February 24, 2006

Islamismus im Vergleich zum Faschismus.

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 5:33 pm

Interessanter Text von Matthias Küntzel.

 

Daraus Auszüge:

Islamismus, Faschismus und NS

Gemessen an der Bedeutung, die Islamisten dem Koran beimessen, war der Stellenwert von Hitler’s Mein Kampf für die Nationalsozialisten geradezu peripher. Hitlers Text war korrigierbar. So wurden in der arabischen Übersetzung von Mein Kampf dessen antiarabische Tiraden mit Zustimmung des Autors eliminiert. Der Koran ist für Islamisten hingegen sakrosankt. Er gilt als das unmittelbar von Gott stammende Wort, das der Engel Gabriel dem Propheten Mohammed im Laufe von rund 20 Jahren (612-632) in Mekka und Medina überbrachte, als absolute Wahrheit und Maßstab jedweden Tuns. Zwar werden in einschlägigen Koranschulen und djihadistischen Camps ausschließlich die von Sayyid Qutb und anderen islamistischen Führern ausgewählten Koranpassagen eingepaukt. Diese aber werden dann vom ärmsten pakistanischen Kleinbauern bis zum promovierten Akademiker der Hamas wortwörtlich genommen, ob es sich nun um die grenzenlose paradiesische Befriedigung für Märtyrer handelt oder um die Verwandlung von Juden in Affen oder Schweine. So konzentriert sich der mit größter Ernsthaftigkeit geführte Theoriestreit im Monatsmagazins der Hamas auf die Frage, ob sich die in Affen und Schweine verwandelten Juden weitervermehren können oder als Zwitterwesen bald sterben. Denn diese Frage beantwortet der Koran nicht.[1]


Da mögen sich die gegenwärtigen islamistischen Bewegungen noch so sehr in der Wolle liegen – durch einen Nenner sind sie alle geeint: Einem Antisemitismus, der auf dem Phantasma von der jüdischen Weltverschwörung basiert. Nehmen wir das Beispiel des Islamisten Scheich Mohammed Sayyid Tantawi. Tantawi ist kein einfacher Prediger, sondern der Leiter der Al-Azhar-Universität von Kairo und damit einer der renommiertesten Geistlichen im sunnitischen Islam. Sein Standardwerk „Das Volk Israels im Koran und in der Sunna“ – gleichzeitig seine Doktorarbeit – erschien 1997 in vierter Auflage. Die Juden, erklärt darin Tantawi, haben die französische Revolution und die Oktoberrevolution inszeniert. Sie haben den Ersten und den Zweiten Weltkrieg entfacht und davon profitiert. Sie kontrollieren die Wirtschaft und die Medien der Welt. Sie kämpfen für die Zerstörung von Moral und Religion und betreiben Bordelle in aller Welt. Tantawi, der höchste sunnitische Theologe, zitiert Adolf Hitlers Mein Kampf mit der Aussage: „Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk des Herrn.“ Er lobt die Protokolle der Weisen von Zion und berichtet ohne eine Spur des Bedauerns, „dass nach Veröffentlichung der Protokolle in Russland ca. 10.000 Juden getötet worden seien.“[4]/>

Diese Protokolle sind in der Tat ein Kriegswerkzeug. Sie projizieren alle vermeintlichen Übel der Moderne auf einen einzigen Feind und teilen die Welt manichäisch auf: Hier das bedrohte Gute, dort das jüdische Böse. Entweder Vernichtung des Bösen oder eigener Untergang. In Russland lösten die Protokolle Pogrome aus, in Deutschland waren sie der Leitfaden zum Holocaust: Kein anderer Text hatte Hitlers Judenpolitik maßgeblicher geprägt.[5] Dennoch ist mit Ausnahme des Koran kein anderes Buch in der arabischen Welt heute ähnlich einflussreich wie Die Protokolle der Weisen von Zion. Mittlerweile wurde dieser Leitfaden Adolf Hitlers nicht nur in 60 unterschiedlichen arabischen Buchausgaben veröffentlicht, sondern mehrfach auch als Spielfilmserie popularisiert. Den Anfang machte das ägyptischen Staatsfernsehen, das eine 41-teiligen Verfilmung der Protokolle während des Ramadan 2002 zur besten Sendezeit ausstrahlte. Mehr als 20 Fernsehstationen in der arabischen Welt haben diese antisemitische soap opera später übernommen. Zum Ramadan 2003 folgte eine noch blutrünstigere Verfilmung der Protokolle in 29 Teilen, die der Hisbollah-Sender Al-Manar mit Unterstützung syrischer Stellen produzieren und danach per Satellit in alle Welt ausstrahlen ließ.[6]

