April 4, 2006

Handyparken

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 8:20 pm

Es gibt etwas Neues, statt Parkscheinautomaten nun das Handyparken. Hurra. Eine wirklich tolle Innovation. Alle freuen sich schon auf die minutengenaue Abrechnung. Schon die Parkscheinautomaten waren ja supertoll. Ich hätte sogar noch eine bessere Idee: Alle Autofahrer bezahlen ihre Parkplätze und die Strassenbenutzung mit der Steuer. Das würde den technischen Aufwand reduzieren. Genial einfach, was?  Aber ach, das tun sie ja schon. Es gibt also einen Grund hier dreifach und vierfach zur Kasse zu bitten (Eventuell die bekannte Regel der Herrschenden: Verstecke Steuern immer möglichst indirekt).

Komisch, die Städte behaupten ja steif und fest, daß sich der Aufwand mit den Parkautomaten und den Politessen, etc., ja gar nicht lohnt. Also alles eine Arbeitsbeschaffungsmassnahme? Unsinn, dann kann man es ja auch lassen. Oder soll es die Parkzeiten verkürzen und Parkraum schaffen? Auch das ist Unfug wenn die Städte mehr Parkraum brauchen soll man ihn bauen. Einkaufszentren schaffen das, dann sollte es für eine Stadt viel leichter möglich sein.

Aber bei Städten kämpft eine Fraktion mit der Parole wir machen die Innenstädte attraktiver, gegen die Fraktion wir müssen die Menschen aus der Innstadt fern halten, und beide arbeiten im gleichen Haus. Und beide  Fraktionen kämpfen mit Steuergeldern gegen Steuergelder. Auch, daß Parkplatzverteuerung die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver machen würde ist eine Mär. Niemand schleppt einen gekauften Fernseher oder andere Einkäufe im Bus nach Hause, man kommt von der Arbeit und hält dort wo man gut anhalten kann, um das zu besorgen was zu besorgen ist, falls man mit einem Wagen fährt (Nur die anderen Gruppen findet man im Bus). Für viele kommt deswegen dank Parkterror die Innenstadt nicht mehr als Einkaufsmöglichkeit infrage.

Und jetzt wieder eine neue Idee um die Innenstädte unattraktiv zu machen: Handyparken. Es geht voran in Deutschland. 

Internet wird Verkaufskanal

Filed under: Technikwelt - luclog @ 6:48 pm

Hier kommt der nächste grosse Angriff auf das freie Internet. Und es ist so, wie ich es auch schon im HDTV Zusammenhang beschrieben habe: Die freie Nutzung des Internet ist der Industrie ein Dorn im Auge. Das Internet soll in etwas umgewandelt werden was mehr dem Fernseher ähnelt. Die Industrie will den Nutzer als abhängigen Konsumenten, jede Freiheit ist da nur Problem.

Auch der Politik kann eine solche Redefreiheit wie sie sich im Netz entwickelt nur missfallen. Da sind sie längst Getriebene und denken sehnsüchtig an die alten Zeiten zurück als sie die Presse noch voll im Griff hatten. Und die Presse sehnt sich nach Zeiten zurück wo man ihre Meldungen nicht kritisch überprüfen konnte. Und die Industrie sehnt sich nach Konsumenten die man über Ballaballa Werbung verblöden kann. Die  Manipulatoren haben in der modernen Welt die Macht und es sind nur Werkzeuge der Manipulation wirklich in ihrem Interesse. Und nachdem sie das Internet ungefähr dreissig Jahre verschlafen und nicht verstanden haben beginnen sie jetzt zu verstehen. Da formiert sich eine starke Front gegen das Internet.

Urheberrecht und Kultur

Filed under: Zeitgeist, Wissen - luclog @ 2:11 pm

Es gibt das Argument, daß ohne ein Urheberrecht Inhalte nicht hergestellt würden oder die Inhalte an Qualität verlieren. Das ist Augenwischrei und stimmt eigentlich überhaupt nicht. Es gibt keine technische oder kulturelle Errungenschaft die durch das Urheberrecht zustandegekommen oder verbessert worden wäre. Urheberrecht dient nur den Zweitverwertern und der Kapitalisierung von Allgemeingut. Im Grunde genommen immer ein Raub an der Allgemeinheit. Selbst das Auto wäre schon an den Patenten der Pferdewagenindustrie gescheitert.

Mittlerweile werden ja sogar Funde aus der Steinzeit über Urheberrechte geschützt. Über eine solche Rechtsauffassung ist alles schützbar wenn es nur das richtige Gericht findet. Abbildungen der Pyramiden, Abbildungen des weissen Hauses, Abbildungen von Fahnen, einfach alles, zuletzt darf über nichts mehr gesprochen werden, ohne eine Abmahnung zu riskieren. Man befindet sich auf dem Weg in die völlige Perversion, durch Gesetze die nie einen Nutzen hatten.

