Judas Evangelium
Das kürzlich aufgefundene Judasevangelium, enthält einige brisante Unterschiede zur den herkömmlichen Evangelien, darin ist Judas der Einzige der Jesus wirklich versteht und mit ihm zusammen den Kreuzestod vorbereitet. Es ist scheinbar ein neuerlicher Text mit tief gnostischem Inhalt, ähnlich den Apokryphen wie den Texten von Nag Hamadi.
Das Judas Evangelium, (hier Radikalkritik mit älteren Auszügen) ist ein ein Text der nun neu hinzukommt und lange als verschollen galt. Das "Judas-Evangeliums", wurde in den siebziger Jahren in Ägypten gefunden, und war dann im Besitz der Schweizer Maecenas-Stiftung. Die National Geographic Society hat nun erstmals eine Übersetzung des Textes veröffentlicht. Auszüge sind bisher nicht in grösserem Umfang aufzufinden. Ansonsten liest man in der amerikanischen Presse meistenteils die gleichen Inhalte wie hierzulande. Es gilt wohl abzuwarten.
Nachtrag: Hier Networld AT mit ein paar zusätzlichen Details, die Sendung von National Geographic wird auch in Deutschland über Kabel zu sehen sein (Sonntag, 21.10 Uhr)
(Networld)Der niederländische Kirchengeschichtler Hans van Oort (Nimwegen) sagte der Zeitung "Trouw" (Donnerstagausgabe), der Text sei authentisch. Er belege, dass Jesus in Judas seinen besten Gefolgsmann gesehen habe. Auch das in der Bibel gebrauchte griechische Wort für aushändigen oder übergeben werde nur in Verbindung mit Judas immer mit "verraten" übersetzt. "Wenn man das "Judas-Evangelium" liest, versteht man, dass dies nicht mehr aufrecht zu erhalten ist", sagte Oort.

Interessant ist auch, welche Position islamische Geistliche zur christlichen Überlieferung haben. Der Tenor lautet ja, die christliche Überlieferung sei verfälscht. Aber durch wen und warum? Und der Islam sei die “Originalversion”. Fragt sich, ob dazu theologische Belege vorhanden sind oder ob das einfach eine haltlose Legitimierungsstrategie des Islam ist.
Comment by euroneuzeit — April 7, 2006 @ 10:40 am
Eigentlich sind alle Überlieferungen verfälscht. Auch die des Islam. Als die letzte Religonsidee, die auf der jüdischen Jahwe Tradition beruht, ist der Islam dem Ursprung am fernsten. Aber auch das Judentum hat mehrere andere Religionen okkupiert und erst daraus seine Gottesvorstellung entwickelt. Die wirkliche Genese der Religionen ist noch weitgehend verborgen.
Das sieht man ja auch beim Christentum. Viele der Ursprünglichen Einflüsse werden nach Jahrhunderten nicht mehr wahrgenommen weil sie als ureigene Tradition verstanden werden obwohl sie es nicht sind. Und das trotz Schriftkultur. Noch früher als die schriftlichen Festlegungen noch seltener waren, ist es schwierig überhaupt Quellen zu finden. Aber auch die Quellen aus den Anfängen des Christentums sind meistenteils vernichtet worden. So ja auch beispielsweise das Judasevangelium. Aber auch die anderen Apokryphen, wie die Nag Hamadi Texte, sind nur in Einzelfällen der Vernichtung entronnen.
Der christliche Glaube ist bspw. in den römischen Staatsglauben übergegangen. Der Papst ist eigentlich der römische Kaiser, und er zeigt das immer noch, indem der Vatikan, Roben in den Farben des römischen Senats mit der gleichen Farbhierarchie trägt. Die ursprünglichen Kirchen entsprechen genau den Anbetungshäusern des römischen Kaisers und die Heiligen benutzen bis heute in der Darstellung Attribute römischer Gottheiten. Da ist kaum was geändert worden, nur die Etikette wurden ausgetauscht. Deswegen hat sich auch der normale Bauer kaum entrüstet. Es wurde für ihn nur als modischer Einfluss innerhalb des antiken polytheistischen Weltbildes unter anderen sichtbar. Auch die weibliche Gottheit dieser Zeit Isis existiert als Maria weiter.
Nur so was es möglich das das Christentum schon zweihundert Jahre nach seiner Entstehung im gesamten römischen Reich verbreitet war. (ein Rätsel das mich lange beschäftigt hat) Die Menschen waren damals genauso konservativ, wie heute – sogar noch stärker. Aber der Wechsel zum Christentum wurde ihnen überhaupt nicht als Wechsel bewusst. Es war nur eine modische Fassung dessen, was sie als römischen Glauben kannten.
Und in den Anfängen gab es noch verschiedenste grosse Strömungen, wie die Marcioniten. Später wurden dann von der Gruppe die sich durchgesetzt hat, den heutigen Katholiken, alle Quellen und Erinnerungen an die anderen Gruppen die zeitweise genauso stark oder stärker waren vernichtet. So wie auch die Abweichler selbst verfolgt wurden, denn die Verfolgung Andersgläubiger fing im Christentum auch schon im dritten Jahrhundert an, also zu einer Zeit, bei der viele denken das Christentum wäre verfolgt worden.
Beim Judentum und beim Islam existiert aber auch ein ähnlicher Wirrwarr.
Comment by luclog — April 7, 2006 @ 11:20 am
Du hast Dich intensiv mit dem Thema beschäftigt, wie es aussieht. Interessant ist auch die Geschichte rund um die Gegenpäpste
Und wie sich das Christentum auf den Kontinenten verbreitete. Z.B. in Afrika:
In vielen Staaten gibt es große christliche Gemeinschaften.
Schließlich hat das Christentum schon früh begonnen, in Afrika Fuß zu fasssen. Man prägte alten Kultstätten die eigenen Symbole auf und übernahm Mythologie, etwa aus Ägypten.
Die Kopten in Ägypten lassen sich seit dem 2. Jahrhundert nachweisen und auch Äthiopien hat kaum 100 Jahre nach dem Tod Jesu erste christliche Gemeinden. Quelle
Manche sagen, die Zerstrittenheit der Christen (Monophysiten, Nestorianer, …) sei Mitursache für den Aufstieg des Islam gewesen.
Die ursprünglichen Kirchen entsprechen genau den Anbetungshäusern des römischen Kaisers und die Heiligen benutzen bis heute in der Darstellung Attribute römischer Gottheiten. Da ist kaum was geändert worden, nur die Etikette wurden ausgetauscht.
Es funktioniert wohl meistens, die Menschen durch gewohnte Tradition zu beruhigen und sie nicht mit zu viel Neuem zu überfordern. Parteien arbeiten eigentlich auch damit, aber auch Unternehmen versuchen, bei den Menschen das Bewährte und Bekannte anzusprechen.
Comment by euroneuzeit — April 7, 2006 @ 2:34 pm