April 4, 2006

Internet wird Verkaufskanal

Filed under: Technikwelt - luclog @ 6:48 pm

Hier kommt der nächste grosse Angriff auf das freie Internet. Und es ist so, wie ich es auch schon im HDTV Zusammenhang beschrieben habe: Die freie Nutzung des Internet ist der Industrie ein Dorn im Auge. Das Internet soll in etwas umgewandelt werden was mehr dem Fernseher ähnelt. Die Industrie will den Nutzer als abhängigen Konsumenten, jede Freiheit ist da nur Problem.

Auch der Politik kann eine solche Redefreiheit wie sie sich im Netz entwickelt nur missfallen. Da sind sie längst Getriebene und denken sehnsüchtig an die alten Zeiten zurück als sie die Presse noch voll im Griff hatten. Und die Presse sehnt sich nach Zeiten zurück wo man ihre Meldungen nicht kritisch überprüfen konnte. Und die Industrie sehnt sich nach Konsumenten die man über Ballaballa Werbung verblöden kann. Die  Manipulatoren haben in der modernen Welt die Macht und es sind nur Werkzeuge der Manipulation wirklich in ihrem Interesse. Und nachdem sie das Internet ungefähr dreissig Jahre verschlafen und nicht verstanden haben beginnen sie jetzt zu verstehen. Da formiert sich eine starke Front gegen das Internet.

13 Comments »

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  1. Die Manipulatoren haben in der modernen Welt die Macht und es sind nur Werkzeuge der Manipulation wirklich in ihrem Interesse.

    Cool, hört sich an wie in einer Verschwörungstheorie. :-) “Die Manipulatoren”, das könnte auch der Titel eines Bestseller-Romans werden. Wenn ich Dir den jetzt wegschnappe, kannst Du mich ja auch verklagen, also wie die Manipulatoren vorgehen. :-)

    Comment by euroneuzeit — April 5, 2006 @ 12:01 pm

  2. “Die Manipulatoren”

    Ist doch so. Das ist es was, die drei Gruppen verbindet, Lobbyisten, Politiker, und Journalisten. Man könnte das auch den “Meinungsbildenden Komplex” nennen. Bei diesem Punkt treffen sich ihre Interessen auch bei ansonsten eventuell gegenläufigen Positionen.

    Und zusammengenommen haben die die Weltherrschaft. Nur sind sie ja zum Glück in anderen Dingen und Positionen heillos zerstritten. Wenn es aber um die Basis der eigenen Prominenz geht, können sie doch schnell eine Mehrheit bilden, die die Substanz ihrer gesellschaftlichen Position sichert.

    Comment by luclog — April 5, 2006 @ 12:30 pm

  3. Nur sind sie ja zum Glück in anderen Dingen und Positionen heillos zerstritten. Wenn es aber um die Basis der eigenen Prominenz geht, können sie doch schnell eine Mehrheit bilden, die die Substanz ihrer gesellschaftlichen Position sichert.

    Es ist aber schwieriger, weil es ein Geben und Nehmen ist.
    Lobbyisten, Politiker und Journalisten geben Impulse in die Gesellschaft, die gewollt oder unbeabsichtigt eine Wirkung entfalten, die Gesellschaft signalisiert aber auch Lobbyisten, Politikern und Journalisten welche Themen interessant und welche Anliegen gerade bedient sein wollen, Lobbyisten, Politiker und Journalisten greifen das dann auf. Man beeinflusst sich also gegenseitig, wie Pingpong, oft bilden sich daraus etablierte Institutionen und Meinungshoheiten, die aber alle auch bedroht sind und mit der Zeit durchbrochen werden können. Meistens läuft sich eine Denke irgendwann tot, sie war einem bestimmten Zeitgeist zuzuordnen und dann folgt ein anderer. Besonders erfolgreich sind immer die, die es verstehen, rechtzeitig auf ein anderes Pferd zu setzen. Unser Außenminister a.D. Fischer beispielsweise hat irgendwann gemerkt, dass er einen anderen Weg gehen muss, um voranzukommen. Die Macht von Lobbyisten, Politikern und Journalisten ist daher nie eine absolute, es ist immer ein Einfluss, der erkämpft und gehalten werden muss und der ständige Beobachtung der Umwelt, Input und Output erfordert, also durchaus mühsam ist. So kommt das zu Stande, was man Mainstream nennt.

    Comment by euroneuzeit — April 5, 2006 @ 12:44 pm

  4. Tja, wenn aber die technische Seite ein Angebot macht bei der diese drei Gruppen eigentlich nur gewinnen können, wird es schwer sein dagegen anzukommen.

    Comment by luclog — April 5, 2006 @ 12:55 pm

  5. Es ist für “Manipulatoren” immer wichtig, das Opfer der Manipulation langsam und stückweise umzugewöhnen, auch “Salamitaktik” genannt. Dem Lockangebot kommt dabei, wie Du richtig erkannt hast, eine besondere Bedeutung zu. Es ist aber auch so, dass die Pläne, die Lobbyisten, Politiker und Journalisten sich ausdenken, selten 1:1 umgesetzt werden können, da die erwartete Entwicklung nicht eintritt. Ganz einfach: Sie können nicht die Zukunft vorhersehen. Ohne Dynamik in Wirtschaft und Gesellschaft, ohne Innovationen könnte jemand stetig seine Macht vergrößern und dabei immer auf dieselben Mittel zurückgreifen. Durch unvorhergesehene Ereignisse und Innovationen sind aber Kursänderungen erforderlich, das sind Veränderungen des Marktes, die auch manche Unternehmen in den Ruin treiben, während neue hochkommen.

