March 6, 2006

Glucksmann zum Karikaturen Streit

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 12:46 pm

Wahrheit und Glauben - Andre Glucksmann über den Karikaturenstreit

Die Karikaturenkampagne richtete sich zunächst gegen eine Zeitung, dann gegen Dänemark, das sich auf die Meinungsfreiheit berief, und visierte am Ende ganz Europa an, dem man vorwarf, ungleiches Maß anzulegen. Denn erlaubt die Europäische Union nicht die Verspottung des Propheten, während sie andere "Meinungen" wie den Nazismus und die Leugnung des Holocausts verurteilt? Warum darf man über Mohammed spaßen, aber nicht über den Völkermord an den Juden?, fragen lauthals die Islamisten und loben einen Karikaturen-Wettbewerb über Auschwitz aus. Wie dem einen so dem anderen: Entweder ist alles im Namen der Meinungsfreiheit gestattet, oder beides wird zensiert, das, was die einen und das, was die anderen schockiert. Nicht wenige Verteidiger des Rechts auf Karikaturen fühlen sich in der Falle. Werden sie im Namen der Meinungsfreiheit Zeichnungen über die Gaskammern publizieren?

Via: Gudrun Eussner die dazu auch einen längeren Artikel verfasst hat:

Anfang Februar 2006, als die von den Regierungen und den fundamentalistischen Imamen gelenkten Proteste und Krawalle überall in den muslimischen Ländern der Mohammed-Karikaturen in Jyllands Posten wegen in vollem Gange sind, mischt sich Farid Mortazavi, der Grafiker der Zeitung der Teheraner Stadtverwaltung Hamshahri, mit der Ankündigung eines Karikaturenwettbewerbs über die Judenvernichtung in die Debatte ein. Spiegel Online berichtet und bezeichnet die von Fundamentalisten regierte Stadtverwaltung des ehemaligen Bürgermeisters von Teheran Mahmoud Ahmadinejad verniedlichend als konservativ. Spiegel Online sieht auch keinen Erklärungsbedarf, wie es im diktatorisch regierten Teheran einem Mob von 400 Demonstranten (sic!) gelingen kann, die evakuierte dänische Botschaft mit Brandsätzen und Steinen zu attackieren, wobei es einigen von ihnen gelingt, über die hohen, mit Stacheldraht versehenen Mauern zu klettern und auf das Gelände zu stürmen. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt Gernot Erler wird zitiert, dass man dort zum Teil von organisierten Demonstrationen sprechen kann. Wer hat sie organisiert? Spiegel Online weiß es nicht oder sagt es nicht. Nach internationalem Recht handelt es sich beim Angriff auf die dänische Botschaft um einen kriegerischen Angriff der Islamischen Republik Iran auf den Staat Dänemark. Weiter..

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