Denn inzwischen hat der Islamismus nicht nur das Phantasma der Weltverschwörung, sondern auf spezifische Weise auch den europäischen Rassismus adaptiert. So schreibt der Islamismus den Juden wenn auch keine biologistischen Merkmale, so doch „soziale“ Eigenarten zu, die unveränderlich seien, und die das jüdische Verhalten für alle Zeiten bestimmten. Zu den wichtigsten Dokumenten dieses Rassismus gehört der in der gesamten islamischen Welt verbreitete Aufsatz „Unser Kampf mit dem Juden“, den Sayyid Qutb, der wichtigste Ideologe des Islamismus, 1950 veröffentlichte. Qutb zufolge seien die Juden „von ihrem ersten Tag an … die Feinde der muslimischen Gemeinschaft“ gewesen und hätten ihren Krieg gegen den Islam „in beinahe vierzehn Jahrhunderten nicht für einen einzigen Moment unterbrochen.“ Qutb machte verkappte „Juden“ selbst unter den Moslems aus: „Jeder, der diese Gemeinschaft von seiner Religion und seiner heiligen Schrift wegführt, kann nur ein jüdischer Agent sein, ob er dies nun bewusst oder unbewusst, willentlich oder unwillentlich tut.“[8] Auch das schon erwähnte Standardwerk von Scheich Tantawi schreibt Juden unveränderliche Eigenschaften zu, wie beispielsweise das „Brechen von Verträgen und Bündnissen“, die „Gier nach dem Leben und dem Diesseits“, „Selbstsucht“, „übermäßiger Egoismus“ oder „Heuchelei“. [9]

Denkblockaden

Filed under: Zeitgeist - luclog @ 1:10 pm

Ein Artikel von Bassam Tibi beim Tagesspiegel, ist ganz interessant. Erst beschreibt er die Gefahren denen man ausgesetzt ist wenn man hierzulande die Regeln der "Political Correctness" verletzt. Und dabei spielt weder Herkunft noch politische Ausrichtung eine Rolle. Keiner traut sich, sogar die Satire und das politische Kabarett sind in diesem Fall, merkwürdig ruhig, wie auch die Karikaturisten, als sogar nun direkt betroffenen Gruppe.

Meine Karriere als Publizist in Deutschland fing an zu bröckeln, weil ich Verbotenes schrieb und kulturelle Unterschiede und die Konflikte, die daraus hervorgehen, offen ansprach. Es wurde noch schlimmer, als ich in „Europa ohne Identität?“ über den Kontinent im Zeitalter der Zivilisationskonflikte nachdachte. Man verzeiht mir bis heute nicht, dass ich für eine europäische Leitkultur als kulturübergreifende Werteorientierung eintrete, die Europäer und islamische Migranten teilen und beide verbindet. Ich wurde als Panikmacher verunglimpft, weil ich ein Szenario des Konflikts ausmalte: Wenn es nicht gelingt, Migranten wertemäßig zu integrieren, dann wird Europa von einem Zivilisationskonflikt überschattet, der sich zu einem weltanschaulichen Krieg steigern und auch dschihadistische, also gewaltförmige Züge annehmen könnte. Im Karikaturenkonflikt und zuvor in Madrid und Amsterdam (2004), London und Paris (2005) ist dieses Szenario Realität geworden.

Und komprimiert die Entwicklung in diesem entscheidenden Passus:

Der 11. September 2001 war eine Illustration dafür, wie Politik religionisiert wird. Aus der Kulturanthropologie wissen wir, dass Religion ein „kulturelles System“ ist, nicht nur ein Glaube. Wer sagt, der 11. September habe mit Religion nichts zu tun und sei nur ein Widerstand gegen die amerikanische Globalisierung, und schlussfolgert, dies betreffe Europa nicht, hat nichts verstanden. Die Ereignisse in Europa von Madrid am 11. März 2004 über Amsterdam am 2. November 2004, dann am 7. Juli 2005 in London bis hin zum islamischen Aufstand in den „Banlieues de l’Islam“ von Paris strafen diese Denkweise Lügen.

Dazu auch PI.