Podcast und Videokultur
Ich versteh es nicht. Warum sprechen Menschen ihre Elaborate auf Band damit man sie hören kann, oder filmen das Ganze auch noch ab, und das meist in grausiger Qualität. Die grausige Qualität hat zwar schon längst die Massenmedien erreicht, von daher ist es kein wirkliches Unterscheidungsmerkmal, aber alles was in solchen Quellen versteckt ist, ist schlecht zitierbar. Der einzige Videoblog (wenn man das so nennen kann) den ich nutzte, ist der von Harald Lesch, und das auch nur weil es anders nicht geht. Ich hasse es, daß ich die enthaltenen Informationen nicht als Text vorliegen habe. Um Einzelheiten zu zitieren muss man immer auf einen gesamten Film verweisen. Die Zitierung wechselt also wieder auf, ich habe gehört, wird unschärfer. Dazu kommt, daß man in solchen Quellen schlecht nachschlagen kann. Eigentlich ein Rückschritt. Oder Regression: Für Kinder ist ja auch alles toll, wenn es möglichst viel blinkt und sich bewegt, schon für ganz kleine Kinder.
Aber das Video als Information. Schlimm. (Einen ähnlichen Rückschritt in der Verfügbarkeit von Information, hat man nur dadurch, daß viele Online-Quellen nach kürzester Zeit ihre Artikel vom Netz nehmen) Es dauert länger es zu bekommen, und länger es herzustellen, nichts ist darin auffindbar. Das Video hat also die Vorteile, alt und zeitraubend. Oft ist es völlige Verschwendung es gesehen zu haben, nur weil man auf einen vielversprechenden Titel oder eine vielversprechende Rezension reingefallen ist. Das ist nur beim Kino noch ärgerlicher, wo sich Anfahrtszeit und Leidenszeit, plus Eintrittsgeld, bei einem schlechtem Film zum Höchstmass der Lebenszeitverschwendung addieren können.
Oft schaut man so ein Podcast/Internet Video nämlich bis zum Ende, und wartet auf die Pointe, die ist dann banal oder völlig uninteressant. Man kennt das auch vom Fernsehen, scheinbar interessante Berichte werden an das Ende einer Sendung gesetzt. Der Zuschauer sieht, wegen dem vielversprechendem Titel im Vorspann, dann die gesamte Sendung und wird zuguterletzt mit einem völlig langweiligem Beitrag vergrätzt, der augenscheinlich nur zu dem Zweck hergestellt wurde, daß man diesem einen sensationellen Titel verpassen konnte.
Das ganze Videocasting ist ein einziger Hype um Menschen Geräte schmackhaft zu machen die sie absolut nicht brauchen. Der einzige sinnvolle Grund für einen Ipod ist der Datentransfer. Nicht das Hören oder sehen. Hören im Bus Auto oder auf der Strasse mit einem Walkman ist einfach nur blöd, uralt und gefährlich. Es unterbindet jegliche Kommunikation und es überdeckt die Alltagsgeräusche die man besser hören können sollte, bevor sie einen überollen oder von hinten anfallen. Und Kumpels besuchen und ihnen im trauten Beisammesein ein lustiges Filmchen aufzudrängen, spricht auch nicht gerade für die die Fähigkeit zum amüsantem Gespräch. Eher ein Grund zum Kontaktabbruch.
Bei mir wimmelt es mittlerweile von Geräten die abspeichern und abspielen können. Und alle wollen dann auf ihre eigene Weise versorgt und auch noch genutzt werden. Soviel Zeit hat man einfach nicht. Letztlich bleibt es dann bei ca. einem Gerät. Und manche Geräte vergiss man einfach so lange, daß man die Bedienungsanleitung lesen muss, um sie wieder ordentlich zu verschalten. Die Bedienungsanleitung, könnte nun auch als Podcast vorliegen, das wäre dann noch schöner.
