February 28, 2006

Antiamerikanismus als Widerstand

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 2:17 pm

Aus einem Focus Artikel zum Thema BND:

„Das Nein zum Irak-Krieg hat sich in der Bevölkerung und in der SPD als historischer Fakt festgesetzt“, erinnern Regierungs-Insider an den letzten Bundestagswahlkampf im vergangenen Jahr. Selbst mehr als zwei Jahre nach dem amerikanischen Angriff konnten der damalige Kanzler Gerhard Schröder und seine Mannschaft noch jede öffentliche Veranstaltung mit dem Beschwören ihrer Antikriegshaltung zu lautstarkem Jubel bewegen. Wenn das Publikum angesichts der Details von Bürgerversicherung oder demographischem Wandel in Lethargie zu verfallen drohte, half immer das Wort „Irak“, verbunden mit dem Ausruf: „Deutsche Außenpolitik wird immer noch in Berlin gemacht.“

Es ist immer das gleiche Schema und die Frage die sich da stellt ist: Was macht den Antiamerikanismus in Deutschland so populär? Antiamerikanismus ist längst ein Massenphänomen in Deutschland. Ein wohlig warmes Gefühl von heimeliger Geborgenheit durchströmt die Massen wenn sie USA-SA-SS rufen, wie in den alten Zeiten. Und auch in den Massenmedien sind Kommentare populär die sich kaum von solchen Parolen unterscheiden. Verschwörungstheorien die bis zur jüdischen Weltverschwörung alles durchdeklinieren können unter dem Deckmantel der Antikriegshaltung wieder halboffen geäussert werden.

Die ewiggestrige Linke hat die veränderte Realität des Untergangs des Kommunismus nicht verarbeitet. Und geht nunmehr von völlig absurden Vorstellungen aus, die sich immer mehr einer extremen Rechten annähern. Die gesamte Linke Bewegung ist ja auch eher ein Schuldbewältigungsprogramm. Immer schon gewesen: es ging darum die Elterngeneration zu überwinden und wie immer gleicht sich eine solcher Versuch der Überwindung im Endeffekt der eigentlich kritisierten Position wieder an.

Ein Versuch über eine ideologische Abtrennung von der Vergangenheit die Freiheit der Unschuld zurückzugewinnen. Und es wundert einen nicht, wenn die Freiheit der Unschuld über eine abstrakte Positionierung wie, "Ich bin ein Linker" oder "Links neben mir ist nur noch die Wand", erreicht worden ist, erscheint das Gewissen so rein, daß dadurch jede eigene Position als Widerstand zum Zeitgeist erscheint. Die kleine Ungereimtheit, daß bei den Themen USA und Irakkrieg 90 Prozent der Deutschen einer Meinung sind, und dies einem prima Wahlergebnis für die NSDAP entspricht, wird mit üblicher "linker" Realitätsverdrängung bewältigt. Das die Kritik an den USA und die Gleichsetzung der USA mit Faschismus ein Programm ist um die Souveränität über die Interpretation von Geschichte zurückzugewinnen und in dialektische Manier,  Schwarz in Weiß und Gut in Böse umzuwandeln, ist ein leicht zu durchschauendes Manöver. Es geht beim Antiamerikanismus um abstrakte Geschichtsleugnung, um die Wiederherstellung des idealistisch guten Standpunktes, den der Deutsche schon immer gerne für sich reklamiert hat.

So fühlen sich nun Leute in einem antifaschistischem Zusammenhang obwohl sie dem völligem Gegenteil entsprechen, sie folgen einer Massenbewegung und Massenmeinung. Und ihre "kritischen" Ideen sind Plattitüden denen wohl auch ein Goebbels zugestimmt hätte, der sich schon zur NS-Zeit der selben Rethorik gegen die USA bedient hat. Der Unterschied ist nur, die wirklichen Faschisten verfolgten und verfolgen damit einen Plan, die in sich selbst völlig verstörte Linke, bildet in ihrer Verdrehtheit nur eine instrumentalisierbare Masse. Da fehlt nur noch die Gruppierung, die diesen bösen Geist populistisch erweckt.

 

1 Comment »

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  1. Antiamerikanismus

    Auf dem von der euroneuzeit empfohlenen neuen Luclog-Blog ist ein schner Beitrag zum Thema Antimerikanismus zu finden. Ein Auszug:
    Die ewiggestrige Linke hat die vernderte Realitt des Untergangs des Kommunismus nicht verarbeitet. Und geht nunmehr …

    Trackback by Gegenstimme — February 28, 2006 @ 4:46 pm

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