Weinkenner aufgepasst
Ich mag Weinkenner. Es ist ja kaum noch durch etwas Distinktion herzustellen, ein paar Dinge wirken noch und bringen den nötigen kulturellen Respekt: Andächtiges Lauschen von unverstandener Musik (CD im Schrank reicht auch), erfürchtiges Verharren vor völlig bizarren Kunstwerken (Hier reicht auch ein Buch), Besuche von wichtiger alter Hochkultur (Muss getan werden), lesen von albernen Büchern (Zwei Seiten reichen), und natürlich, Weinkennerschaft (Kann man nur kaufen). Aber das Streben danach, zumindest im Geschmack, etwas besonderes zu sein, was man eigentlich immer schon ab Geburt ist, ist ein schönes Eingeständniss eines unbedingten Anpassungswillens.
Es kann aber auch passieren, daß ein Geschmackserlebniss nur auf einer schlichten Fälschung beruht wie die "Mächtige Eleganz, der Hauch von Trockenpflaume" , beim Spitzenwein "Barbera d’Asti" der eigentlich schon lange ausverkauft war, aber wegen seiner Beliebtheit noch ein wenig weiter produziert wurde.
"Zu den wichtigsten latenten Funktionen der Werbung gehört es, Leute ohne Geschmack mit Geschmack zu versorgen." - Niklas Luhmann