    Das siehst Du am Beispiel von UMTS. UMTS hat dem Bund 100 Milliarden eingebracht, hätten die Unternehmen die technische Entwicklung korrekt vorhergesehen, hätten sie dafür nicht bezahlt. Es kann ja auch keiner die Aktienkurse vorhersehen, von marginalen Insiderinfos mal abgesehen.

    Tendenziell können nur diejenigen garantiert ihren Einfluss halten, die über sehr viel Kapital (viele Mrd.) oder über einen Einfluss verfügen, der nicht in Zweifel gezogen wird (Religion). Selbst brutalste Tyrannei (in Diktaturen) ist kein Garant für Beständigkeit, da ja andere kommen können, die genauso vorgehen.

    Auf das Internet und die Wirtschaft übertragen heißt das, es können zwar Versuche unternommen werden, das Internet in ein kommerzielles Etwas umzuwandeln, ob das dann auch so kommt, ist ungewiss.

    Comment by euroneuzeit — April 5, 2006 @ 1:07 pm

  6. Aber die Gefahr ist gross. Und die Gründe dafür liegen auf der Hand. Ich gehe nicht davon aus, daß alles was ich mir ausdenke eins zu eins passiert. Aber die Zusammenballung der Interessen und die neusten Entwicklungen zeigen die Gefahr.

    Es ist ja auch nicht nur eine deutsches Phänomen. Die Versuche des Rückbaus des offenen Internet sind weltweit zu erkennen.

    Comment by luclog — April 5, 2006 @ 1:45 pm

  7. Die Versuche des Rückbaus des offenen Internet sind weltweit zu erkennen.

    Wobei es leider so ist, dass einige Staaten nie ein offenes Internet hatten, weil die Regierungen das gar nicht wollen, sondern lieber über Filter zensieren.

    Comment by euroneuzeit — April 5, 2006 @ 1:50 pm

  8. Aber in einem hast Du natürlich recht. Wenn einer aus Phlanax ausbricht und es bemerkt wird, könnte er dadurch Popularität auf sich vereinigen. Leider habe ich nicht das Gefühl, daß die Masse der Bevölkerung überhaupt das Problem versteht, geschweige denn die Tragweite. Also bekommen die Leute, über kurz oder lang, das was sie verdienen.

    Und die paar paar Kritiker ziehen einwenig Prominenz aus der Kritik, verhindern aber letztlich nichts.

    Comment by luclog — April 5, 2006 @ 2:03 pm

  9. Also bekommen die Leute, über kurz oder lang, das was sie verdienen.

    Deswegen ist es im Grunde immer Quatsch, sich groß über gesellschaftliche Missstände aufzuregen, sich vor Wut Haare auszureißen und so… gegen Mio. Menschen, die das herbeiführen, was sie wollen, oder zumindest das zulassen, was geschieht, kommt man nun mal nicht an. Auf der anderen Seite weiß man wie gesagt gar nicht, wie genau die Zukunft wird. Dann regt man sich vielleicht auf und es kommt ganz anders.

    Comment by euroneuzeit — April 5, 2006 @ 2:08 pm

  10. Man sollte die Gefahr nicht unterschätzen, aber wer nach dem heutigen Stand der Dinge, das Internet in der Hand haben wollte, der müsste im Prinzip auch die Weltherrschaft haben. Versucht wird natürlich alles.

    Blofeld! :-D

    Comment by Sisi Habsburg — April 5, 2006 @ 2:13 pm

  11. Da muss ich widersprechen. Öffentliches Aufregen hat mehrere Vorteile:

    A) Glück: Manchmal treffen Aussagen und Meinungen den Zeitgeist, und lösen dadurch plötzlich ein Meinungslawine und einen Umschwung aus.

    B) Gesundheit: Man verschafft sich Luft. Immer alles runterschlucken ist nicht gut.

    C) Sozial: Man integriert sich in den gesellschaftlichen Prozess der Meinungsfindung indem man Position bezieht.

    D) Status: Der Aktive hat immer einen besseren Status als der Passive.

    E) Rechthabereffekt: Man kann sagen: “Ich habs euch doch gesagt”.

    Comment by luclog — April 5, 2006 @ 2:22 pm

  12. Blofeld!

    Nur sehr grob gesehen war Blofeld sowas wie ein Politiker, Journalist oder Lobbyist. : )

    Comment by luclog — April 5, 2006 @ 2:32 pm

  13. Öffentliches Aufregen hat mehrere Vorteile

    Ich meinte auch mehr das private “ich bekomme gleich einen Herzinfarkt”-Aufregen.

    Blofeld in der Tierrechtler-Version

    Comment by euroneuzeit — April 7, 2006 @ 11:03 am

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