April 3, 2006

Rechtsstreit über Schriftarten

Filed under: Zeitgeist, Technikwelt - luclog @ 2:50 pm

Microsoft unterliegt erstmal im Rechtsstreit gegen Lynotype, dabei geht es darum das Microsoft eine Schrift  als Systemschriftart schützen wollte, die wohl der "Next" von Adrian Frutiger zum verwechseln ähnlich sieht, diese sollte dann trickreich als Software geschützt werden. Solches Schützen von Bestandteilen der eigenen Produkte auch ohne, daß sie wirklich originär Eigenes enthalten, ist das normale Vorgehen von Grossfirmen, insbesondere im Computerbereich, bei der Patentierung. Im Übrigen hat das ja auch schonmal geklappt, denn die Arial ist vielen ja mittlerweile als Helvetica Derivat bekannt. Nur bei der Helvetica gibt es viele Derivate, da ist die Arial auch nur eine von vielen.

Trivialitäten, aber auch längst bekannte und geschützte Inhalte technischer oder kultureller Art, werden geklaut, oder einfach okkupiert um sie  dann als ureigene Ideen zu schützen. Hier stieß Microsoft mal auf eine Firma die davon lebt ihre Rechte zu verteidigen. Einzelpersonen haben in diesem Spiel kaum eine Chance. Ich empfinde es auch nicht als Problem, daß Computerfirmen solche Schriften mit Nähe zu älteren Schriften entwickeln, das Problem ist, daß, und wie diese dann geschützt werden. Ich bin bei der Nutzung eigentlich eher auf der Seite von Microsoft, halte nur den eigenen Schutzversuch für bedenklich. Auch bei den Schriften die vorher geschützt wurden, beispielweise durch Firmen wie Linotyp, ist vieles mehr trivial als eigene Entwicklung.

An Frechheit ist das Vorgehen aber kaum zu überbieten. Und bei vielen Trivialpatentierungen siegt oft einfach die Frechheit. Auch das Schützen von Farben und anderen Trivialitäten, gehört in diesen Bereich und ist eigentlich mehr als Raub an irgendwelchen Schöpfern, Raub an der Allgemeinheit und letztlich ein Bremsklotz für jede Entwicklung. Unter solchen Bedingungen wie sie jetzt hergestellt werden sollen, wäre weder der Computer noch das Auto als Entwicklung möglich gewesen.

Bilderverbot

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 1:29 pm

Das islamische Bilderverbot hat ja schon zur Sprengung der Buddha Statuen von Bamiyan geführt. Nun erklärt der Grossmufti von Ägypten Statuen für unislamisch. Und in Ägypten stehen eine Menge kulturell sehr wichtiger Statuen, die sind dadurch alle in Gefahr. Überhaupt sind sich viele Menschen die die bildende Kunst schätzen, sich scheinbar nicht der Konsequenzen eines strikten Islam für die Kultur bewusst. Islam heisst eigentlich ernstgenommen nicht nur keine Mohamed Karikaturen, sondern gar keine Karikaturen mehr, keine Comics, keine Mona Lisa, kein David, keine Sonnenblumen und kein vitruvscher Mensch:

(NUMO) Herausgeber des Literaturmagazins Akhbar al-Adab sagte gegenüber "al-Jazeera".: "Wir können nicht ausschließen, dass jemand in den Karnak-Tempel in Luxor eindringt und ihn auf Grundlage dieser Fatwa in die Luft jagt."

Scheich Yusuf al-Qaradawi aber, der wegen seiner TV-Auftritte in arabischen Satelliten-Sendern in der gesamten sunnitisch-islamischen Welt hohes Ansehen genießt, unterstützt das neue Urteil seines ägyptischen Kollegen. "Der Islam verbietet Statuen, die Lebewesen wie Menschen oder Tiere darstellen. Der Islam verbietet alles was zu Heidentum führt oder danach riecht, inklusive der Statuen der alten Ägypter." Die einzige Ausnahme seien Kinderspielsachen.

Kirchen wie der Kölner Dom (Hagia Sophia - Weisheitskirche) werden aber gerne umgebaut, nachdem sie aller bildlicher Darstellung entkleidet worden sind.