Aber das Argument ist ja, die Kultur würde abnehmen ohne diesen Schutz. Es gab aber gerade vor dem Schutz durch Urheberrechte die meisten Entwicklungen. Und Wissenschaft wäre ohne den ständigen Bruch der Urheberechte durch Zitation, schlicht unmöglich.

Was haben wir vor dem Urheberecht an Kultur und was danach?:

Ohne Urheberecht entstanden alle antiken Werke, die Ilias, Antigone, alle römische und griechische Kultur die wir bis heute zitieren – die Werke von Bach, Beethoven, Mozart, jegliche Volksmusik, der Blues, der Rock, der Jazz, der Rap; die moderne Zitatemusik wie im House oder der Elektronik ist ein Aufbegehren dagegen und steht völlig im Gegensatz zum Urheberecht – in der Literatur ist alles – Goethe, Schiller, Herder, Kleist, etc. – vor 1900 ohne die heutigen Urheberechte entstanden und erst später duch Zweitverwerter mit solchen Rechten versehen worden.

Selbst die Lutherbibel und damit die Reformation wäre durch ein striktes Urheberecht unmöglich gewesen. Wie eigentlich die gesamte Aufklärung.

Und da geht es mit Patenten wieder hin:

Sir Francis Bacon, der große Wissenschaftler, Philosoph, Staatsmann und Zeitgenosse von Shakespeare, wurde 1621 wegen Bestechung verurteilt. Entgegen seinen eigenen öffentlichen Äußerungen erteilte er als Großsiegelbewahrer und Großkanzler der englischen Krone weiterhin willkürliche Patentprivilegien, die für ihre Inhaber von großem Nutzen, für die Gesellschaft insgesamt aber unerträglich waren. Unter anderem unterlag der Handel mit Johannisbeeren, Salz, Eisen, Pulver, Spielkarten, Kalbshäuten, Segeltuch, Ochsenknochen, Tranöl, Gewebesäumen, Pottasche, Anis, Essig, Kohle, Stahl, Branntwein, Bürsten, Töpfen, Salpeter, Blei, Öl, Glas, Papier, Stärke, Zinn, Schwefel, getrockneten Heringen, die Ausfuhr von Kanonen, Bier, Horn, Leder sowie die Einfuhr spanischer Wolle und irischen Garns sogenannten Patentmonopolen.

Download: Eltern haften für ihre Kinder

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 12:00 pm

Was die lieben Kleinen so machen, ist oft schwer zu kontrollieren. Das gilt besonders beim Computer. Viele Eltern haben nicht annähernd die Kompetenz dazu, und  sind mit ihrem eigenen Computer schon überfordert. Jetzt kommt die deutsche Sektion des Musikindustrieverbandes mit dem altbekannten Baustellenspruch: "Eltern haften für ihre Kinder" (Heise berichtet). Und das bei 15 und 16 Jährigen, die wahrscheinlich mehr technische Kompetenz als ihre Eltern haben und von daher fast gar nicht zu überwachen sind.

Nun, zum "Eltern haften für ihre Kinder" ist zu sagen, daß sich das erstmal im Alter staffelt, ab dem 10.Geburtstag können Kinder auch selbst verantwortlich gemacht werden. Die "Haftung das Kindes selbst" ist dann möglich, wenn es aufgrund seiner Reife erkennen musste, daß durch sein Verhalten Schaden entsteht. Nun – bei Internetdownloads können das ja selbst Erwachsene nicht erkennen. 

Baustellenschild

Eigentlich würde es nur nutzen Kinder strikt von Computer und Internet fern zu halten. Ob das aber dann im Sinne der Industrie und der Gesellschaft ist, wenn Kinder und Jugendliche behindert werden Internet Kompetenzen auszubilden, ist höchst fraglich. Die Musikindustrie behindert mit ihrem Treiben mittlerweile die gesamte technologische Entwicklung der Gesellschaft, es wird Zeit, daß dies auch Politiker und Interessenverbände wahrnehmen – und nicht nur auf das lautstarke Lobbygeschnatter der Phonoindustrie reagieren. Aber eine Krähe hackt bekanntlich der anderen kein Auge aus. Hier muss der Bürger gegen eine marodierende Rechtsbewaffnete Industrie endlich geschützt werden.

Es kann nicht sein, daß wegen der völlig irrelevanten Musikindustrie die gesamte Bevölkerung in der Nutzung von Computer und Internet behindert wird. Und es darf nicht sein, daß alle Eltern in ständiger Angst leben müssen, nur weil sie ihr Kind auf ein Leben in einer modernen Welt vorbereiten wollen und ihm deswegen einen Zugang zum Computer verschaffen. Denn es geht hier nicht um Kinder die 8 oder 9 Jahre alt sind, sondern um Jugendliche des Alters 15 und 16. Diesen den Zugang zum Computer zu versperren ist ein grösseres Verbrechen an der Gesellschaft als die Verwertungsinteressen der Phonoindustrie. Deren positive Funktion für die Gesellschaft eigentlich nahe Null anzusiedeln ist.