geschäfte. Man kann Sicherheit verkaufen und mit dem Schrecken faszinieren. Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Massenmedien liefern immer mehr Beiträge zur Kulturindustrie der Angst. Dabei bleibt unklar, ob die Gefahren wachsen oder ob wir einfach nur ängstlicher werden. Wie wir diese Unklarheit auflösen, entscheidet über die Energiepolitik der Zukunft.